Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 20.04.2017

Die digitale Transformation an der Maschine schaffen

Mit dem App-gestützten System «Celos» und weiteren intelligenten Softwarelösungen will DMG Mori die elementare Grundlage für den Übergang zur Volldigitalisierung der Prozessketten in der Produktion schaffen.

(msc) Natürlich wissen die Hersteller genau, dass die Fundamente für Industrie 4.0 schon heute bei der tagtäglichen Produktion gelegt werden müssen. Als einer der Gros-sen in der Branche will DMG Mori seine Kunden auf dem Weg in die Digitalisierung mit dem App-gestützten System «Celos» und weiteren intelligenten Softwarelösungen unterstützen. Dieses Bedien- und Steuerungssystem hat der Werkzeugmaschinenhersteller vor rund drei Jahren vorgestellt und diesen zentralen Baustein seitdem zielgerichtet weiterentwickelt. Unter Verwendung einer einheitlichen Bedienoberfläche für Maschine und Büro-PC können die Mitarbeiter in der Produktion ebenso wie in der Arbeitsvorbereitung die Abfolge der Jobs und Prozesse genau wie die Maschinendaten verwalten, dokumentieren und visualisieren.

Durch seine offene Architektur erlaubt das System neben seinen Aufgaben im Bereich der Werkhalle auch den Datenaustausch mit Strukturen auf höheren Ebenen und erschliesst dem Anwender so die vollständige Integration seiner Maschinen in die Unternehmensorganisation. Damit schafft Celos eine Schnittstelle zwischen der zerspanenden Produktion und den cyber-physikalischen Produktionssystemen der Zukunft. Beim Einsatz der Software verspricht der Anbieter eine Zeiteinsparung von 30 Prozent bei den Rüstzeiten sowie einen halbierten Aufwand und Zeitbedarf für die Berechnung der technischen Werte oder für die Suche nach wichtigen Daten.

Parallel werden weitere zukunftsorientierte Anwendungen entwickelt, die für eine störungsfreie Einführung von Softwarelösungen für Industrie 4.0 sorgen sollen. Ein Beispiel ist der «Celos Condition Analyzer». In Verbindung mit dem I-4.0-Sensorpaket erhält der Anwender damit ein Softwaretool zum Monitoring von Maschinenzustand und Bearbeitungsprozess, mit dem er direkt an der Maschinensteuerung oder extern über den Celos-PC von DMGMori zeitnahe Leistungs- sowie Zustandsanalysen vornehmen kann.

Die erfassten und aufbereiteten Daten an die Cloud weitergeben

Die sensorisch erfassten und lokal aufbereiteten Daten können in einem zweiten Schritt auch an eine Cloud-Plattform weitergeleitet werden, um dort über eine Algorithmen-basierende Langzeitauswertung Wissen für eine zuverlässige Predictive-Maintenance-Lösung ableiten zu können.

Weiter bietet DMG Mori neben 50 Erweiterungen für die aktuellen 16 Standard-Apps erstmals optionale Apps wie den «Celos Performance Monitor» zur Messung der Key Performance Indikatoren (KPI) oder für sogenannte OEE-Analysen.

Das System öffnet sich mit dem «Celos Developer» als Entwicklungsumgebung auch für Drittanbieter. Der «Celos Clamp Check» sowie der «Celos Surface Analyzer» sind die ersten beiden Vertreter dieser neuen Generation von Celos-Partner-Apps, denen der Anbieter fortlaufend weitere Innovationen folgen lassen will.

Der Clamp Check dient der Steigerung der Maschinensicherheit im Drehbereich auf Grundlage einer drahtlosen In-Prozess-Kontrolle der Spannkräfte. Der für Medical und Aerospace zertifizierte Surface Analyzer ermittelt während des Prozesses die Oberflächenqualität des Bauteils.

Ein anschauliches Beispiel für eine erfolgreiche digitale Transformation in der Prozesskette von DMG Mori liefert die Kompetenzpartnerschaft zwischen der Deckel Maho Seebach GmbH und dem Porsche LMP1-Team. Hintergrund der Zusammenarbeit ist die Premium-Partnerschaft zwischen DMG Mori und dem Porsche Motorsport-Team. Porsche hat in der Langstrecken-Weltmeisterschaft schon in der Fahrer- wie auch in der Hersteller-Wertung gesiegt. .

Das Porsche Motorsport Center in Seebach fertigt in Kleinserien unter anderem komplexe Pumpengehäuse aus unterschiedlichen Materialien sowie technisch anspruchsvolle Befestigungselemente. Die Entwickler des Rennstalls liefern die CAD-Daten, während die Fertigungsexperten in Seebach für den Gesamtprozess bis hin zum fertigen Werkstück zuständig sind: Beginnend mit der Verarbeitung der CAD-Daten und der CAM-Programmierung per Siemens NX-CAM weiter zur 1:1-Simulation mit der DMG Mori Virtual Machine einschliesslich der Maschinenkinematik und -steuerung bis hin zum Finishing auf den realen Hightech-Werkzeugmaschinen.

Auf der Basis der virtualisierten Prozesskette können die Bearbeitungszentren bereits vorab optimiert werden und ermöglichen so eine perfekte Planung, einen wirksamen Kollisionsschutz und eine Reduzierung der Einrichtzeiten auf ein Minimum.

Die Programmierung in der Produktionshalle

Die Produktionshallen-orientierte Programmierung ist immer noch überaus wichtig, insbesondere bei kleinen und mittelgrossen Produktionslosen. Dies wird laut DMG Mori auch noch für lange Zeit so bleiben. Dabei ist das Arbeiten mit Zyklen heute Standard. Zyklen für das Drehen, Fräsen und Bohren sind seit langer Zeit Teil des Leistungsspektrums moderner Steuerungen.

Gestützt auf seine jahrzehntelange anwendungstechnische Erfahrung bietet DMG Mori in seinem Portfolio momentan 24 spezielle Technologiezyklen für die Bereiche Drehen/Drehen und Fräsen oder Fräsen/Fräsen und Drehen. So soll der Bediener direkt an der Maschine im Dialog über parametrisierte Kontextmenüs komplexe Bearbeitungsfunktionen um bis zu 80 Prozent schneller realisieren können.

Prominente Beispiele bieten die Bearbeitung von Freiformoberflächen unter Einsatz der 5-Achsen-Interpolation oder die unterschiedlichen Zyklen für das Verzahnen beziehungsweise die Getrieberadproduktion. Zu den weiteren Highlights unter den Zyklen gehört die Schutzsteuerung für Maschine, Werkstück und Werkzeuge, das «3D quickSet»-Toolkit zum Prüfen und Korrigieren der Kinematikpräzision von 4- und 5-Achsfräsmaschinen oder der Zyklus für das prozessorientierte Optimieren der Vorschübe auf Tastendruck und unter Berücksichtigung der Tischbelastung.


DMG Mori Schweiz AG
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Im neuen Celos Experience Center Bielefeld zeigt DMG Mori beispielhaft eine einzigartige Umsetzung einer digitalen Prozesskette vom Webshop zum fertigen Werkstück. (Bilder: DMG Mori)


Mit intelligenter Sensorik und vernetzter Celos-App demonstriert die mit Schaeffler gemeinsam entwickelte Werkzeugmaschine 4.0 von DMG Mori die Möglichkeiten der Digitalisierung.