Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 21.04.2017

Kommunikation: Ohne einheitlichen Standard

Als international tätiger Spezialist für industrielle Kommunikation hat HMS Industrial Networks versucht, einen Überblick über die Entwicklung der Marktanteile industrieller Netzwerke im Bereich der Fabrikautomation zu schaffen. Die dominierende Erkenntnis: Von einem einheitlichen Standard ist man noch weit weg.

(msc) Im Zeitalter des Industrial Internet of Things (IIoT) und von Industrie 4.0 wird die Kommunikationsschnittstelle immer mehr zur Schlüsselfunktion. Datenvolumen und -geschwindigkeit steigen rasant und Security spielt eine immer wichtigere Rolle. Zukunftsfähige Automatisierungskomponenten müssen heute sowohl die bewährten industriellen Feldbus- und Industrial-Ethernet-Netzwerke für die Prozessdatenübertragung als auch die TCP/IP-basierten Protokolle der IT-Technik unterstützen. Ausserdem werden für die Industrie Wireless-Netzwerke wie Bluetooth und WLAN zunehmend interessanter. Als ob das nicht schon genug wäre, rücken mit OPC-UA und TSN (Time Sensitive Network) weitere Kommunikationsstandards in den Fokus.

Vor diesem immer komplexeren Hintegrund hat HMS Indus-trial Networks die Entwicklung der Marktanteile industrieller Netzwerke im Bereich Fabrikautomation unter die Lupe genommen. Die nachfolgenden Beurteilungen beruhen auf den ungefähr 600 000 jährlich verkauften Kommunikationsschnittstellen, eigenen Einschätzungen von HMS und der Auswertung verschiedener Marktstudien.

Felbus liegt immer noch in Führung

Auch wenn die für den Anwender nutzbaren Funktionen der einzelnen Bussysteme meist ähnlich sind, haben die Busprotokolle im Detail wenig gemeinsam. Nach wie vor ist kein einheitlicher Standard in Sicht. Als einzige Lösung bieten sich momentan Automatisierungsgeräte und Maschinen mit Multiprotokollschnittstellen an.

Die Feldbustechnik gilt als ausgereift und ist gerade deshalb bei Anwendern weiterhin beliebt. Denn Profibus & Co. sind bewährt, stabil und zuverlässig. Nach Einschätzung von HMS werden 48 Prozent (2016: 58 Prozent) der neuen industriellen Netzwerke auch 2017 noch auf der Basis bewährter Feldbusse realisiert. Unter diesen ist Profibus mit 14 Prozent am weitesten verbreitet. Feldbusse haben ihren Zenit noch nicht überschritten und die jährliche Wachstumsrate dieser Systeme wird für 2017 auf rund 4 Prozent geschätzt (2016: 7 Prozent). Gegenüber den Vorjahren hat sich das Wachstum jedoch merklich verlangsamt.

Bei Industrial Ethernet sind weiter grosse Zuwächse zu beobachten. HMS schätzt das jährliche Wachstum von Industrial Ethernet 2017 auf zirka 22 Prozent (2016: 20 Prozent) und den Marktanteil insgesamt auf 46 Prozent (2016: 38 Prozent). Bei neuen Anlagen ist Industrial Ethernet die bevorzugte Technologie für die industrielle Kommunikation. Profinet und EtherNet/IP liefern sich mit je etwa 11 Prozent Marktanteil ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wobei Profinet in Europa und EtherNet/IP in Amerika dominiert.

EtherCAT ist weiter auf dem Vormarsch und insbesondere in der Halbleiterindustrie und in Motion-Control-Anwendungen weit verbreitet. Wireless Netzwerke sind nach Einschätzung von HMS mit einer Wachstumsrate von 32 Prozent (2016: 30 Prozent) das am schnellsten wachsende Segment in der industriellen Kommunikation. HMS veranschlagt den Marktanteil der neu installierten Wireless-Netzwerke 2017 auf rund 6 Prozent (2016: 4 Prozent). WLAN und Bluetooth haben sich von der Sonderlösung zum Standardnetzwerk für mobile oder rotierende Anwendungen sowie zur Basistechnologie beim Einsatz von Smart Devices als Ersatz für klassische HMI etabliert.

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Konsolidierte Schätzung von HMS für 2017 auf Basis der Anzahl neu installierter Knoten im Jahr 2016 in der Fabrikautomation sowie verschiedener Marktstudien und eigener Statistiken. (Bild: HMS)

Im Profil

HMS Industrial Networks

Das Unternehmen ist ein unabhängiger Hersteller von Produkten für die industrielle Kommunikation und Fernwartung. Es entwickelt und fertigt Lösungen zur Anbindung von Automatisierungsgeräten an industrielle Netzwerke und vertreibt seine Produkte unter den Marken «Anybus», «IXXAT» und «eWON». Eigene Niederlassungen unter anderem in China, Deutschland, der Schweiz und USA übernehmen den lokalen Vertrieb und Support.

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