Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 21.04.2017

Mehrwert schaffen mit der integrierten Produktion

Wie immer in den ungeraden Jahren wird die Hannover Messe 2017 noch ein wenig gigantischer ausfallen als in den geraden Zwischenjahren, weil sie sieben anstatt «nur» fünf Leitmessen umfasst. Rund 6500 Aussteller sind für die vom 24. bis 29. April dauernde Messe gemeldet und der Veranstalter rechnet mit weit über 200 000 Besuchern aus aller Welt. Das Messemotto 2017 lautet: «Integrated Industry – Creating Value».

(msc) Die Hannover Messe zeigte den Besuchern bereits im vergangenen Jahr mit mehr als 400 Anwendungsbeispielen für die Digitalisierung auf, wie Integrated Industry von der Vision in die Realität umgesetzt wird und belegte so, dass Industrie 4.0 in vollem Gang ist. Das Thema der Ausgabe 2017 will den konkreten Nutzen dieses Konzeptes für die Industrie und die Gesellschaft noch stärker in den Vordergrund rücken. Deshalb wählte man das Leitthema: «Integrated Industry – Creating Value».

«Damit die Digitalisierung von Produktion und Energie flächendeckend voranschreitet, muss die Industrie die Nutzenargumentation noch deutlicher führen als bisher», sagt Jochen Köckler, Vorstand des Veranstalters Deutsche Messe AG. «Die Unternehmen aus Industrie und Energie müssen erkennen, welche direkten und langfristigen Vorteile sie aus der Digitalisierung ziehen können. Dabei entsteht die zusätzliche Wertschöpfung nicht nur an der Maschine in der Produktion. Neue Geschäftsmodelle und Effekte für den einzelnen Mitarbeiter werden zum zusätzlichen Treiber für den Unternehmenserfolg.» Die Weltleitmesse der Industrie will also konkrete Wege aufzeigen, wie Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung für sich nutzen können.

Daneben bietet die Messe auf ihren zirka 400 000 m2 Ausstellungsfläche viele Neuerungen. In den Hallen 6, 7 und 8 sowie erstmals auch in Halle 17 bietet die Digital Factory 2017 Lösungen für Softwarefragen entlang der gesamten industriellen Prozesskette – vom Computer-aided-Engineering über Manufacturing Execution Systems und Additive Manufacturing bis zum Product Lifecycle Management. Auch die zunehmende Vernetzung unterschiedlicher Teilsysteme in den Unternehmen und damit die Prozessintegration und Visualisierung, das Supply Chain Management und virtuelle Inbetriebnahme sind wichtige Themen.

Aussteller aus dem Bereich Additive Manufacturing sind 2017 erstmals in der Halle 6 platziert. Begleitet wird das Thema durch das 3. Additive Manufacturing Symposium, das an zwei Tagen im Convention Center stattfindet. Ergänzend zur Digital Factory 2017 findet dort auch eine internationale MES-Tagung statt.

Den Simulationsexperten dient das CAE-Forum in Halle 6 als Kommunikationsplattform: Auf der Vortragsbühne und am Gemeinschaftsstand geht es um numerische Simulation, 3D-Visualisierung und 3D-Druck.

Die Technische Rundschau hat sich unter den Lösungen der Aussteller umgesehen und stellt hier einige pfiffige Beispiele in alphabetischer Reihenfolge vor.

Aventics zeigt ein Anwendungsbeispiel des neuen «Smart Pneumatics Monitor», der zur Überwachung von Stossdämpferfunktionen und Zylindergeschwindigkeiten dient. Die Monitoringfunktion basiert auf dem elektropneumatischen Ventilsystem der Serie AV/AES und der Ventilelektronik AES. Indem die Belastung überwacht wird, lässt sich der aktuelle Zustand des Stossdämpfers bestimmen, Verschleiss wird frühzeitig erkannt. Die Informationen werden dem Nutzer über standardisierte Datenprotokolle – beispielsweise OPC-UA – zur Verfügung gestellt. Dies ist das erste Produkt von Aventics für den Einsatz in Industrie-4.0-Umgebungen.

B&R präsentiert erstmals das Lösungspaket «Orange Box», das die Einbindung alter und isoliert stehender Maschinen in eine vernetzte Fabrik ermöglicht. Damit lassen sich die Daten solcher Anlagen in der vernetzten Fabrik auslesen und nutzbar machen. Die bestehende Hard- und Software muss dazu nicht geändert werden. Ausserdem zeigt man am Messestand eine neue, mit den aktuellsten Core-i-Prozessoren ausgerüstete Industrie-PC-Familie.

Endress+Hauser widmet sich ganz dem Thema Innovationen in der Prozessautomatisierung und im Labor. Unter anderem zeigt man mit der neuen Messgerätelinie «Proline 300/500» komplett neue Durchflussmesstechnik. Die Messstelle integriert das «HistoROM»-Datenmanagement, die Heartbeat Technology und WLAN und arbeitet mit neuen Geräte- und Prozessdiagnoseparametern. Mit dem Micropilot FMR 60, FMR 62 und FMR 67 wird das Portfolio an Radarmessgeräten erweitert. Die neue Micropilot-Serie ist der erste 80-GHz-Radar, der nach IEC 61508 entwickelt wurde und damit höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt.

ifm Electronic stellt ihre innovative Kplus-Familie vor. Damit will das Essener Unternehmen sowohl in der Fabrikautomation als auch im Schweissbereich neue Massstäbe auf dem Sektor der induktiven Sensoren setzen. Besonderes Merkmal der neuen, speziell für die Fabrikautomation entwickelten, induktiven Kplus-Sensoren ist ihr konstanter Schaltabstand bei verschiedenen Metallen. Durch diesen einheitlichen Schaltabstand ermöglichen die Sensoren eine sichere Erfassung aller Metalle, sogar von Aluminium. Herkömmliche Sensoren dagegen reduzieren den Schaltabstand bei unterschiedlichen Metallsorten deutlich.

Igus bietet mit der Energiekette E4.1L die nach eigenen Worten «am leichtesten zu befüllende E-Kette am Markt». Dank des neuartigen Trennstegsystems wird die individuelle Innenaufteilung der Energiekette für den Kunden einfacher. Sie lässt sich von allen Seiten leicht öffnen und befüllen. Dabei soll man bis zu 80 Prozent Arbeitszeit einsparen können.

Parker Hannifin demonstriert in Einklang mit dem Motto «Integrated Industry – Creating Value» ein Netzwerk aus intelligenten Lösungen, mit denen Industrieunternehmen die Nutzenpotentiale der digitalen Vernetzung optimal ausschöpfen können. Hierzu zeigt man mit einer technologieübergreifenden Systemlösung aus Hydraulik, Fluid-Verbindungstechnik, Elektromechanik und Pneumatik Komponenten für smarte IoT-Lösungen aus einer Hand, die einfach in Anlagen und Maschinen zu integrieren sind. Sie stellen die Plattform für Prozess- und Produktivitätsverbesserungen dar. Weiter vervollständigt Parker sein Angebot an direktgesteuerten Proportional-Wegeventilen mit den neuen Nullschnittkolben für die Serie D1FC/D3FC. Damit lassen sich die Ventile auch für geschlossene Regelkreise einsetzen.

Phoenix Contact stellt eine neue offene Steuerungsplattform auf Basis der «PLCnext-Technology» vor. Sie soll «Verständigungsprobleme», die bei parallelen Entwicklungsprozessen zwischen Software-Tools auftreten, beheben. Die Lösung erlaubt das parallele Programmieren auf Basis von Tools wie Visual Studio, Eclipse, Matlab Simulink und PC Worx, sowie die frei wählbare Verknüpfung von darin erstelltem Programmcode. Mit der Plattform lassen sich etwa Funktionen nach IEC 61131-3 mit Routinen von C/C++, C# oder Matlab Simulink kombinieren. Die Plattform soll die einfache Einbindung von Open-Source-Software in das Automatisierungssystem von Phoenix Contact ermöglichen.

Sick präsentiert die neue programmierbare Kamerafamilie «Inspector P6xx». Sie ermöglicht mit der vorinstallierten, leistungsstarken Halcon-Bildverarbeitungsbibliothek und der flexiblen Gestaltung von webbasierten User-Interfaces die optimale Anpassung an kundenspezifische Anforderungen. Die neuen Kameras wurden für die Lösung besonders komplexer Bildverarbeitungsaufgaben entwickelt. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich in der Geschwindigkeit der Auswertung und der Auflösung ihrer Kamerasensoren. Alle Kameras bieten Ziellaser und akustisches sowie optisches Feedback und dazu einen SD-Speicherkartenslot.

Siemens zeigt das Stromversorgungssystem «Sitop PSU 8600» und die unterbrechungsfreie Stromversorgung «Sitop UPS 1600». Beide unterstützen neu den offenen Kommunikationsstandard OPC UA. Die Schnittstelle für die horizontale und vertikale Kommunikation basiert auf dem Client-Server-Prinzip und ermöglicht den schnellen, hersteller­unabhängigen Datenaustausch der Stromversorgungen mit Industrie-PC und Automatisierungsgeräten sowie Third-Party-Anwendungen auch ohne Profinet.

Stratasys stellt erstmalig auf einer deutschen Messe die neuen 3D-Drucker der F 123-Serie vor. Sie sollen den gesamten Prototyping-Workflow zukünftig vereinfachen und es Designern und Ingenieuren ermöglichen, die Anforderungen unterschiedlichster Prototyping-Anwendungen zu erfüllen – von der Konzeptüberprüfung über die Designvalidierung bis hin zur Funktionsprüfung. Die F 123-Serie ist kompatibel mit der GrabCAD-Print-Software.

Techman Robot aus Taiwan bringt mit dem «TM 5» einen Roboter nach Hannover, der lediglich fünf Minuten benötigen soll, um eine neue visuelle Pick-and-Place-Aufgabe zu erlernen. Mit seiner schnellen Auffassungsgabe, die der Kombination des intelligenten Vision-Systems von Techman mit manuellen Leitfunktionen geschuldet ist, sollen auch Nutzer ohne Erfahrung in der Roboter-Programmierung innerhalb von fünf Minuten eine visuelle Pick-and-Place-Aufgabe einstellen können. Den TM 5 gibt es in zwei Ausführungen als TM 5-700 für Nutzlasten bis 6 kg und einer Reichweite von 700 mm sowie als TM 5-900 für Nutzlasten bis 4 kg und mit einer Reichweite von 900 mm. Beide Modelle sind IP 54-zertifiziert und für einen Temperaturbereich zwischen 0 und 40 °C zugelassen. Der TM 5 soll der weltweit erste Industrieroboter sein, den der Anwender per Smartphone steuern kann. Eine App-Oberfläche erlaubt es, den Roboter mit Industrieroboterfunktionen zu programmieren.

www.aventics.ch
Hannover Messe Halle 23 Stand C31

www.br-automation.com
Hannover Messe Halle 9 Stand D28

www.ch.endress.com
Hannover Messe Halle 11 Stand C43

www.ifm.com
Hannover Messe Halle 9 Stand D36

www.igus.ch
Hannover Messe Halle 17 Stand H04

www.parker.com
Hannover Messe Halle 20 Stand C50

www.phoenixcontact.ch
Hannover Messe Halle 9 Stand F40

www.sick.ch
Hannover Messe Halle 9 Stand F18

www.siemens.com
Hannover Messe Halle 9 Stand D35

Stratasys: www.alphacam.ch
Hannover Messe Halle 6 Stand K06

http://tm-robot.com
Hannover Messe Halle 17 Stand D32



(Bild: Aventics)


Das Anwendungsbeispiel des «Smart Pneumatics Monitors» von Aventics . (Bild: Aventics)


Endress+Hauser bringt die völlig neue Durchflussmessgerätelinie «Proline 300/500». (Bild: Endress+Hauser)


Die induktiven Sensoren aus der Kplus-Familie von ifm Electronic realisieren einen konstanten Schaltabstand bei verschiedenen Metallen. (Bild: ifm)

Fact Sheet

Hannover Messe

Termin: Montag, 24. April bis

Freitag, 28. April. Geöffnet ist das Messegelände täglich von 9 bis 18 Uhr.

Die Hannover Messe integriert 2017 sieben Leitmessen:

  • Industrial Automation (Hallen 8, 9, 11, 14 bis 17)
  • MDA–Motion, Drive & Automation (Hallen 19 bis 25)
  • Digital Factory (Hallen 6 bis 8)
  • Energy (Hallen 11 bis 13, 27, FG)
  • ComVac (Halle 26)
  • Industrial Supply (Hallen 4 bis 6)
  • Research & Technology (Halle 2)

Mehr über die wichtigste Industriemesse der Welt auf: www.hannovermesse.de