Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 20.04.2017

Per Mausklick zu exakten Fertigungsdaten

Die Oberaigner Powertrain GmbH ist Spezialistin für Spezialfahrzeuge, die im schwierigen Gelände unterwegs sind. Um die Produktionsprozesse – gerade wegen der grossen Teilevielfalt und Schichtarbeit – besser steuern zu können, suchte das Unternehmen ein leistungsfähiges und transparentes MES-System. Fündig wurde man schliesslich beim Anbieter Proxia Software AG.

(pi) Im oberösterreichischen Nebelberg, einem kleinen Ort unweit der bayerischen Grenze bei Passau, entwirft, konstruiert und produziert die Oberaigner Powertrain GmbH Spezialgetriebe, Achsbaugruppen und Chassis-Einheiten für Geländewagen, Kleintransporter, Niederflurbusse und andere Spezialfahrzeuge, die sich in schwierigem Gelände bewähren müssen. So wurde unter anderem das 6 × 6-Allradgetriebe der G-Klasse von Mercedes Benz mit seinen fünf Differenzialsperren entwickelt und hergestellt. Die gesamte Oberaigner-Gruppe beschäftigt derzeit insgesamt rund 250 Mitarbeiter, davon etwa 100 am Standort Nebelberg.

Das Unternehmen legt dabei auf eine hohe Fertigungstiefe sehr grossen Wert. Um bei der grossen Produktevielfalt die Produktionsprozesse in seiner 3-Schicht-Serienfertigung zukünftig effektiver zu steuern, suchte Unternehmensgründer und Seniorgeschäftsführer Wilhelm Oberaigner ein System zur besseren Erfassung von Betriebsdaten, zum Vergleichen von Ist- und Soll-Zustand sowie eine Lösung zur Verwaltung und Bereitstellung von Fertigungsdaten inklusive der Vernetzung aller Maschinen und Anlagen.

Dieses System sollte darüber hinaus sicherstellen, dass die Mitarbeiter ausschliesslich die auftragsbezogenen Daten und NC-Programme erhalten. Ausserdem war Wilhelm Oberaigner daran interessiert, manuelle Rückmeldungen der Mitarbeiter an den Maschinen zu systematisieren und vor allem zu automatisieren. Neben einem Plus an Produktivität erhoffte sich der Geschäftsführer mehr Transparenz aufgrund gesicherter und fehlerfreier Daten.

Oberstes Ziel war es, aktuelle Daten aus der Fertigung in automatisierter Form mit möglichst wenig manuellem Schreibaufwand zu erheben und aufzubereiten. Papierlisten sollten, wo sinnvoll, komplett aus der Fertigung verschwinden. Das ideale MES (Manufacturing Execusion System), wie er es sich vorstellte, sollte ausserdem eine komplette Rückverfolgbarkeit für alle gefertigten Teile garantieren. Denn in der Automobilindustrie ist das Thema Chargen-Rückverfolgung für sicherheitsrelevante Bauteile von äusserster Bedeutung. Darüber hinaus sollten Geschäftsführung und verantwortliche Mitarbeiter die Betriebs- und Maschinendaten über das Unternehmensnetz jederzeit abrufen können.

Nach eingehender Prüfung verschiedener Anbieter vergab Wilhelm Oberaigner im Jahr 2009 den Auftrag für die Implementierung eines Systems zur Erfassung von Betriebsdaten an die Proxia Software AG, da die MES-Spezialisten als einer der wenigen Anbieter die komplette Lösung aus einer Hand bieten konnten.

Dass die MES-Software über eine Schnittstelle zu SAP verfügte, spielte für die Entscheidung zusätzlich eine grosse Rolle. Denn zum einen werden bei Oberaigner alle Kundenaufträge über SAP gehandelt, zum anderen werden die aktuellen Daten, zum Beispiel Arbeitspläne, im ERP-System erstellt und gepflegt. Ausserdem – und damit war eine wichtige Anforderung erfüllt – stellt die NC-Programmverwaltung von Proxia sicher, dass die Maschine stets auf das aktuelle NC-Programm zurückgreift, weil die Programmhistorie laufend aktualisiert wird.

Bis Ende 2010 wurden alle 20 CNC-Maschinen mit dem MDE-System ausgerüstet. Wo es nötig war, ergänzten die MES-Experten das aufgesetzte System um Details, welche die individuellen Anforderungen des Automobilzulieferers berücksichtigen. Mit der Vernetzung aller Maschinen im DNC-Netzwerk konnte die Komplettlösung dann in den Produktivbetrieb gehen.

Oberaigner unterhält einen heterogenen Maschinenpark. Alle CNC-Maschinen sind inzwischen an die automatisierte MDE (Maschinendatenerfassung) angebunden. Trotz der gemischten Dateninformationen greift die MES-Software automatisch die Signale direkt an den Maschinen ab und verarbeitet sie im MDE-System. Daneben hat das Unternehmen auch diverse konventionelle Maschinen im Einsatz. Bei diesen Montage- und Handarbeitsplätzen geben die Bediener die Daten manuell in die Betriebsdatenerfassungssoftware (BDE) mithilfe von Industrie-PC ein.

Darüber hinaus nutzt der Getriebehersteller die Werkzeugverwaltung und Datenmanagement-Lösung «FactoryDirector» von Proxia. Diese zentrale Informationsdatenbank sichert das gesamte Fertigungswissen digital. Zudem visualisiert sie den Werkern alle relevanten Fertigungsinformationen wie Stücklisten, Artikelstammdaten, 2D- und 3D-Zeichnungen, Aufspannskizzen oder NC-Programme. Als letztes implementierte Oberaigner das «QS-Modul» zur Qualitätssicherung.

Maschinen- und Rüstzeiten lassen sich genau ermitteln

Seit nunmehr drei Jahren ist das MES-System im produktiven Betrieb, sodass Oberaigner bereits über handfeste Resultate verfügt. Und die sehen im Vergleich zum vorherigen Zustand durchweg positiv aus. Da das System die Mitarbeiter von der manuellen Datenerfassung entlastet, sind Fehlerquellen ausgeschaltet; das wiederum erhöht die Genauigkeit.

Der zweite Vorteil des Systems: Maschinenzeiten und Rüstzeiten lassen sich nun genau ermitteln. Die Geschäftsführung kann so ihre Kalkulation mit exakten Zahlen unterfüttern und ist nicht auf Schätzungen angewiesen.

«Die Nachkalkulation der Zeiten und der Stückkosten ist jetzt sehr genau. Daran hat Proxia einen grossen Anteil. Als Automobilzulieferer stellen unsere Kunden hinsichtlich Liefertermintreue und Qualität höchste Ansprüche an uns. Und auch hier hat das MES-System unser Unternehmen einen grossen Schritt nach vorne gebracht», resümiert Wilhelm Oberaigner.

Oberaigner Powertrain GmbH
A-4155 Nebelberg, Tel. +43 7287 201-0
powertrain@oberaigner.com

Hannover Messe Halle 7 Stand B24

Proxia Software AG
6203 Sempach-Station, Tel. 062 748 10 00
info@proxia.com



Papierlos: Oberstes Ziel bei Oberaigner war es, aktuelle Fertigungsdaten automatisiert zu erheben. (Bilder: Proxia)


MES-Reports bringen Transparenz in die Produktion.


Seniorchef Wilhelm Oberaigner mit den Söhnen Georg (links) und Paul: «Die Nachkalkulation der Zeiten und der Stückkosten ist jetzt sehr genau. Daran hat Proxia einen grossen Anteil.»

Auf einen Blick

MES-Software von Proxia bei der Oberaigner Powertrain GmbH

  • Umfassendere Erhebung und Auswertung von Fertigungsinformationen in Echtzeit
  • Rasches Auffinden von Ursachen bei Problemen an den Maschinen
  • Genaueres Registrieren von Personalzeiten
  • Raschere Aufbereitung von Maschinen- und Betriebsdaten
  • Übersichtlichere Visualisierung der Informationen in Reports und Charts
  • Höhere Planungssicherheit und Anlagenverfügbarkeit
  • Präzisere Ermittlung der Stückkosten und bessere Nachkalkulation
  • Weniger Fehler durch papierlose Erfassung ohne Medienbrüche
  • Mehr Effizienz und Performance in der Produktion