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Ausgabe 05/2017, 26.05.2017

«Wir sind Sparringspartner für unsere Kunden»

Erstmals wurde auf einer Hausausstellung von Newemag/Schneider mc das Thema «Industrie 4.0» thematisiert. Die «Technische Rundschau» sprach mit Geschäftsführer und Inhaber Pirmin Zehnder über die Relevanz der digitalen Transformation für den Werkplatz Schweiz und welchen Stellenwert Automatisierungsstrategien und 3D-Printing einnehmen.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Zehnder, Industrie 4.0 ist zwar in aller Munde, ist das Thema aber auch relevant für die Kunden von Newemag/Schneider mc?

Das Thema ist sehr relevant, und wir agieren hier als Sparringspartner für unsere Kunden. Denn noch ist die Thematik sehr visionär angelegt, aber es bietet sich ein sehr hohes Potenzial für eine praktische Umsetzung.

Wie könnte so eine Umsetzung aussehen?

Wir werden uns mit kleinen Schritten dieser Vision Industrie 4.0 nähern müssen. Erste Schritte beim Kunden könnten sein, die Prozesse zu optimieren. Denn einen schlechten Prozess zu digitalisieren, ergibt nur einen digitalisierten schlechten Prozess. Eine Prozessoptimierung sollte deshalb immer am Anfang stehen. Dieser harten Knochenarbeit werden wir kaum ausweichen können. Sind die Maschinen bereits via Intranet vernetzt, dann ist der nächste Schritt in die Cloud nicht mehr weit.

Und was bringt das?

Wenn ich als Anwender beispielsweise das Aha-Erlebnis habe, dass bei Ausfall einer Maschine auf Knopfdruck eine andere Maschine bereit steht, die dann weiterproduziert und fristgerecht die benötigten Teile liefert, dann erschliesst sich mir ein Themenkreis, der echte Vorteile bringt. Wenn ich dann noch sehe, was es heisst, alle Fertigungsdaten über alle Maschinen auf einen Blick zur Verfügung zu haben und die Maschinen untereinander kommunizieren, mit dem Ziel, die Produktivität zu erhöhen, dann wird es wirklich interessant. Auch in Hinblick auf die Möglichkeit, in der Schweiz nicht nur wettbewerbsfähig, sondern auch wieder mit zufriedenstellenden Margen produzieren zu können.

Nicht jeder Anwender möchte sich aber in die Cloud begeben. Sie haben in Ihrem Vortrag mit dem Begriff «kontrollierte Öffnung nach aussen», diese Ängste bereits thematisiert.

In diesem Fall ist eine gesunde Skepsis sicherlich vorhanden und auch berechtigt. Auf der anderen Seite bietet die Öffnung nach aussen grosse Chancen, beispielsweise, wenn der Endkunde die Möglichkeit hat, in letzter Sekunde noch Änderungen am Auftrag vorzunehmen und trotzdem seine Lieferung fristgerecht bekommt. Natürlich muss dieser Schritt in die Cloud mit einem höchstmöglichen Sicherheitslevel verknüpft sein. Ist das der Fall, wird diese Öffnung nach aussen in naher Zukunft sehr wahrscheinlich.

Der Wandel von der verketteten Werkzeugmaschine hin zur vernetzten Werkzeugmaschine wird sich also nicht mehr aufhalten lassen?

Es steckt eine völlig neue Denkweise dahinter. Da braucht es frische Ideen, auch von unserer Seite. Deshalb sehen wir uns ja als Sparringspartner, um zusammen mit den Kunden zu diskutieren, was ist möglich, und was ist nötig. Hier die richtige, individuelle Strategie zu entwickeln, um in der Schweiz mittel- und langfristig wettbewerbsfähig produzieren zu können, ist unsere Vision von Industrie 4.0.

Wenn man sich hier auf der Hausausstellung umsieht, fällt auf, dass auch das Thema Automatisierung einen breiten Raum einnimmt.

Der Automatisierungsbedarf nimmt klar zu. Wenn jetzt investiert wird, dann nicht mehr in eine Werkzeugmaschine als Ersatzinvestition, die ein bisschen schneller verfährt. Das reicht einfach nicht mehr. Der Kunde will produktiver werden, und das geht nur, wenn die zweite und dritte Schicht genutzt wird. Hier sind auch wir gefordert, zusammen mit den Kunden die richtige Lösung zu erarbeiten.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Es kann sein, dass der Kunde mit einer Anforderung zu uns kommt, und wir dann sagen: Die ersten zehn Werkstücke davon sind mit der Automatisierung X optimal umzusetzen, die restlichen zwei dagegen nur mit einem überproportional hohen Invest zu realisieren. Da empfehlen wird dann eher, diese Werkstücke anderweitig produzieren zu lassen.

Newemag/Schneider mc wird also immer mehr zum Engineeringdienstleister ...

Und zum Lösungspartner. Wir versuchen eine wirtschaftliche Lösung zu erarbeiten und nicht, ein möglichst teures Konstrukt vorzuschlagen. Heute verkaufen wir kaum mehr 0815-Lösungen von der Stange. Der Trend geht eindeutig in Richtung Komplettberatung.

Das gilt wahrscheinlich besonders für das Thema 3D-Printing, das Ihr Unternehmen mit der Lumex von Matsuura verfolgt. Was tut sich hier?

Wir werden im ersten Halbjahr 2017 die erste Maschine bei einem Schweizer Kunden installieren. Diese Installation und die Expertise des Kunden nutzen wir auch selbst, um potenzielle Interessenten zu diesem doch komplexen Thema beraten zu können. Denn die Lumex-Technologie ist etwas Besonderes, da durch additive Fertigung und konventionelle Fräsbearbeitung in Kombination Werkstücke mit hoher Präzision und Oberflächengüte entstehen. Das hat schon seinen speziellen Reiz. Hier sehen wir auch ein interessantes Potenzial für die Schweiz.


Newemag AG
6274 Eschenbach, Tel. 041 798 31 00
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Pirmin Zehnder, Chef der Newemag AG (rechts): «Heute verkaufen wir kaum mehr 0815-Lösungen von der Stange. Der Trend geht eindeutig in Richtung Komplettberatung».