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Ausgabe 05/2017, 26.05.2017

«Das ist für mich die Nr. 1»

Wie kann eine optimale Automatisierungslösung für Schweizer Lohnfertiger aussehen? Darüber hat sich Claude Werder, Inhaber der Samuel Werder AG, schon sehr früh Gedanken gemacht. Mit dem «Mill-Assist» von Robojob ist er seinem Ideal sehr nahegekommen.

Autor: Wolfgang Pittrich

Claude Werder ist eine Unternehmerpersönlichkeit, wie man sie nur noch selten antrifft. Die Charakterisierung «Patron» scheint für ihn wie geschaffen. Nicht nur, weil er den Besucher in Büezerschürze empfängt und beim Firmenrundgang jeden Mitarbeiter kennt und grüsst. Sondern auch – und dafür steht der Begriff «Patron» ebenfalls –, weil er über eine hohe Fertigungskompetenz und die unternehmerische Bereitschaft verfügt, immer neue Wege zu suchen, um sein Unternehmen produktiver zu machen.

«Wir selbst können zwar einen guten Job machen», ist Claude Werder überzeugt, «aber sobald es repetitiv wird, muss man automatisieren. Ich bin überzeugt, dass die Schweiz verstärkt in diese Richtung denken muss. Die Spindel muss eigentlich Tag und Nacht laufen, um die Stückkosten im wettbewerbsfähigen Bereich zu halten.»

Deshalb hat er sich bereits früh in seiner Berufslaufbahn um die Automatisierung gekümmert. Und deshalb arbeitet er aktuell mit der Fachhochschule Nordwestschweiz an einem Projekt zur idealen Automatisierungslösung. Für sein Unternehmen ist er mit dem Mill-Assist des belgischen Herstellers Robojob diesem Ideal schon sehr nahegekommen: «Für unser Spektrum an rotationssymmetrischen und kubischen Teilen ist es das beste System, das ich kenne.»

Der Mill-Assist besteht im Prinzip aus einem Roboterarm inklusive auswechselbarem Greifer und einer konfigurierbaren Werkstückplatte. Beides steht auf einer mobilen Systemplattform und ist daher recht einfach zu bewegen. Für die notwendige Sicherheit sorgt bei der Werder AG ein Laserscanner, der die Bewegung des Roboters je nach Sicherheitszone verlangsamt oder zum Stillstand bringt. Claude Werder schwärmt: «Je näher ich dem Roboter komme, desto langsamer wird er. Gerate ich in den direkten Arbeitskreis, stoppt er. Der Neustart erfolgt auf Knopfdruck. Das ist genial.»

Doch was macht den Mill-Assist so einmalig? Claude Werder überzeugt vor allem die Einfachheit des Systems: «Die Umprogrammierung inklusive Umrüstzeit dauert maximal 20 Minuten, dann kann ich bereits neue Teile bearbeiten lassen.» Auch die eigentliche Installation des Mill-Assist hat nur ein paar Tage in Anspruch genommen. Die Schulung der Mitarbeiter dauerte sogar nur einen knappen halben Tag.

Mit ausschlaggebend für die schnelle Rüstzeit ist das einfache System der Werkstückaufnahme: Maximal drei Stifte in der gelochten Arbeitsplatte definieren die Positionierung des Werkstücks. Das Setzen der Stifte geschieht manuell – und nimmt deshalb beim Umrüsten mit rund 10 min auch die längste Zeit in Anspruch. Wobei die Robotersteuerung die Positionierung der Stifte vorgibt. «Man muss nur die Rohlingsmasse eingeben und den Werkstoff, damit das Gewicht berechnet werden kann; die Steuerung bestimmt anschliessend dialoggeführt das weitere Vorgehen», sagt Claude Werder. Selbst der Wechsel des Greifers geht durch das «Cube»-Schnellwechselsystem schnell und unkompliziert über die Bühne.

Bei der Werder AG ist der Mill-Assist fest an einem vertikalen BAZ «TC-22B-O» von Brother installiert. Dort fällt aktuell die meiste Arbeit an, und deshalb läuft die Maschine auch zu zwei Drittel des Tages in der unbemannten Schicht. Übrigens problemlos. Der Output ist seither deutlich gestiegen. Wurden früher 60 bis 70 Teile eines bestimmten Typs gefertigt, sind es heute über 200 Werkstücke, die täglich von der Maschine kommen.

Ein weiterer Vorteil des Mill-Assist ist die Zugänglichkeit – sowohl zur Beladeeinheit wie auch zur Werkzeugmaschine. Bei Werder ist das System seitlich an die Maschine angedockt. Für Claude Werder ist der flexible Einsatz des Mill-Assist im Sinne eines Machine-Hoppings zwar denkbar, aber nicht praktikabel. Lieber würde er bei Bedarf noch in ein weiteres System investieren. Ein Vorschlag, der auch beim Maschinenbediener auf Begeisterung stösst: «Ich auch.»

Überhaupt hat sich die Einstellung der Bediener in den zwei Jahren, seit der Mill-Assist bei der Werder AG im Einsatz ist, deutlich gewandelt. War man am Anfang noch skeptisch, ob der neue Kollege nicht Arbeitsplätze wegnimmt, ist es mittlerweile sogar eine Art Auszeichnung und ein Motivationsschub, mit ihm zusammenzuarbeiten. «Wir haben nie in Automatisierungslösungen investiert», sagt dazu Claude Werder, «um Arbeitsplätze wegzurationalisieren. Im Gegenteil: Dadurch werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen und die Arbeitsplätze gesichert.»

Installiert wurde die Robojob-Lösung vom Geschäftsbereich «Automation» der Suhner Gruppe. Die Suhner Automation AG besitzt seit Ende 2014 eine Exklusivvereinbarung mit Robojob zur Vermarktung der Automatisierungslösungen des belgischen Herstellers. Die Zusammenarbeit mit Suhner bezeichnet Claude Werder als «tipp-topp». Bereits am Tag nach der ersten Kontakaufnahme vor zwei Jahren reiste man zusammen nach Belgien, um sich die Lösung vor Ort anzusehen. Die Werder AG war dann übrigens der erste Betrieb in der Schweiz, der eine Mill-Assist-Lösung in Betrieb nahm.

Die Reise nach Belgien brachte für Claude Werder jenseits der überzeugenden Präsentation noch ein weiteres Aha-Erlebnis: «Robojob ist ja ursprünglich ein Lohnfertiger mit einer ähnlichen Ausrichtung wie wir. Sie haben ihre Automatisierungslösungen nur aus der Not heraus geboren, weil am Markt nichts adäquates zu finden war. Die Verständigung verlief deshalb einfach und unkompliziert, weil die genau wussten, wovon wir sprechen und was uns bewegt.» Die Robojob-Lösung ist nun seit zwei Jahren mehr oder weniger ununterbrochen bei der Samuel Werder AG im Einsatz. Nach wie vor ist Claude Werder von der 100 000-Franken-Investition begeistert: «Mill-Assist ist für mich die Nr. 1.» Wobei er durchaus auch die Einschränkungen erkennt: «Bei mittleren bis grossen Serien sind spezifischere Systeme sicherlich schneller.»

Er weiss aber auch: «Für uns ist wichtig, dass wir Losgrössen unter 100 Teile wirtschaftlich automatisieren können, um die Spindellaufzeiten nach oben zu bekommen. Da spielen Flexibilität und niedrige Rüstzeiten die entscheidenden Rollen. Denn der ausländische Wettbewerb kann auch nicht schneller fräsen als wir.»

Samuel Werder AG
5106 Veltheim, Tel. 056 463 66 00
info@werder-ag.ch
samuelwerder.ch

Suhner Automation AG
5242 Lupfig, Tel. 056 464 28 45
machining.sag@suhner.com
suhner.com



Claude Werder, Inhaber der Samuel Werder AG.


Einfach, schnell und flexibel: Mill-Assist ist für die Werder AG eine ideale Lösung zur Automatisierung von Losgrössen unter 100 Stück. (Bilder: TR)


Die Werkstücke werden über eine Rasterplatte und Stifte positioniert; es sind aber auch Eigenanfertigungen möglich (im Bild links).


Die Anlage benötigt wenig Platz und bietet eine gute Zugänglichkeit zur Werkzeugmaschine.

Fünf Fragen an Claude Werder, Samuel Werder AG

«Es muss noch mehr in Richtung Automatisierung gehen»

Herr Werder, wie laufen aktuell die Geschäfte?

Sehr gut. Wir hatten noch nie einen so guten Bestellungseingang im Januar wie dieses Jahr. Die Projekte, die angefragt werden, sind zudem sehr interessant und lassen auf ein nachhaltiges Geschäft hoffen. Die Kehrseite ist, dass die Termine enger werden, und von uns eine immer schnellere Reaktionszeit gefordert wird. Die Basis des Erfolgs ist, dass wir durch eine extrem gute Qualität und einen ausgeprägten Dienstleistungsgedanken beim Kunden punkten müssen. Erschwerend kommt sicherlich dazu, dass der Preisdruck gleichbleibend hoch ist. Das heisst: Eigentlich müssen mit dem gleichen Personalbestand mehr Teile produziert werden.

Da ist der Schritt in die Automatisierung für die Schweizer Lohnfertiger fast ein Muss.

Das stimmt und gilt vor allem für uns Zulieferer, die wir immer schon gefordert waren, produktiver zu sein als die anderen. Ich bin überzeugt, dass es noch mehr in Richtung Automatisierung gehen muss als bisher bereits geschehen.

Sie haben mit Mill-Assist eine Lösung im Haus, die anscheinend für Lohnfertiger prädestiniert ist. Wie ist Ihre Erfahrung nach zwei Jahren Einsatz?

Wir sind hochzufrieden. Sobald sich von der Auftragslage eine Möglichkeit ergibt, planen wir, ein weiteres Modell anzuschaffen und zwar voraussichtlich für den Drehbereich.

Investieren Sie mittlerweile generell mehr in die Automatisierung als in reine Werkzeugmaschinen?

Das dürfte sich etwa die Waage halten. Aber wenn wir in Werkzeugmaschinen investieren, dann muss eine Schnittstelle zu einer Automatisierungslösung vorhanden sein.

Könnte für Sie in Zukunft das Thema kollaborierende Roboter interessant werden?

Da bin ich überzeugt, dass es so kommen wird. Was ich bis jetzt gesehen habe, tönt sehr interessant. Wenn auch noch die Greifertechnologie intelligenter wird, gibt es nochmals einen Schub für diese Systeme. Besteht dann noch die Möglichkeit, ein Bildverarbeitungssystem zu integrieren, um die Bedienung intuitiver und einfacher zu machen, sind wir meinem Ideal einer Automatisierung schon sehr nahe (lacht).

Im Profil

Robojob

Das belgische Unternehmen mit Sitz in Heist-op-den-Berg (in der Nähe von Antwerpen) hat seine Ursprünge in der Lohnfertigung und Metallkonstruktion. Aluro, die Muttergesellschaft von Robojob, ist ein aluminiumverarbeitender Betrieb mit Schwerpunkt Zerspanung, Biegen und Konstruktion von Maschinen. Robojob wurde 2007 gegründet und hat sich auf die Automatisierung von Dreh-, Fräs- und Schleifmaschinen spezialisiert. Hauptprodukt ist die Assist-Baureihe auf Basis von Industrierobotern. Das System ist modular aufgebaut und einfach zu bedienen.

Im Porträt

Samuel Werder AG

Die Samuel Werder AG feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag und steht für hohe Präzision und Zuverlässigkeit. Der Lohnfertiger mit Sitz in Veltheim ist spezialisiert auf Dreh- und Fräsarbeiten und verfügt über rund 70 Werkzeugmaschinen. Die Losgrössen liegen im kleineren bis mittleren Stückzahlenbereich. Zum nationalen und internationalen Kundenkreis gehören Weltkonzerne genauso wie innovative Start-ups. Die Branchen, für die Werder fertigt, sind breit gefächert und reichen von der Medizinaltechnik über den allgemeinen Maschinenbau hin zur Elektronik-, Bau- und optischen Industrie. Die hohe Fertigungskompetenz zeigt sich auch in den Auszeichnungen, die das Unternehmen in den letzten Jahren erhalten hat. Unter anderem konnte das Rating Certificate von Dun & Bradstreet für 2016 in Empfang genommen werden; 2015 gewann man den Aargauer Unternehmenspreis in der Kategorie «Bestes Industrie- und Produktionsunternehmen unter 250 Mitarbeiter.» Die Werder AG beschäftigt 70 Mitarbeiter und setzt jährlich rund CHF 12 Mio. um.