Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2017, 25.06.2017

«Die Schweiz könnte eine führende Rolle übernehmen»

Auf der «Automation & electronics» in Zürich werden IOT, Digitalisierung und Elektronik im Fokus stehen. Neu auf der Messe ist die interaktive Netzwerkplattform «Stage 7», die der Verband SwissT.net zusammen mit dem Messeveranstalter Easyfairs entwickelt hat. Was man sich von diesem Format verspricht und wohin die Reise in der Branche geht, erläutert der Messeverantwortliche David Henz der «Technischen Rundschau» im Interview.

Autor: Markus Schmid

Herr Henz, bevor wir über die Messe sprechen: Welche Trends identifizieren Sie in der industriellen Automation?

Grundsätzlich haben sich in der Automatisierungbranche im Zuge von Industrie 4.0 in den letzten Jahren einige Trends ergeben, die auch heute noch Bestand haben. Das Hauptstichwort lautet hier Internet of things oder IoT. Einzelne Maschinen werden immer mehr miteinander verbunden, dies stellt Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Entsprechend haben sich auch die Anforderungen an Aus- und Weiterbildung geändert. Wie in anderen Branchen zeigt sich auch hier: Lösungen müssen möglichst kosteneffizient sein und den Kunden einen wirklichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Sie bewegen sich ja bereits seit Jahren im Automatisierungsumfeld. Was hat sich in dieser Zeit am drastischsten verändert?

Insgesamt bin ich – mit Unterbrüchen – seit 2009 im Automatisierungsumfeld tätig. Seither hat sich etliches teilweise deutlich verändert. Müsste ich mich auf eine Veränderung beschränken, so würde ich die Digitalisierung und die daraus entstehende Vernetzung aller Industrieprozesse nennen – mit all ihren Vor- und Nachteilen.

Welche Chancen und Herausforderungen identifizieren Sie in der Entwicklung der Branche in der Schweiz?

Die Schweiz kann ihre Position als eine der führenden High-Tech-Nationen weiter stärken. In praktisch jeder Branche ist ersichtlich, dass eine tiefer gehende Spezialisierung der Abläufe und damit auch der verantwortlichen Mitarbeiter gefragt ist. Dies wiederum hat die Auslagerung von sogenannt einfachen Arbeitsplätzen zur Folge, sodass immer mehr Stellen in der Schweiz verschwinden. Gleichzeitig werden aber auch neue Arbeitsplätze im Bereich IT geschaffen. Hier zeigt sich in Gesprächen für uns immer wieder, dass solch spezialisiert ausgebildete Fachkräfte in der Schweiz leider Mangelware sind.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Die Schweiz muss vermehrt ein besonderes Augenmerk darauf richten, dass junge Leute sehr früh Zugang zu diesen neuen Technologien erhalten. Allgemein müssen den jungen Menschen – gerade auch Frauen – die Möglichkeiten aufgezeigt werden, welche die Branche bietet, um sie für einen Einstieg zu gewinnen. Andernfalls wird sich ein Fachkräftemangel auftun, der nur mit Personalrekrutierung aus dem Ausland kompensiert werden kann.

Wie gehen Sie als Messeveranstalter damit um?

Auch wir passen uns den Gegebenheiten an. Zum einen gehen wir den Schritt der Digitalisierung mit und bieten unseren Austellern neben dem Messestand diverse Zusatzleistungen im Online- und Onsite-Bereich an. Als erster Messeveranstalter implementieren wir die Poken-Technologie auf unseren Messen: Dabei erhalten alle Besucher einen Badge, der mit einem RFID-Chip versehen ist, und alle Aussteller erhalten einen Badge-Reader, der mit Infos hinterlegt werden kann. Wenn nun ein Besucher seinen Badge am Stand des Ausstellers am Reader scannt, findet ein automatischer Datenaustausch, statt. Der Besucher erhält die Informationen des Ausstellers, während diesem die Kontaktdaten des Besuchers zur Verfügung gestellt werden. Das mühsame Schreiben und Abheften von Leads entfällt, ebenfalls das Herumschleppen von Infomaterial. Der Messebesuch wird einfacher, kostengünstiger und so für alle Seiten effizienter.

Beeinflusst diese Entwicklung das Format von Messen wie der Automation & electronics?

Ja, absolut. Die Zeiten, in denen Messen vor allem für Geschäftsabschlüsse genutzt wurden, sind leider vorbei. Messeformate müssen sich dieser neuen Marktsituation anpassen und den Schritt in die Digitalisierung mitgehen. Heute fallen die Innovationszyklen kürzer aus, ebenso die Informationswege, und Kommunikation ist nahezu 24 Stunden am Tag möglich. Gleichzeitig steigt der Druck zur Produktivitäts- und Effizienzsteigerung stetig. Entsprechend wollen wir unsere Messen interaktiver gestalten, Know-how-Transfer ermöglichen und Trends erlebbar machen. Zugleich sollen aber auch die klassischen Messethemen Networking und Business nicht vernachlässigt werden, sodass ein Messebesuch – respektive ein Messeauftritt als Aussteller – einen Mehrwert für Mitarbeitende und Unternehmen darstellt. Dass daraus neue Formate wie die Stage 7 entstehen, ist eine direkte Folge davon, die Einführung unserer Poken-Technologie eine weitere.

Eine Veränderung haben sie bereits erwähnt: Auf der «Automation & electronics» führen Sie die Plattform «Stage 7» ein. Worum geht es dabei?

Die Stage 7 ist ein neues Eventformat und eine Fachtagung für die Schweizer Industrie rund um die Themen Industrie, Internet of Things, Digitalisierung und industrielle Elektronik. Die interaktive Netzwerkplattform feiert in der Halle 7 der Messe Zürich Premiere und ist Bestandteil der Fachmesse, mit der sie meiner Meinung nach ideale Synergien schafft. Der Wissenstransfer in diesem neuen Format macht Aussteller zu Referenten und garantiert so einen praxisnahen Austausch, nach dem Motto: Von Spezialisten für Spezialisten.

Welche Aussteller und Besucher will man mit Stage 7 ansprechen?

Auf der Stage 7 dreht sich alles um die oben genannten Begriffe. Entsprechend wenden wir uns an Aussteller, die Lösungen, Innovationen und Dienstleistungen rund um die Themen elektronische Komponenten, Power Supply, M2M-Communication, Applications, Cloud Solutions, Industrial IT Security, Smart Factory, Wireless Solutions, IPC, Embedded Systems, Connecting and Switching Devicess bieten.

Wie grenzt sich Stage 7 thematisch von der Automation & electronics ab und wo gibt es Überschneidungen?

Die Automation & electronics konzentriert sich auf die klassischen Felder Antriebstechnik, Sensorik, Steuerung und Robotik. Selbstverständlich gibt es hierbei Überschneidungen, da IoT und Digitalisierung Themenfelder sind, welche die gesamte Industrie betreffen. Genau da setzt die Stage 7 den Fokus, während die Automation & electronics breiter aufgestellt ist.


Easyfairs Switzerland GmbH
4132 Muttenz, Tel. 061 228 10 00
schweiz@easyfairs.com



David Henz, Messeverantwortlicher bei Veranstalter Easyfairs Schweiz für die «Automation & electronics». (Bild: Easyfairs)