Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG

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Ausgabe 05/2017, 26.05.2017

Ein Sprungbrett für die berufliche Karriere

Bei den Berufsweltmeisterschaften «WorldSkills» belegen die Schweizer Berufsleute regelmässig vorderste Plätze. Eine neue Studie belegt nun, dass dieser Erfolg den wenigsten Teilnehmern in den Schoss gelegt wurde, sondern extrem harte Arbeit bedeutet. Aber: Diese Schinderei lohnt sich mit Blick auf die weitere berufliche Karriere durchaus.

(pi) SwissSkills als Dachorganisation der Schweizer Teilnehmer an regionalen, europäischen und weltweiten Berufsmeisterschaften ist eine Erfolgsstory par excellence. Seit 2009 konnten die Schweizer Teilnehmer 23 Goldmedaillen, 17 Silber- und 21 Bronzemedaillen alleine bei den WorldSkills, den Berufsweltmeisterschaften, einheimsen. Die Schweiz gilt damit weltweit als eine der erfolgreichsten Nationen. Erstmals hat nun eine Studie versucht, die Hintergründe aufzudecken, die für eine solche Leistungsspitze verantwortlich sind.

Für die vom Forschungsinstitut Swiss Education finanzierte und vom Schweizerischen Arbeitgeberverband sowie von Bildung Detailhandel Schweiz mit einem Geldbetrag unterstützte Erhebung «Die Top 200 des beruflichen Nachwuchses. Was hinter Medaillengewinnern an Berufsmeisterschaften steckt» wurden im Sommer 2016 fast 200 Männer und Frauen befragt. Sie belegten an den SwissSkills 2014 oder an einer anderen Berufsmeisterschaft («EuroSkills», «WorldSkills») einen der drei ersten Plätze. Die Studienteilnehmer waren zwischen 19 und 26 Jahre alt.

Die Untersuchung räumt mit mindestens zwei Vorurteilen auf: Erstens waren die Medaillengewinner während der obligatorischen Schulzeit keinesfalls immer gute Schüler. Zweitens war es auch nicht nur das goldene Händchen, das sie an die Spitze der Berufsbildung geführt hat.

Die Top 200 stammen zu 64 Prozent aus sozial einfach gestellten und zu 22 Prozent aus Familien der Mittelschicht, 15 Prozent dagegen aus Akademikerhaushalten. 40 Prozent der Befragten haben einen mittleren, 20 Prozent sogar einen bescheidenen Schulabschluss. Jeder Dritte bezeichnet sich als lediglich mittelmässig oder gar schlecht in den schulischen Leistungen.

Dies belegt, dass es junge Menschen auch mit einem mittelmässigen Schulabschluss und eher unterdurchschnittlichen Schulleistungen unter die Top 200 der Schweizer Berufsbildung schaffen können. Für viele von ihnen wurde die Berufslehre sogar zur zweiten Chance, die zu einer Leistungsexplosion führte. Diese Ergebnisse stellen die Klage vieler Betriebe, sie würden keine «guten Lehrlinge» finden, in ein anderes Licht.

Das Forscherteam zeigt zudem auf, wie überaus zeitintensiv und entbehrungsreich der Weg an die Spitze ist. In der Vorbereitungszeit kommt vieles zu kurz. Über 85 Prozent der Befragten haben sich auch während den Wochenenden vorbereitet. 76 Prozent bezeichnen den Verzicht auf Freizeit als einschneidend. Rund 43 Prozent haben für die Vorbereitung Ferientage bezogen oder gar unbezahlte Ferien im Ausmass von einem Monat bis über ein halbes Jahr.

Gemäss Margrit Stamm, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Bern und Leiterin der Studie, braucht es spezifische Persönlichkeitsmerkmale, um an die Leistungsspitze zu gelangen. Dazu gehören ehrgeizig und selbstständig sein, präzise arbeiten können, Ausdauer und Disziplin haben, aber auch ein hohes Ausmass an Selbstkompetenzen.

Das Forscherteam zieht aus den Erkenntnissen wichtige Schlüsse: Persönlichkeitsmerkmale der Top 200 und deren Motivationsgründe sind zwar bedeutsamer als alle anderen Faktoren. Trotzdem spielt das Umfeld als Motivationsfaktor eine ganz zentrale Rolle, vor allem Betriebe, Berufsfachschullehrkräfte, Experten und Familie. Gerade Betriebe sowie überbetriebliche Kurse (Üks), Ausbildungszentren und Berufsfachschulen sind in der Vorbereitung auf den Wettbewerb zentrale Faktoren.

Es gibt auch ein eher unerwartetes Hauptergebnis. Die absolut wichtigsten Unterstützungspersonen – sowohl bei der Motivation für die Teilnahme als auch bei der Wettbewerbsvorbereitung – sind die Eltern, vorab die Mutter. Obwohl sich dieses Ergebnis schon in den früheren Studien des Forscherteams gezeigt hatte, ist es eindrücklich, dass im Zusammenhang mit einer Berufsmeisterschaft Vater und Mutter für Nachwuchskräfte auch noch jenseits des Jugendalters besondere Stützen sind.

Im Urteil der Top 200 ist die Teilnahme an der Berufsmeisterschaft ein riesiger Erfolg, der überaus positive Auswirkungen auf die Berufslaufbahn hat. Mehr als ein Drittel sind bereits in einer leitenden Position. Zudem haben mehr als 80 Prozent neue Weiterbildungen in Angriff genommen, teilweise auch ein Studium an einer Hochschule oder Universität. Schliesslich hat ihr Erfolg sie auch in eine Vorbildrolle für junge Lernende geführt. Die ausgesprochen positive Bilanz zeigt sich auch darin, dass sich 96 Prozent der Befragten jederzeit wieder für eine Berufsmeisterschaft anmelden würden.


SwissSkills
6210 Sursee, Tel. 041 925 26 00
info@swiss-skills.ch



Gewohntes Bild: Schweizer Teilnehmer feiern ihren Erfolg bei der letzten WorldSkills in Sao Paulo. (Bilder: SwissSkills)


Auf dem Weg zum Spitzenplatz: Die Schweizer Mannschaft für die WorldSkills 2017 in Abu Dhabi.

Am Rande bemerkt

Handlungsempfehlungen

Als Fazit gibt die Studie sechs Empfehlungen:

  • Weg von Niveau und Noten: neue Rekrutierungswege praktizieren.
  • Berufsmeisterschaften als Sprungbrett für die Berufskarriere sehen.
  • Mehr Selbstkompetenztraining, weniger Teambildung.
  • Den harten Weg an die Spitze belohnen.
  • Eltern als Meinungsmacher mit ins Boot holen.
  • Erstplatzierte als Modelle und Mentoren einsetzen.

Weitere Informationen zur Studie gibt es unter
www.margritstamm.ch

Auf einen Blick

World Skills 2017

Vom 14. bis 19. Oktober 2017 finden in Abu Dhabi die Berufsweltmeisterschaften «WorldSkills» statt. Junge Berufsleute aus 77 Nationen treten in 51 Berufen gegeneinander an. Aus der Schweiz werden 11 Frauen und 26 Männer anreisen. Zusammen mit 37 Experten bilden sie das SwissSkills-Team, das sich anschickt, wiederum ganz vorne auf dem Treppchen zu stehen.

Seit Anfang Februar bereitet sich die Mannschaft auf die Weltmeisterschaft vor. Neben intensiven fachlichen Schulungen stehen auch die Verbesserungen der sogenannten Soft Skills auf dem Programm. Unter anderem üben sich die Teilnehmer im richtigen Umgang mit den Medien. Sogar, wie man sich in sozialen Netzwerken bewegt ohne ins Fettnäpfchen zu treten, wird den jungen Berufsprofis beigebracht. Auch auf diesem Feld wird nichts dem Zufall überlassen.
www.worldskillsabudhabi2017.com