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Ausgabe 07/2017, 14.07.2017

«Was uns in Zukunft auf Trab halten wird» – Elektromobilität – Was heisst – das für die MEM-Industrie?

Autor: Christoph Blättler, Ressortleiter «Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik», Swissmem

Haben Sie auch schon mal versucht, für sich die Elektromobilität ganz konkret bis zu Ende durchzudenken? Schon mal gedacht, ob die Herausforderungen bei der Batteriekonstruktion gelöst wären? Muss es denn überhaupt eine Batterie sein? Brennstoffzelle: Wo kriege ich den Wasserstoff her? Okay, egal. Einfach Strom braucht es und zwar möglichst autonom im fahrbaren Untersatz mit einer Reichweite von 600 bis 700 Kilometern pro «Tankfüllung». Tankspeicher? Der sollte aber klein und leicht sein. Wird die Energie zukünftig sowieso dezentral bei verschiedenen Gelegenheiten auf der Fahrt zugebracht, beispielsweise beim Warten vor einem Rotlicht?

Nehmen wir dem Gedanken zuliebe an, all diese Fragen sowie jene, woher denn all der Strom kommt, wenn plötzlich alle Autos «E» sind, seien gelöst. Wie sehen dann eigentlich die Fahrzeuge aus, und wie werden sie gebaut? Wie sieht der Individualverkehr in Zukunft überhaupt aus, und was wird wohl Mobilität für uns bedeuten? Wollen wir dann alle noch ein oder mehrere Autos besitzen, oder kaufen wir nur noch die Dienstleistung «Mobilität» genau dann, wenn wir sie brauchen?

Fragen, Fragen, Fragen zu einem Themenkomplex, die am 15. Swissmem Symposium (30. August 2017, Lake Side in Zürich) angeschnitten werden sollen. Die Veranstaltung will speziell den industriellen Auswirkungen der verschiedenen, heute als relevant erachteten Szenarien auf den Zahn fühlen. Sie soll dazu beitragen, die hiesige produzierende und fertigungstechnische Industrie auf der richtigen Spur zu halten.

Das grosse Bild für die Schweiz wird dabei von Swissmem-Präsident Hans Hess und dem Direktor von avenir suisse, Peter Grünenfelder, skizziert. Die mehr ökonomische Sicht im internationalen Kontext und spezifischen Automobilumfeld beleuchten Jeremy Leonard vom renommierten Wirtschaftsprognostik-Institut Oxford Economics und der Direktor von Auto-Schweiz, Andreas Burgener. Richtig ans Eingemachte der Industrie gehen dann Achim Schneider von GF Automotive, Dr. Jürgen Greiner von der ZF Friedrichhafen AG und Bernd Mangler von Siemens. Sie werden ganz konkret beleuchten, welche Umwälzungen auf die Automobilzulieferer zukommen.

Dort hört diese Geschichte aber noch lange nicht auf. Die Produktionskette für die neuen Mobilitätslösungen wird sich massgeblich und ganz grundlegend verändern. Das heisst, diese Entwicklungen betreffen im hohen Masse auch die Hersteller von Produktionsmittel; die Schweizer Werkzeugmaschinenhersteller zum Beispiel. Unsere Werkzeugmaschinenindustrie ist im europäischen Kontext immer noch die drittgrösste Kraft. Ein schöner Teil der im Totalwert von rund drei Milliarden Franken in der Schweiz produzierten Werkzeugmaschinen gehen in die Automobilindustrie oder zu deren Zulieferer. Dazu kommen noch erkleckliche Volumina von Anlagen und anderen Produktionsmitteln aus der Schweiz, welche von den gleichen Kunden für die Automatisierung und den Materialfluss eingesetzt werden.

All die Hersteller jener Maschinen, Anlagen und Werkzeuge bei uns tun also gut daran, sich aktiv tiefschürfende Fragen wie oben und ähnliche mehr zu stellen. Dies scheint umso dringender, wenn man bedenkt, dass die Automobilindustrie im heutigen Produktions-Setup im Durchschnitt acht Jahre Vorlaufzeit einrechnet, um eine neue Produktelinie – beispielsweise einen neuen Motor – in die Serienproduktion zu führen.

Das heisst, die Investition für Lösungen, welche im ach so weit in der Zukunft liegenden Jahr 2025 verwirklicht und im Markt eingeführt werden sollen, werden heute getätigt. Oder war es gestern?




Christoph Blättler, Swissmem