Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 07/2017, 11.07.2017

Auf Präzision und – Produktivität getrimmt

Ein Hingucker auf der diesjährigen Hausmesse von Index/Traub war der Langdrehautomat «TNL 20» von Traub mit der neuen Roboterzelle «Xcenter». Die «Technische Rundschau» war in Reichenbach vor Ort und hat sich die Automatisierungszelle angesehen.

Laut Index-Werke waren es mehr als 1100 Kunden und Interessenten aus aller Welt, die Ende März die «Open House» im Traub-Werk im deutschen Reichenbach besuchten. Während der viertägigen Veranstaltung präsentierte der Werkzeugmaschinenhersteller, der in der Schweiz exklusiv von Springmann SA vertrieben wird, exemplarisch mit 20 Maschinen live unter Span seine Lösungen in den Bereichen Drehen und Fräsen.

Produktseitig zogen der Langdrehautomat «TNL 20» von Traub sowie der Mehrspindeldrehautomat «MS 40 C-8» von Index die Blicke auf sich. Beide feierten im Rahmen der Open House Premiere. Wobei vor allem die neu konzipierte Automatisierungslösung Xcenter für den Langdreher bei den Anwesenden mehr als neugierige Blicke auf sich zog. Nicht umsonst, wie Dirk Prust, Sprecher der Geschäftsführung der Index-Werke, bestätigte: «Der neue Langdreher TNL 20 setzt im Einspindelbereich neue Akzente in punkto Genauigkeit und Produktivität. Diese Maschine haben wir kombiniert mit einer eigens entwickelten und eingebauten Roboterzelle, um die Kunden in ihren Prozessen besser zu unterstützen.»

Die Traub TNL 20 ist eine Neuentwicklung auf Basis der etablierten TNL-Baureihe. Eine ihrer Stärken ist sicherlich die Flexibilität, da sich die Maschine in wenigen Minuten von Kurz- auf Langdrehen umrüsten lässt. Augenfälligste Neuerung auf der Hausmesse war die Integration der neuen Roboterzelle Xcenter in eine TNL 20. Sie dient zur automatisierten Verarbeitung von Sägeabschnitten oder vorgeformten Rohteilen und ist als beigestellte Zelle vollständig in die Maschine integrierbar. Die Lösung besteht im Wesentlichen aus einem Gelenkarmroboter und einem vertikalen Palettenspeicher mit 28 Einschubplätzen.

Mit dieser frontal angedockten Automatisierung kann der Anwender den Drehautomaten mit Teilen grösser als 20 mm Durchmesser bestücken. Ausserdem ist die Roboterzelle bereits für die Integration einer 3D-Mess­einrichtung vorbereitet. Auch die Integration anderer zusätzlicher Prozessschritte wie beispielsweise Entgraten ist möglich. Zudem lassen sich Werkstücke, die ab Stange produziert werden, lageorientiert entladen und im Palettenspeicher ablegen. Roboterzelle und TNL 20 sind als eine Einheit konzipiert, die als solche beim Kunden angeliefert wird. Der Clou: Zum einfachen und ergonomischen Rüsten der Maschine ist die Roboterzelle komplett nach links verschiebbar.

Doch werfen wir einen Blick auf die Maschine. Auch hier fallen bereits optisch einige Neuerungen auf. So befindet sich neben der gewohnt grossformatigen Frontschiebetüre ein Rollladen, der einen bequemen Zugang zur Hauptspindel und deren Peripherie erlaubt. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des neuen Designs ist der komplett in den Maschinenkubus integrierte Schaltschrank. Überstehende Elemente wurden vermieden, sodass die rechte Maschinenseite für den einfachen Anbau eines Stangenlademagazins frei zugänglich ist.

Zum Markteintritt gibt es die Maschine in zwei Varianten. Die «TNL 20-9», verfügt über neun Linearachsen, zwei Revolver (mit je acht Stationen, 12 000 min-1 Drehzahl und 2,0 kW Leistung), einen Rückapparat (vier Stationen) und eine autonome Gegenspindel. So können bereits in dieser Variante drei Werkzeuge simultan eingesetzt werden.

Die Version «TNL 20-11» ist mit einem zusätzlichen Frontapparat (sechs Stationen, davon drei angetrieben, 12 500 min-1 Drehzahl und ebenfalls 2,0 kW Leistung) ausgestattet, der auf einem autonomen X/Z-Schlitten verfährt.

Durch die Interpolation des Frontapparates mit der X-Achse des Kreuzschlittens lassen sich mit dem Frontapparat auch Y- Bearbeitungen oder Werkzeugkorrekturen an der Hauptspindel durchführen. In dieser Ausbaustufe kann mit bis zu vier Werkzeugen gleichzeitig gearbeitet werden.

Haupt- und Gegenspindel der TNL 20 sind baugleich als flüssigkeitsgekühlte Motorspindeln ausgeführt. Deren Kenndaten lauten: 5,5 kW Leistung, 17,2 Nm Drehmoment und 10 000 min-1 Drehzahl.

Auch in punkto Präzision haben die Traub-Konstrukteure Neuland betreten. So wurde die Maschine komplett hydraulikfrei gestaltet. Das schlägt sich unter anderem in einer optimierten Thermostabilität nieder. Des Weiteren verfügen Haupt- und Gegenspindel anstelle von hydraulischen Spannzylindern standardmässig über eine pneumatisch betätigte Spanneinheit, die eine vergleichbare Spannkraft liefert. Der Spannvorgang benötigt zudem nur 0,2 s.

Steuerungsseitig kommt erstmalig eine von Mitsubishi entwickelte CPU zum Einsatz. Diese wurde speziell auf die Bedürfnisse einer CNC-Maschine zugeschnitten und sorgt laut Traub «für eine noch nie dagewesene Satzabarbeitungsgeschwindigkeit». Damit diese Geschwindigkeit auch an den Antrieben ankommt, ist die Verbindung der CNC-Steuerung zu den Motoren mit einem Hochgeschwindigkeitsbus auf Basis von Lichtwellenleitertechnologien ausgestattet. (pi)



Premiere: Lang-Kurzdrehautomat TNL20 mit Roboterzelle. (Bild: Index)