Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 09/2017, 14.09.2017

Industrieautomation ohne Grenzen

Vom 9. bis 12. Oktober öffnet in der Messe Stuttgart die «Motek» ihre Tore. Sie ist die weltweite Leitmesse für Produktions- und Montageautomatisierung, Zuführ- und Handhabungstechnik. Im Ausblick auf ihre 36. Ausgabe wirft die «Technische Rundschau» einen Blick auf die diesjährigen Trendthemen und präsentiert ausgesuchte Lösungen.

Laut Messeveranstalter P. E. Schall GmbH zeichnet sich ab, dass die Motek zunehmend das Interesse von Anbietern und Anwendern aus einerseits spezialisierten, andererseits auch bereichsübergreifenden Unternehmensdisziplinen weckt. Konkret nennt man die Bereiche Blech-, Kunststoff- und Holzbearbeitung, aber auch die Prüf- und Testtechnik, die Verpackungs- und Kommissioniertechnik sowie die Intralogistik. Mit den sich immer weiter überschneidenden Prozessen bei steigendem Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad sowie mit dem Leistungsvermögen moderner, hochflexibler Handhabungs- und Robotersysteme ergeben sich für die mit diesen Systemen arbeitenden Akteure stetig neue Betätigungsfelder.

Weiter will man in diesem Jahr eine Anpassung der Ausstellungsstruktur vornehmen, um dem sich verändernden Verhalten der Fachbesucher zur Informationsbeschaffung Rechnung zu tragen. Der Projektleiter von Motek und Bondexpo, Rainer Bachert, erläutert die geplanten Massnahmen: «Mit der Umsetzung der strategischen Weiterentwicklung der Motek und Bondexpo im Herbst 2017 beginnen wir die verfügbaren Hallen 3, 5, 7 sowie 4, 6 und 8 inhaltlich zu strukturieren. Die block-artige Anordnung der beiden Hallenstränge mit den geraden und ungeraden Zahlen nutzen wir zur sogenannten modularen Teilsortierung. Das heisst im Klartext, dass in jeder Halle künftig drei bis vier Themengruppen konzentriert und für die Fachbesucher als spezifische Leistungsshow präsentiert werden.»

Entgegen der bisherigen bewusst gemischten Platzierung soll eine solche Strukturierung einen Überblick im Kompaktformat und ein passgenaues Informationsangebot bieten. Das kommt laut Bachert den Interessen der Fachbesucher entgegen, weil sie sich Untersuchungen zufolge pro Tag maximal sechs Stunden auf einer Fachmesse aufhalten. Für die Aussteller soll die zielgenauere Orientierung der Fachbesucher ein Plus an hochwertigen Kontakten bringen. Auf der kommenden Messe wird diese Themenstrukturierung erstmals in den Hallen 5 und 6 mit den Schwerpunkten «Schlüsselfertige Montageanlagen» und «Schraub- und Verbindungstechnik» (Halle 5) sowie «Schlüsselfertige Montageanlagen» und «Füge-/Klebtechnologie» (Halle 6) zum Tragen kommen.

Klar ist, dass man diese thematische Strukturierung in den kommenden Jahren in weiteren Hallen fortsetzen und damit den sich am Markt abbildenden Trends anpassen will. Kernzielgruppen der Motek und der Bondexpo sind wie bisher die Planer, Einkäufer und Projektierer von Produktions- und Montageautomatisierung einerseits und andererseits die Konstrukteure, Maschinen- und Anlagenbauer als Realisierer der Automatisierungslösungen in Produktion und Montage.

In der Folge wirft die Redaktion der «Technischen Rundschau» in alphabetischer Folge einen Blick auf einzelne, pfiffige Produkte und Anlagen.

Neuheiten von A bis Z

Der Systemanbieter Denipro AG aus Weinfelden zeigt in Stuttgart eine funktionierende «Denisort»-Anlage, die kleine Bauteile und Schrauben für Montageprozesse sortiert und bereitstellt. Ein solche System kann in vielen Fällen ein automatisiertes Kleinteilelager komplett ersetzen und dabei platzsparend in der dritten Dimension die Montagestationen versorgen, heisst es. Der Clou: Funktionen wie Sortieren, Kommissionieren und Transportieren lassen sich in einer einzigen durchgängigen Anlage durchführen. Mit dieser Lösung werden Unternehmen adressiert, deren Serienfertigung eine hohe Variantenvielfalt zu bewältigen hat. Dazu zählen Branchen wie Automotive, Maschinenbau, optische Industrie und Medizintechnik.

denipro.com
Halle 7 Stand 7512

Die IEF-Werner GmbH aus Furtwangen im Schwarzwald präsentiert unter anderm die «domiLine». Mithilfe der Verstelleinheit, die auf einem ausgereiften Baukastensystem basiert, sollen Anwender ihre Justieraufgaben dank der spindelgetriebenen Komponenten des Geräts einfacher aufbauen und betreiben können. Eine Busschnittstelle unterstützt dabei die immer häufiger vorkommenden Umrüst- und Rekonfigurationsarbeiten. Die neue Einheit vereinfacht durch Speichern der Positionswerte die Arbeiten. Häufige Applikationen sind das Einstellen von Messkameras, das Fokussieren von Brenndüsen oder das Verfahren von Sensoren.

ief-werner.de
Halle 5 Stand 5220

Die Kistler Gruppe zeigt erstmals eine messtechnische Innovation, die einen Meilenstein in ihrem Industrie-4.0-Portfolio bedeutet: den ersten digitalen Ladungsverstärker. Laut Hersteller ist dies ein Durchbruch in der industriellen Messtechnik. Mit seiner Hilfe können Maschinen- und Anlagenbauer zum ersten Mal beliebige piezoelektrische Sensoren in ihre Ethernet-Umgebung einbinden und damit Einstellungen direkt über die Steuerung vornehmen. Der digitale Ladungsverstärker wird eine Vielzahl von Messfunktionen bieten und mit den drei wichtigsten Ethernet-Standards kompatibel sein.

kistler.com
Halle 4 Stand 4508

SKF Linearsysteme stellt mit der modular aufgebauten Reihe «CASM 100» eine neue Serie von Hochleistungsaktuatoren vor. Der Anwender kann aus einer Vielzahl von Modulen das optimal auf seine Problemstellung zugeschnittene System zusammenstellen. Im Kraftbereich bis 82 kN und bei Lineargeschwindigkeiten bis 890 mm/s soll die neue Reihe eine valable Alternative zu Pneumatik- und Hydrauliksystemen darstellen. Sie erlaubt Hübe bis zu 2 m, ist durch verschiedene Dichtungssysteme geschützt gegen Schmutz und Feuchtigkeit und bietet einen einstellbaren Endschalter. Mit ihrer Fülle von Montagemöglichkeiten kann die neue Baureihe eine einfache und individuell anpassbare Plug-and-Play-Lösung für praktisch jedes Bedürfnis darstellen.

skf.com
Halle 6 Stand 6122

Bei Yaskawa ist der «Motoman HC 10», der erste kollaborierende Roboter im Programm dieses Herstellers, das Highlight auf dem Stand. HC steht für «Human Collaborative» (Mensch-Roboter-Kollaboration, MRK). Der Roboter auf der Messe soll mit einem MRK-Greifer und einem Schraubautomaten in MRK-Ausführung ausgestattet sein. Er wird in einer Showzelle Flaschenöffner montieren und als Give-Away an die Besucher verteilen. Die Steuerung der Anlage erfolgt über ein «Vipa»-17“-Touch-Panel von Yaskawa. Die geforderte Sicherheit im direkten Kontakt mit dem Bediener gewährleistet der HC10 durch eine 6-fache Kraft- und Momentenüberwachung. Zudem zeigt man mit dem Motoman «GP 12» mit 12 kg und dem «GP 25» mit 25 kg Tragkraft zwei neue Modelle der GP-Baureihe.(msc)

yaskawa.eu.com
Halle 7 Stand 7205



Auf den Messeständen können die Besucher nicht nur mit Experten fachsimpeln sondern oft auch selbst an neuste Technik Hand anlegen. (Bild: Motek)


Verstelleinheit domiLine von IEF-Werner mit elektronischer Positionsanzeige und Busschnittstelle. (Bild: IEF-Werner)


Mit dem denisort-System lassen sich sehr effizient Kleinteile sortieren und an die Montagelinie befördern. (Bild: Denipro)


Der digitale Ladungsverstärker von Kistler ist weltweit der einzige für quasistatische Messvorgänge mit piezoelektrischen Sensoren an echtzeitfähigem industriellem Ethernet. (Bild: Kistler)