Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 09/2017, 15.09.2017

Toolmanagement wird digital

Mapal hat als einer der ersten Präzisionswerkzeughersteller die Bedeutung von Toolmanagement erkannt und bereits Anfang der 1990-er Jahre Lösungen dazu angeboten. Heute werden weltweit über 70 Projekte betreut. Mit der Open-Cloud-Plattform «c-Com» macht Mapal nun den Schritt in Richtung digitales Werkzeugmanagement.

In der zerspanenden Fertigung werden Beschaffung, Einstellung oder Bereitstellung von Präzisionswerkzeugen zunehmend ausgelagert. Mapal erkannte diesen Trend bereits Ende der 1990er-Jahre und startete damals mit ersten Toolmanagementprojekten. Seitdem hat sich das anfangs noch überschaubare Geschäftsfeld zum vollumfassenden, modular aufgebauten Servicepaket entwickelt. Frank Stäbler, Produktmanager Services bei Mapal, bemerkt dazu: «Meilensteine waren die Einführung des Abrechnungsmodells Cost-per-Part und der komplett ausgestattete Einstellraum von Mapal, inklusive Eigenentwicklung des Ausgabesystems Unibase-M.»

2017 markiert nun einen weiteren Schritt nach vorne: Der Werkzeughersteller bietet seine Toolmanagementdienstleistungen nun auf Basis der Plattform c-Com an, einem Produkt der c-Com GmbH. «Dieses Toolmanagement 4.0 sorgt für höchstmögliche Transparenz bezüglich aller Daten- und Warenflüsse sowie der Kosten», weiss Frank Stäbler.

Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Gründe, warum Unternehmen überhaupt Toolmanagement einsetzen sollen. Im normalen Prozess entsteht für die Beschaffung und die Bereitstellung von Werkzeugen ein grosser Aufwand. Hohe Prozesskosten kommen allein durch den Einkauf der passenden Werkzeuge zustande. Damit eine Fertigung reibungslos funktionieren kann, müssen die Werkzeuge verlässlich verfügbar sein, gleichzeitig sollten aber die Lagerkosten wiederum möglichst gering gehalten werden. Und das bei steigendem Kostendruck in den fertigenden Unternehmen und der stetigen Forderung nach Produktivitätssteigerungen, was voraussetzt, immer die beste Werkzeugtechnologie im Einsatz zu haben. «Diesen gegensätzlichen Anforderungen gerecht zu werden», resümiert Frank Stäbler, «ist komplex und für viele Unternehmen nur mit hohem Aufwand zu realisieren.»

Durch die Einführung von Toolmanagement können produzierende Unternehmen Ungenauigkeiten bei Lagerbeständen genauso in den Griff bekommen wie Maschinenstillstände aufgrund fehlender Werkzeuge. Auch der hohe Aufwand für Datenpflege, Wiederbeschaffung und die Ausgabe der Werkzeuge lässt sich minimieren. Denn all dies übernimmt bei einem leistungsfähigen Toolmanagement der Dienstleister. «Dabei ist entscheidend, dass ein gut funktionierendes System modular aufgebaut ist und auf die individuelle Situation des Kunden angepasst werden kann. Deshalb ist das Grundgerüst des Toolmanagements, das Mapal heute anbietet, ein Baukastensystem mit zwölf Individualleistungen, die gemeinsam mit dem Kunden für dessen Fertigungsstandort zusammengestellt und angepasst werden», verdeutlicht Produktmanager Stäbler das Konzept dahinter.

Wie erfolgreich dieses System ist, zeigen über 70 Toolmanagementprojekte weltweit; vom einfachen Logistikkonzept bis hin zum vollumfänglichen Toolmanagement mit Cost-per-Part-Abrechnung. Ausschliesslich für diese Projekte sind rund um den Globus über 100 Mitarbeiter im Einsatz.

Vom Mapal-Stammsitz im deutschen Aalen wird speziell die kritische Installations- und Implementierungsphase über das globale Launch-Management gesteuert. Damit ist laut Stäbler sichergestellt, dass die Toolmanager und Mitarbeiter vor Ort jederzeit mit den aktuellsten und einheitlichen Prozessen, Entwicklungen und Daten arbeiten: «Für die kontinuierliche Optimierung der Werkzeuge und Bearbeitungsprozesse steht ein erfahrenes Team aus Projektleitern und Produkt- und Prozessspezialisten zur Verfügung, das garantiert, dass immer die beste Technologie beim Kunden im Einsatz ist. Dabei stehen nicht nur die reinen Werkzeugkosten im Fokus, sondern auch die Steigerung der Produktivität.»

Durch den aktuellen Trend in Richtung Digitalisierung und Datenvernetzung ergeben sich auch für das Toolmanagement völlig neue Möglichkeiten. «Daten und Informationen können für alle Beteiligten – Fertigung, Einkauf, Planung, Toolmanager und Lieferanten – sehr viel transparenter und durchgängiger bereitgestellt werden», sagt Frank Stäbler. «Dadurch wird der Gesamtprozess effizienter gestaltet.»

Mapal setzt dafür auf die Open-Cloud-Plattform c-Com, ein Produkt der c-Com GmbH, und bietet auf dieser Basis ein digitales Toolmanagement. Stäbler: «Für für Unternehmen entsteht eine funktions- und konzernübergreifende Technologiedatenbank. Redundante Strukturen gehören damit der Vergangenheit an.»

Folge: Neben den Vorteilen des klassischen Toolmanagements, wie garantierte Werkzeugverfügbarkeit, Ressourceneinsparung und reduzierte Lagerkosten, erschliessen sich für Kunden mit Toolmanagement 4.0 völlig neue Potenziale. In diesem Punkt ist sich Projektmanager Stäbler sicher: «So besteht zu jeder Zeit die volle Kostenkontrolle und Transparenz, da alle Preise und Konditionen der Lieferanten sowie die Verbrauchsdaten in Echtzeit in c-Com abrufbar sind. Wo vorher einzelne Listen mit beschränktem Zugriff verwendet wurden, sind die Daten dank der Plattform transparent und durchgängig. Sie müssen nicht mehr in verschiedenen Systemen gepflegt werden. Datenbrüche werden vermieden.»

Mit dem digitalen Toolmanagement haben Kunden Zugriff auf automatisierte Auswertungen in Echtzeit, unter anderem zu Verbrauchsdaten, aktuellen Beständen, der Anzahl der Wiederaufbereitungen je Werkzeug oder den Werkzeugkosten pro Bauteil. Darüber hinaus kann der Technologietransfer erleichtert werden. Die zentrale Verwaltung von Prozessparametern wie Standmengen und Schnittwerte erlauben es, dass diese Daten vom Anwender direkt abgerufen werden können. «Kunden können sich selbst zu jeder Zeit und ohne Abstimmungsaufwand einen Überblick über das gesamte Toolmanagement und die Total Cost of Ownership verschaffen», verdeutlicht Frank Stäbler.

Auch die tägliche Arbeit eines Toolmanagers innerhalb des Toolmanagements 4.0 wird dank zahlreicher mobiler Applikationen einfacher. Entstehen beispielsweise Probleme durch ein gebrochenes Werkzeug, erfolgt die Erfassung eines Fehlerberichts mit einer App über ein mobiles Endgerät, also wesentlich unkomplizierter als bisher und ausserdem standardisiert. So wird auch der Austausch zwischen dem Toolmanager, den Produktspezialisten beim Anwender sowie den möglichen Drittlieferanten beschleunigt und daher effizienter. Bilder und Videos können in Echtzeit mit dem Fehlerbericht übergeben werden. Die dazugehörigen aktuellen Technologiedaten kommen, natürlich, aus der Cloud. (pi)

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Toolmanagement aus der Cloud: Mit dem Toolmanagement 4.0 soll ein neuer Standard hinsichtlich Transparenz aller Daten- und Warenflüsse sowie der Kosten erreicht werden. (Bilder: Mapal)


Frank Stäbler, Produktmanager Services bei Mapal: «Toolmanagement 4.0 sorgt für höchstmögliche Transparenz bezüglich aller Daten- und Warenflüsse sowie der Kosten.»


Auf einen Blick: Anwender haben Zugriff auf automatisierte Auswertungen in Echtzeit.