Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG

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Ausgabe 02/2018, 16.02.2018

«Tipps und Tricks für das digitale Zeitalter»

Im vorigen Jahr veranstalteten Big Kaiser, Walter (Schweiz) AG und x-data erstmals gemeinsam eine Vortragsreihe unter dem Motto «Innovative Systeme richtig vernetzen». Zielsetzung war, aufzuzeigen, welche Chancen die Digitalisierung für Schweizer Lohnfertiger bietet, mit überschaubarem Invest. Angesprochen wurden Zerspanungsprofis aus der produzierenden Industrie. Die «Technische Rundschau» war vor Ort und hat sich mit Stefan Appenzeller unterhalten, Produktmanager bei Big Kaiser und ein Initiator der Veranstaltung.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Appenzeller, wie ist es zu dieser Gemeinschaftsaktion von Big Kaiser, Walter und x-data gekommen?

Die drei an der Veranstaltungsreihe beteiligten Protagonisten der genannten Unternehmen, also André Braun von Walter (Schweiz) AG und Roger Frei von x-data sowie meine Person, sind der Überzeugung, dass es wichtig ist, aufzuzeigen, welchen Mehrwert eine Digitalisierung von Zerspanungsprozessen für die metallbearbeitende Industrie in der Schweiz haben kann. Wobei wir ganz bewusst diesen Schulterschluss gesucht haben, um die Praxistauglichkeit herauszustellen.

Gab es dazu einen konkreten Anwendungsfall?

Wir zeigten beispielhaft auf, wie eine Datendurchgängigkeit in einem Unternehmen etabliert werden kann und welche Vorteile daraus entstehen. Dazu haben wir ein ERP-System mit einem Toolmanagementsystem und einem Voreinstellgerät, das eigentlich in jedem Betrieb vorhanden sein sollte, vernetzt. Anschliessend wurde demonstriert, wie alle für die Programmierung und Fertigung eines Bauteils relevanten Daten in die Cloud abgelegt und von dort abgerufen werden können. Wobei wir ganz bewusst keine fertigen Lösungen vorstellten, sondern nur Anstösse gaben.

Die genannte Vorgehensweise ist ja nicht wirklich neu. Wie war das Feedback der Teilnehmer auf Ihre Schulungsinhalte?

Sehr positiv. Wir hatten zu allen drei Veranstaltungen insgesamt rund 110 Teilnehmer aus etwa 65 Firmen und zwar gemischt vom Maschinenbediener bis hin zum Geschäftsführer. Mit rund der Hälfte davon haben wir Gespräche geführt, und die einhellige Meinung war, dass jeder für seine Arbeit Aspekte herausgreifen konnte, die direkt umsetzbar sind. Egal, ob es sich nur darum handelt, seine Werkzeuge mit QR-Codes zu versehen, um beim Lagerbestand auf dem Laufenden zu sein, oder ob man gleich in ein eigenes Toolmanagementsystem einsteigen möchte. Selbst mit wenig finanziellem Aufwand ist sofort ein Effekt zu erzielen. Uns war deshalb ganz wichtig, die Wirtschaftlichkeit dieser Umsetzungen herauszustellen. Es nützt ja nichts, Produkte und Lösungen anzubieten, bei denen die Betriebe sofort abwinken, weil sie nicht finanzierbar oder refinanzierbar sind. Deshalb waren die Schulungen auch kostenlos. Wir wollten Tipps und Tricks vermitteln, die den Unternehmen weiterhelfen können.

Sie meinen, jeder Schweizer Lohnfertiger sollte sich um die Digitalisierung der eigenen Produktion kümmern?

Man sollte sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen und jetzt beginnen, zu investieren. Die Herausforderung ist sicherlich, dass es heute und in naher Zukunft keine fertigen Rezepte dafür gibt. Fakt ist, dass die Unternehmen ihre Werkzeugkosten im Griff haben sollten. Und sie müssen direkt und schnell auf die Maschinendaten zugreifen können, um für kurze Durchlaufzeiten zu sorgen. Denn nur so kann man rasch und flexibel auf Kundenwünsche reagieren.

Haben Sie Digitalisierungserfahrungen im eigenen Unternehmen?

Wir setzen bei Big Kaiser seit knapp zwei Jahren digitale Strategien in der Fertigung ein. Eine überraschende und wichtige Feststellung war übrigens, dass sich durch die Digitalisierung das Anforderungsprofil des Polymechanikers ändert. Er muss sein Wissen in Richtung Software erweitern; er muss aber auch viel mehr Planungsarbeiten übernehmen. Hier sollten sich die entsprechenden Verbände überlegen, ob der Name und die Ausbildung zum Polymechaniker, die ja bereits über zwanzig Jahre existiert, noch zeitgemäss sind. Denn ob diejenigen, die heute aus der Ausbildung kommen, wirklich auf das digitale Zeitalter vorbereitet sind, darf infrage gestellt werden.

Welche Vorgehensweise würden Sie einem Unternehmen empfehlen, wenn es in die Digitalisierung der Fertigungsprozesse einsteigen möchte?

Es steht mir nicht an, hier irgendwelche Empfehlungen oder Ratschläge zu geben. Ich kann nur von unserer eigenen Erfahrung berichten und Punkte aufzeigen, die für uns wesentlich waren. Dazu gehören sicherlich das Voreinstellen der Werkzeuge und die Übertragung der daraus gewonnenen Daten auf die Maschine. Wichtig ist zudem, die Lebensdauer der Werkzeuge zu analysieren und die Werkzeugvielfalt in den Griff zu bekommen. Zudem lohnt es sich, die CAM-Strategie unter die Lupe zu nehmen, um den Werkzeugeinsatz zu optimieren; beispielsweise zu kontrollieren, ob ein- und dasselbe Werkzeug nicht auch für andere Tätigkeiten verwenden werden kann, ohne es wieder neu aufbauen zu müssen. Generell sollte man die eigenen Prozesse sehr genau analysieren, bevor man in die Digitalisierung einsteigt. Das kann auch im Rahmen einer Projektarbeit geschehen, wenn beispielsweise ein Mitarbeiter gerade seinen Meister macht.

Hilft es, wenn man sich Unterstützung von Dritten holt, beispielsweise über Ihr Schulungsangebot?

Unsere Schulungen zum Thema «Vernetzung» sind sicherlich spannend für jedes zerspanende Unternehmen in der Schweiz. Es geht ja nicht darum, Produkte oder Systeme zu verkaufen, die wir sicherlich auch anbieten und bewerben. Es geht darum, zu vermitteln, welche Chancen die Digitalisierung bietet und dass man diese Chancen auch ergreifen sollte, damit der Werkplatz Schweiz auch in Zukunft seine Existenzberechtigung hat. Denn wenn wir nichts machen, geht morgen das Licht aus.

Wird es in diesem Jahr eine Wiederholung der Veranstaltungen geben?

Ja, die erste ist am Donnerstag, den 26. April, geplant, wieder bei uns hier in Rümlang.

Big Kaiser Präzisionswerke AG
8153 Rümlang, Tel. 044 817 92 00
info@ch.bigkaiser.com, bigkaiser.com

Walter (Schweiz) AG
4500 Solothurn, Tel. 032 617 40 72
service.ch@walter-tools.com

x-data GmbH
8488 Turbenthal, Tel. 052 385 30 44
info@x-data.ch



Stefan Appenzeller, Leiter Produktmanagement, Big Kaiser AG: «Wir wollen zeigen, welche Chancen die Digitalisierung bietet, und dass man diese Chancen auch ergreifen sollte, damit der Werkplatz Schweiz auch in Zukunft seine Existenzberechtigung hat.» (Bild: TR)