Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 02/2018, 16.02.2018

«Werden erstmals die 600er-Marke toppen»

Die Messe «GrindTec» hat das, was andere Branchenmessen teilweise schmerzlich vermissen: Kontinuierliches Wachstum bei Ausstellern, Fläche und Besuchern. Im Gespräch mit der «Technischen Rundschau» versuchen Joachim Kalsdorf, Projektleiter beim Messeveranstalter Afag, und Wilfried Saxler, Geschäftsführer des Branchenverbandes FDPW, das Phänomen GrindTec zu erklären.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Kalsdorf, die GrindTec feiert 2018 ihr 20-jähriges Bestehen. Bei der Premiere 1998 war noch nicht abzusehen, welche Erfolgsstory die Messe schreiben wird: Angefangen hatte man mit zwei Hallen, mittlerweile sind neun Messehallen mit insgesamt 44 000 m2 Ausstellungsfläche belegt. Was bietet die GrindTec, was andere Messen nicht haben?

Kalsdorf: Zum Zeitpunkt der Initiierung der GrindTec in den 1990er Jahren waren die polytechnischen Mehrbranchenfachmessen das Mass der Dinge. Special-Interest-Veranstaltungen oder Spezialmessen für angebliche Randthemen lagen nicht im Fokus der Grossmessen. Das war die Chance für Veranstalter wie die Afag GmbH, die sich schon früh auf die Organisation und Durchführung damals noch kleiner Fachmessen spezialisiert hatte. Konsequentes Zielgruppenmarketing, überschaubare Veranstaltungen mit einem überzeugenden Kosten-Nutzen-Mix an Messeplätzen in Zielgruppenregionen mit guter Erreichbarkeit waren die Erfolgsgaranten. Darüber hinaus bieten wir unseren Besuchern ein repräsentatives, mittlerweile internationales Branchenangebot, das sie weltweit nicht mehr vorfinden.

Woraus speist sich das aktuelle Wachstum der Messe?

Kalsdorf: Zum einen haben wir, insbesondere von Maschinenherstellern, eine verstärkte Nachfrage nach mehr Fläche. Innovationen und Neuheiten werden zunehmend auf der GrindTec erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Darüber hinaus verzeichnen wir wachsendes Interesse von Neuaustellern, auffallend viele aus dem asiatischen Raum. Somit werden wir 2018 erstmals die Ausstellerzahl von 600 toppen.

Besteht nicht die Gefahr, dass bei immer mehr Ausstellern die Messe unscharf und für Besucher nicht mehr so attraktiv wird?

Saxler: Voraussetzung für alle Aussteller ist, dass die gezeigten Produkte der Nomenklatur entsprechen, die vor vier Jahren konsequent aufgebaut wurde und dem Portfolio der allgemeinen Schleiftechnik entspricht. Somit werden keine branchenfremden Produkte gezeigt, und die Gefahr der Angebotsverwässerung ist nicht gegeben.

Aktuell ist die Digitalisierung der Prozesskette, sprich: Industrie 4.0, angesagt. Wie bildet die Messe diesen Megahype ab?

Saxler: Kein Unternehmen arbeitet heute noch komplett ohne Digitalisierung oder Vernetzung. Bereits 2016 präsentierte die GrindTec einen Themenpark Schleiftechnik 4.0. In diesem Jahr gehen wir einen neuen Weg: Wir vernetzen die Aussteller der GrindTec. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes von Afag, GrindTec, der Fachzeitschrift mav und dem FDPW haben wir einen Kompetenzführer Schleiftechnik 4.0. erstellt. Die für Besucher wichtige Orientierungshilfe stellt eine Reihe von Ausstellern vor, die interessante Lösungen zur Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen entwickelt haben.

Auf welche Highlights kann man sich sonst noch freuen?

Kalsdorf: Neben den Angeboten und Neuheiten unserer Aussteller findet man im Tagungszentrum unseren Partnerverband FDPW mit dem GrindTec-Forum. Dort bieten wir im Halbstundentakt interessante Vorträge aus der Branche; 2018 erstmals simultan in Deutsch und Englisch.

Saxler: In Halle 8 befindet sich das Kompetenzzentrum Schleiftechnik 4.0. Im Foyer der Halle 1 kann man den GrindTec-Campus besuchen und sich Informationen von zahlreichen Hochschulen und Universitäten zum Thema Schleiftechnik einholen.

Kalsdorf: Am Donnerstag findet in Halle 4 der Wettbewerb «Schleifer des Jahres» statt. Die Prämierung erfolgt auf dem Ausstellerabend in der WWK-Arena, zu dem alle Aussteller und Gäste eingeladen sind.

Die Schweiz hat in der Vergangenheit das grösste Auslandskontingent gestellt. Ist das in diesem Jahr auch wieder der Fall?

Kalsdorf: Traditionell ist die Schweiz eine der ausstellerstärksten Nationen. Aktuell beteiligen sich 58 Schweizer Firmen auf 3400 m2 Ausstellungsfläche. Dies entspricht einem Flächenwachstum von rund 10 Prozent zur Vorveranstaltung.

Warum bietet die GrindTec gerade für die Schweiz eine so grosse Anziehungskraft?

Saxler: Die Schweiz ist schon von jeher ein Synonym für Präzision. Darüber hinaus ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Schweiz und der grösste Schweizer Importmarkt. Deutschland wiederum ist ein bedeutendes Abnehmerland von Schweizer Werkzeugmaschinen. Aus Sicht des FDPW freuen wir uns besonders über die grosse Beteiligung der Schweiz an der GrindTec, da wir mit unserem Schweizer Partnerverband VSPW auch eine besondere Beziehung pflegen.

Kalsdorf: Ein herzliches Grüezi schon heute an unsere Schweizer Gäste!

Afag GmbH
DE-86159 Augsburg, Tel. +49 821 589 82-395
info@afag.de, grindtec.de

FDPW Fachverband Deutscher
Präzisions-Werkzeugschleifer
DE-50321 Brühl, Tel. +49 2232 1555-972
info@fdpw.de



Joachim Kalsdorf (links), Afag, und Winfried Saxler, FDPW, erkennen trotz des kontinuierlichen Wachstums ein scharfes Profil der GrindTec : «Es werden keine branchenfremden Produkte gezeigt, und die Gefahr der Angebotsverwässerung ist nicht gegeben.» (Bild: TR)


Das Wachstum bei Ausstellern und Besuchern (Bild) der GrindTec ist ungebrochen. (Bild: Afag)