Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG

Werbung

Ausgabe 04/2018, 13.04.2018

Die Schneide verdient den Franken

Präzisionswerkzeuge sind der Türöffner für eine wirtschaftliche und prozesssichere Fertigung. Die «Technische Rundschau» hat sich in den letzten Monaten an verschiedensten Anlässen zum Thema informiert und wirft einen ausgewählten Blick auf Neuheiten, aber auch pfiffige Praxislösungen.

EMO Hannover 2017, Metav oder GrindTec: Es gab in den letzten Monaten einige Messen, die für die Produktionstechnik wichtig waren und deshalb auch und gerade die Präzisionswerkzeughersteller auf Trab hielten. Die «Technische Rundschau» hat sich im Umfeld dieser Veranstaltungen informiert und gibt eine kurze, zugegebenermassen auch sehr subjektive, Zusammenfassung. Jenseits aller Bemühungen rund um die digitale Transformation, die fast alle Werkzeughersteller in unterschiedlichen Ausprägungen auf dem Radar haben, konzentriert sich der folgende Beitrag ausschliesslich auf die Hardware. Denn es ist nach wie vor die Schneide, die den Franken bringt.

Big Kaiser: Mit dem «Chip Fan» bringt der schweiz-japanische Hersteller einen pfiffigen Reinigungspropeller für das schnelle und sichere Entfernen von Spänen und Kühlmittel im Produktionsprozess. Der Propeller wird über den Werkzeugwechsler eingewechselt und über die Spindel der Werkzeugmaschine angetrieben. Er ist so genau ausgewuchtet, dass er sich problemlos bei Drehzahlen bis zu 12 000 min-1 betreiben lässt. Das sorgt für effektive Luftreinigung ohne Probleme mit tropfendem Kühlmittel und fliegenden Spänen, wie sie bei herkömmlichen Luftschlauchgebläsen auftreten, weiss Giampaolo Roccatello, Sales & Marketing bei Big Kaiser: «Mit unserem neuen Chip Fan können Späne und Kühlmittel schnell und einfach entfernt werden, ohne die Produktion zu unterbrechen.»

Der Reinigungspropeller ist aus hochfestem und eloxiertem Aluminium gefertigt und verspricht daher eine lange Lebensdauer. Spindeln mit Kühlmitteldurchfluss können das KSS durch das Zentrum des Reinigungspropellers führen, um Tisch, Vorrichtungen und Werkstücke abzuspülen. Anschliessend dreht sich das Lüfterrad mit hoher Geschwindigkeit, um verbleibende Späne oder Kühlmittel zu entfernen, sodass zwei Reinigungsvorgänge in einem Schritt durchgeführt werden. Der Chip Fan wird idealerweise in den programmierten Bearbeitungszyklus integriert, um Stillstandszeiten der Spindel zu minimieren.

ch.bigkaiser.com

Siams Halle 1.2 Stand C5

Gühring: Ein Ausrufezeichen setzt das Unternehmen mit seinem Werkzeugprogramm zur Mikrobearbeitung. Die Gühring-Spezialisten konzentrierten sich dabei auf die Fräs-, Bohr-, Gewinde- und Reibbearbeitung. Beim Fräsen mit kleinen Werkzeugdurchmessern ist unter anderem die Abdrängung des Werkzeugs ein wesentliches Problem. Es ist deshalb erforderlich, dass die Mikrofräswerkzeuge besonders schnittfreudig und scharf sind. Das Kleinstbohrerprogramm bietet neben Standardbohrern auch Sonderwerkzeuge auf Kundenwunsch. Gegenüber konkurrierenden Verfahren wie dem Laserbohren, ist man bei Gühring überzeugt, punkten die eigenen Mikrobohrer mit einfacherer Integration in die Fertigung sowie Wirtschaftlichkeit. Auch bei der Gewindeherstellung und beim Reiben im Mikrobereich reicht die blosse Miniaturisierung von Werkzeugen nicht aus, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu gelangen. Hier geht es darum, eine serientaugliche Fertigung zu ermöglichen. Daher gilt es, Prozesssicherheit und Standzeit im Fokus zu behalten, um unnötige Werkzeugwechsel zu verhindern und eine wirtschaftliche Produktion im Mikrobereich sicherzustellen. Dies gelingt laut Gühring unter anderem auch, weil man sich auf die eigene Hartmetallherstellung sowie eigene Schneidengeometrien und Beschichtungen stützt.

guehring.ch

Siams: Halle 1.2 Stand A17

Horn: Die Hochleistungsreibsysteme «DR» und «DR small» sind nun in den gängigsten Grössen ab Lager vorrätig. Mit den unbeschichteten oder beschichteten Reibschneiden haben sich die Werkzeugsysteme seit Jahren bei Reibaufgaben mit Durchmessern von 7,6 bis 140,6 mm bewährt. Die sichere Befestigung und Positionierung der nur 4,3 und 5,3 mm breiten Reibschneiden aus Hartmetall oder Cermet auf dem jeweiligen Grundträger sichert eine auf den Rundlauf bezogene Wechselgenauigkeit ≤ 3 µm. Der Anwender kann dabei nahezu für jede Zerspanungsaufgabe die optimale Kombination von Substrat, Geometrie und Beschichtung wählen. Das Lagerprogramm des Reibsystems DR umfasst folgende Varianten: Für H7-Bohrungen mit 12 bis 50 mm Durchmesser in mm-Abstufungen und für Bohrungen von 52 bis 100 mm Durchmesser in elf weiteren Grössen. Jede Abmessung ist mit zwei Schneidengeometrien erhältlich: geradverzahnt für Sacklochbohrungen und links schrägverzahnt für Durchgangsbohrungen. Das System DR small, laut Horn das kleinste modulare Schnellwechselreibsystem der Welt, ist in vier Grössen für Reibdurchmesser von 7,6 bis 13,1 mm lieferbar und steht in geraden H7-Abmessungen ab Lager zur Verfügung.

dihawag.ch

Siams Halle 1.2 StandE10/F9

Mapal: Mit dem neuen, dreischneidigen Bohrer «Tritan-Drill-Steel» soll sich Stahl im Vergleich zu zweischneidigen Bohrern deutlich wirtschaftlicher bearbeiten lassen. Ein Grund sind laut Mapal die signifikant höheren Vorschubwerte, die sich durch den Bohrer erzielen lassen. Denn: Durch drei einzelne Querschneidensegmente, die den Tritan-Drill-Steel sicher zentrieren, werden Pendelbewegungen mit dem neuen Bohrer verhindert. Seine Robustheit verdankt der Tritan-Drill-Steel der völlig neu gestalteten Hauptschneidenform, heisst es weiter. Die dadurch sehr stabilen Schneidecken reduzieren die Belastungen der Schneiden. Zudem ist die Beschichtung speziell auf die Bearbeitung von Stahl angepasst. So wird nicht nur die Verschleissfestigkeit bei der Stahlbearbeitung deutlich erhöht, sondern auch die Standzeit. Die Form der Hauptschneide, die für kurze, eng gerollte Späne sorgt, und die feinstgeschliffenen Spannuten versprechen ausserdem eine schnelle und prozesssichere Spanabfuhr. Kein Wunder, wenn Mapal davon spricht, auch schräges Anbohren bis 12 ° bei einer Länge von 5 × D problemlos realisieren zu können. Der Tritan-Drill-Steel ist im Durchmesserbereich 4 bis 20 mm in den Längen 3 × D, 5 × D, 8 × D und 12 × D lieferbar.

mapal.com

Siams Halle 1.2 Stand E20

Mikron Tool: Der Werkzeughersteller aus Agno hat das Programm seines erfolgreichen Vollhartmetallbohrers «CrazyDrill Cool SST-Inox» nun um die Bohrtiefen 15 × D und 20 × D ergänzt. Der Bohrer ist im Durchmesserbereich von 1 bis 6 mm erhältlich und wurde für die Bearbeitung von rostfreien Stählen, hitzebeständigen und Chrom-Kobalt-Legierungen entwickelt. Bisher standen die Kurzversionen 6 × D und 10 × D zur Verfügung.

Bei den Neuentwicklungen konnte die Geometrie der kurzen Bohrer übernommen werden: ein «Spanbrecherprofil» an der Spitze, welches kurze, gekrümmte Späne generiert und ein erweitertes Nutenprofil im hinteren Teil, das genauso wie die massive und konstante Kühlschmierung die Späneausfuhr erleichtert. Notwendig war bei diesen Bohrerlängen aber eine weitere Massnahme, um beim Bohren in die Tiefe einen Anstieg der Kräfte zu verhindern: das Polieren der Nuten. In Summe führen diese Optimierungen dazu, dass ein einziger Bohrstoss genügt, um die volle Bohrtiefe zu erreichen und die Späne problemlos aus den Nuten zu befördern; und das mit hohen Schnitt- und Vorschubgeschwindigkeiten.

Mikron Tool liefert dazu auch ein Beispiel: Ein Hersteller von Dampfventilen aus rostfreiem austenitischen Stahl für Kaffeemaschinen hat mit einem CrazyDrill Cool SST-Inox mit Durchmesser 2,75 mm eine Bohrung in eine Bohrtiefe von 15 × D mit einem einzigen Bohrstoss ausgeführt und dabei mit einem Werkzeug über 100 000 Teile gebohrt. Das sind doppelt so viele, vermeldet das Unternehmen weiter, als vorher möglich waren.

mikrontool.com

Siams Halle 1.2 Stand C19

Sandvik Coromant: Der Weltmarktführer für Werkzeuge und Zerspanungslösungen hat neue Klingen für sein Abstechsystem «CoroCut QD» vorgestellt, die in Kombination mit einer neuen Prozessmethodik die Stabilität des Werkzeugs durch die Neuausrichtung der resultierenden Schnittkraft deutlich verbessern soll. Die Lösung nutzt die Vorteile moderner Drehzentren und Multitasking-Maschinen, um das Werkzeug in Y-Richtung zu führen. Beim neuen Konzept wird die Oberseite der Wendeschneidplatte parallel zum Klingenende positioniert, der Plattensitz wird sozusagen um 90 ° gedreht. Auf diese Weise wird der resultierende Vektor der Schnittkräfte ungefähr auf die Längsachse der Klinge ausrichtet. Dadurch soll die Steifigkeit der Klingen im Vergleich zu Standardausführungen um das Sechsfache erhöht werden, heisst es in einer Mitteilung. Das ermöglicht schnellere Vorschubgeschwindigkeiten oder die Bearbeitung längerer Auskragungen ohne Einbussen in der Stabilität.

Für Nutzer von Multitasking-Maschinen bieten Werkzeuge für die Y-Achse vor allem verbesserte Zugänglichkeit und die Möglichkeit, grössere Durchmesser zu bearbeiten. Tatsächlich, so der Werkzeughersteller, bestätigte ein Vorabtest beim Abstechen einer herkömmlichen Metallstange mit einem Durchmesser von 120 mm die Bearbeitung mit 50 Prozent längeren Auskragungen, und das bei maximalem Vorschub der Wendeschneidplatte. Darüber hinaus ergab der Testlauf eine Produktivitätssteigerung von 300 Prozent, ohne Kompromisse bei der Prozesssicherheit eingehen zu müssen.

Die neuen CoroCut-QD-Schneidköpfe sind in den Breiten 3 und 4 mm erhältlich. Standardlängen werden für Abstechoperationen bis 120 mm Durchmesser angeboten; zusätzlich gibt es eine extra lange, 4 mm breite Klinge für Bearbeitungen bis 180 mm Durchmesser. Ein besonderer Pluspunkt: Konventionelle CoroCut-QD-Werkzeughalter und -Schneideinsätze können mit den neuen Klingen verwendet werden.

sandvik.coromant.com

Siams Halle 1.2 Stand B19

Walter AG: Die umfangsgeschliffenen Wendeschneidplatten des Typs «LNHU» haben sich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Fräsanwendungen vielfach bewährt. Einsetzbar in den tangentialen «Blaxx»-Eckfräsern F5041, F5141 und F5241 sowie in Igelfräsern und einstellbaren Kassettenfräsern, wurden sie sukzessive zur Systemwendeplatte ausgebaut. Jetzt ergänzt die Walter AG die Schneidplattenreihe durch eine neue, gesinterte Variante. Diese zeichnet sich, so Walter, vor allem durch ihre Wirtschaftlichkeit aus. Die neuen LNMU-Wendeschneidplatten mit L55T-Geometrie kommen zunächst in der «Tigertec»-Gold-Sorte WKP35G sowie in den Tigertec-Silver-Sorten WKP25S, WK45S und WKK25 auf den Markt.

Wie die geschliffenen Wendeschneidplatten besitzen auch die umfangsgesinterten jeweils vier Schneiden und zeigen beim Einsatz in den Blaxx-Fräsern laut Walter eine sehr hohe Rund- und Planlaufgenauigkeit. Als weitere Merkmale nennt das Unternehmen den weichen Schnitt dank gedrallter Schneidkanten, hohe Vorschübe und exakte 90 °-Anstellwinkel. Hinzu kommt eine hohe Prozesssicherheit des gesinterten Wendeschneidplattentyps aufgrund der tangentialen Anordnung der Platten im Fräser, heisst es.

walter-tools.com

Siams Halle 1.2 Stand E17

(pi)



Beim Reibsystem DR und DR small kann der Anwender nahezu für jede Zerspanungsaufgabe die optimale Kombination von Substrat, Geometrie und Beschichtung wählen. (Bild: Horn)


Pfiffige Lösung: Der Chip Fan entfernt schnell Späne und Kühlmittel ohne Unterbrechung der Produktion. (Bild: Big Kaiser)


Aufgrund ihres sehr speziellen Designs versprechen die langen Ausführungen des CrazyDrill Cool SST-Inox eine hohe Zuverlässigkeit und lange Standzeiten. (Bild: Mikron Tool)


Die umfangsgesinterten Schneidplatten besitzen jeweils vier Schneiden und zeigen beim Einsatz in den Blaxx-Fräsern eine hohe Rund- und Planlaufgenauigkeit. (Bild: Walter)