Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2018, 12.04.2018

Digitale Transformation im Fokus

Eine grosse Fraktion auf der «Siams» bilden die Werkzeugmaschinenhersteller, die hauptsächlich in den Hallen 1.0 (Zelt), 1.1 und 2.1 lokalisiert sind. Die «Technische Rundschau» stellt ausgewählte Exponate rund um die Werkzeugmaschine vor. Auffallend ist, wie viele Produkte sich bereits dem Internet of Things (IoT) widmen.

Platzhirsch auf der Siams ist die Tornos SA (Halle 1.1, Stand C4/D3), die in Steinwurfweite vom Messegelände residiert. Unter anderem wird die «SwissDeco»-Reihe gezeigt werden. Mit dieser Plattform demonstriert Tornos, wie man sich die Zukunft des Langdrehens vorstellt. Die kompakten Maschinen sind die Nachfolger der Deco- und EvoDeco-Langdrehautomaten und ermöglichen die produktive und präzise Produktion hochwertiger und komplexer Teile. Mit ihren optimierten Programmierwerkzeugen und der angepassten Ergonomie versprechen die Maschinen eine schnellere Programmierung der Teile; auch die Vorbereitung und Einrichtung der Maschinen soll deutlich schneller ablaufen.

Die Maschinen sind für drei Durchmesser lieferbar: 25,4 mm mit oder ohne Führungsbuchse, 32 mm mit Führungsbuchse und 36 mm ohne Führungsbuchse. Alle SwissDeco-Lösungen bauen auf einer gemeinsamen und robusten 36-mm-Plattform auf und wurden mithilfe der Finite-Elemente-Methode (FEM) entwickelt und optimiert.

Die Maschinen verfügen über umfassende Ausstattungsmerkmale und sind daher sofort einsatzfähig. So ist zum Beispiel das Flüssigkeits- und Spanmanagement für eine wartungsfreie Nutzung und schnelle Temperaturstabilisierung integriert. Alle Peripherievorrichtungen befinden sich auf der Rückseite der Maschine. Weitere Optionen wie Ölnebelabsaugung, Späneförderer, Wärmetauscher, Brandschutzsystem, Hochdruckpumpen und Stangenlader lassen sich platzsparend integrieren.

«Bereit für die Zukunft» ist auch die neue «Mikron Mill P 500 U». Die Fräsmaschine der GF Machining Solutions -Tochter Mikron (Halle 1.1, Stand A 10) hat ihre Weltpremiere anlässlich der EMO Hannover 2017 erlebt. Sie ermöglicht laut Unternehmensangaben eine effektive Bearbeitung komplexer Formen sowie harter Werkstoffe bei reduzierten Durchlaufzeiten. Dank ihrer Temperaturstabilität soll eine zuverlässige Präzision auch bei langen Bearbeitungszeiten sichergestellt werden. Die kompakte Maschine erlaubt trotz eines Footprints von nur 12 m2 diverse Automationsmöglichkeiten wie das direkte Rüsten von Paletten auf dem Arbeitstisch oder das Teilehandling per Roboter. Produktivität und Agilität verspricht ebenfalls die Software «JobToolManagement» (JTM)der GF-Tochter System 3R für die Maschine mit integriertem Palettenwechsler. So können über JTM die NC-Programme einfach mittels Drag-and-Drop auf dem Touchscreen bestimmten Palettenpositionen zugewiesen werden.

Produktivität versprechen ebenfalls die intelligenten Module von GF Machining Solutions zum Einstieg in die digitale Transformation wie beispielsweise der Maschinen- und Spindelschutz (MSP) und die modularen «rConnect»-Services einschliesslich «Live Remote Assistance» (LRA).

Mit dem «Speedio M 140  X2»-Bearbeitungszentrum von Brother zeigt die Newemag AG (Halle 1.1, Stand B6) ein vertikales 5-Achszentrum für die Verfahrenskombination von Drehen und Fräsen auf einer Maschine. Hintergrund ist die schlichte Tatsache, dass Werkstücke immer komplexer werden und deshalb eine kombinierte Dreh-Fräsbearbeitung deutliche Zeit- und Qualitätsvorteile bietet: Die Teilekosten sinken und die Werkstücke können passgenauer gefertigt werden, da die Teile in einer Aufspannung bearbeitet werden können.

Für die notwendige Präzision und Schnelligkeit in der Bearbeitung sorgen verschiedene Features wie:

  • Frässpindel mit 19 kW Leistung und 40 Nm Drehmoment
  • Drehachse mit 8,7 kW Leistung und 55 Nm Drehmoment
  • Möglichkeiten der simultanen 5-Achsbearbeitung
  • Highspeed-Gewindefräsen
  • Schnelle Start-Stop-Zeiten bei der Frässpindel von 0,2 s und bei der Drehachse von 0,3 s
  • Highspeed-Werkzeugwechsler mit einer Span-zu-Span-Zeit von 1,4  s.

Ein grosses Programm an Langdrehern bietet die Suvema AG (Halle 1.1, Stand A16/B17). Dazu gehört unter anderem die «Cincom D 25» von Citizen; mehr Werkzeuge hält keine Maschine aus dem Citizen-Portfolio vor: Je nach Ausstattungsoption bietet der Langdreher bis zu 59 Plätze für Drehwerkzeuge, Fräser oder Bohrer. Drei unabhängige Werkzeugsysteme sorgen für schnellen Wechsel und Simultanbearbeitung, mithin wichtige Eigenschaften für den Einsatz in der Medizinaltechnik und bei Automobilzulieferern. Zwölf Achsen, fünf davon simultan einsetzbar, machen den Langdreher laut Hersteller «zum idealen Arbeitspferd für die schnelle und komplexe Zerspanung».

Zudem ist die D 25 dank neuer Mitsubishi-Steuerung. «Meldas M 850 W» bequem zu kontrollieren. Die Steuerung ist mit einem 15-Zoll-Touchscreen mit einer integrierten Tastatur kombiniert. Ähnlich intuitiv wie bei einem Tablet oder Smartphone lässt sich der Bildschirm mit Wisch-, Touch- oder Aufziehbewegungen bedienen, was sowohl für Programmierer als auch Bediener eine Arbeitserleichterung verspricht. Gleichzeitig sorgt eine CNC-spezifische CPU für schnelle Reaktion und Verarbeitungsgeschwindigkeit selbst bei komplexen Programmiervorgängen.

Mit der «Profile Line» bringt die zur United Grinding Group (UGG) gehörende Ewag AG (Halle 1.1, Stand C24/D21) ein hochpräzises und flexibles 5-Achsschleifzentrum für die rationelle und flexible Bearbeitung von auswechselbaren Schneideinsätzen aus Hartmetall. Die Maschine wird in enger Kooperation mit der Schwesterfirma Walter Maschinenbau GmbH gebaut und mit Tooling- sowie Softwarekompetenz von Ewag AG veredelt. Ein integrierter 6-fach-Scheibenwechsler mit eingebundener Kühlmittelzuführung sichert die richtige Werkzeugwahl und steht zugleich für ein optimales Zerspanvolumen der Werkzeugrohlinge. Ein weiteres Highlight für den autonomen Mehrschichtbetrieb, heisst es, stellt die flexible Automation mit einem 6-Achs-Fanuc-Roboter dar. Kundenspezifische Paletten können in der bedienerfreundlichen Roboterzelle aufgenommen werden. Optional ist ein hochauflösendes Visionsystem für die Beschickung von Rasterpaletten mittels Magnetgreifer erhältlich. Ergänzend dazu liefern die Software «ProGrind» von Ewag gepaart mit «Helitronic Tool Studio» von Walter die notwendige Softwareunterstützung, um schnell und flexibel zum wirtschaftlichen Schleifergebnis zu kommen.

Ebenfalls ums Schleifen, allerdings in der Ausprägung Oberflächenfeinbearbeitung, also Polieren, kümmert sich die Otec GmbH, die auf dem Stand der Springmann SA (Halle 1.1, Stand C1/C2) vertreten ist. Otec hat in mehrjähriger Arbeit spezielle Prozessparameter für das Schleppfinish- und das Tellerfliehkraftverfahren entwickelt, mit denen die besonderen Anforderungen der medizinischen Implantatherstellung erfüllt werden können.

Bei Hüft- und Kniegelenken beispielsweise ist eine homogene, sehr glatte, hochglanzpolierte Oberfläche der Kontaktflächen erforderlich. Der Oberflächenspezialist hat hier einen speziellen Trockenbearbeitungsprozess für das Schleppfinishing entwickelt. Dabei werden die Werkstücke in passende Halterungen aufgespannt und in mehreren Bearbeitungsschritten durch geeignete Schleif- und Poliermedien gezogen. Das Aufspannen verhindert eine Beschädigung der Werkstücke untereinander. Entscheidend für das Bearbeitungsergebnis ist der optimale Aufspannwinkel. Damit können Ra-Werte von 0,03 μm erreicht werden.

Die Intool AG (Halle 1.2, Stand B5) ist unter anderem ein Spezialist für Automatisierungslösungen rund um die Werkzeugmaschine bekannt. Im Portfolio befindet sich auch das roboterunterstützte Be- und Entladesystem «RoboCart» als eine kostengünstige Roboterautomatisierung, die speziell auf die Bedürfnisse der flexiblen Fertigung von kleinen Losen ausgelegt ist. Das System besteht im Wesentlichen aus einem kollaborativen Roboter (Cobot), montiert auf einem mobilen Roboterwagen. Dieser 6-Achsroboter benötigt keine Sicherheitsumhausung. Ein Universalgreifer (Einfach- oder Doppelgreifer) dient zum Greifen von Rohlingen mit unterschiedlichsten Geometrien. Das Teachen des Roboters geschieht über ein einfaches Bedienpanel. Es stehen drei verschiedene Modelle zur Wahl, welche alle auf dem gleichen kompakten Roboterwagen basieren. Das RoboCart-L-Modell besitzt einen Arbeitsradius von 1300 mm und eine Nutzlast von 10 kg inklusive Greifer; das M-Modell verfügt über einen Arbeitsradius von 850 mm und eine Nutzlast von 5 kg inklusive Greifer, während das S-Modell einen Arbeitsradius von 500 mm abdeckt und brutto eine Nutzlast von 3 kg bewegen kann.

Der Schaltschrank als elektrisches Herz der Werkzeugmaschine ist die Domäne der Rittal AG (Halle 1.1, Stand E11.1). Mit einem neuen IoT-Interface schafft der Hersteller jetzt die Grundlage für eine Integration von Kühlgeräten und Chillern in Industrie-4.0-Anwendungen. Konnten bislang praktisch nur Betriebsstunden und die aktuelle Temperatur im Inneren des Schaltschranks erfasst werden, liefern moderne Geräte wie die neuen Kühlgeräte und Chiller der Serie «Blue e+» von Rittal eine Vielzahl an Messwerten und Informationen. Dazu zählen die Temperaturen innerhalb und ausserhalb des Schaltschranks, Verdampfer- und Verflüssigertemperatur und die Messwerte zusätzlicher im Schaltschrank platzierter Sensoren.

Um aus dieser grossen Datenmenge Mehrwert zu generieren, müssen diese für übergeordnete Systeme zur Verfügung stehen. Für eine nahtlose Kommunikation der Daten bietet Rittal jetzt das neue IoT-Interface an, mit denen die Kühlgeräte und Chiller zu IoT-fähigen Geräten werden. Das IoT-Interface kann entweder auf einer Hutschiene oder direkt am Kühlgerät oder Chiller befestigt werden. Als Protokolle werden OPC-UA, Profinet, SNMP, Modbus und CANOpen unterstützt. Eine Parametrierung oder Konfiguration über das IoT-Interface ist ebenfalls möglich. Die Informationen aus den Geräten können auch in cloudbasierten Systemen für umfangreiche Analysen verwendet werden. (pi)

ewag.com Halle 1.1 Stand C24

gfms.com Halle 1.1 Stand A10

intool.ch Halle 1.2 Stand B5

newemag.ch Halle 1.1 Stand B6

rittal.ch Halle 1.1 Stand 11.1

springmann.ch Halle 1.1 Stand C1/C2

suvema.ch Halle 1.1 Stand A16/B17

tornos.com Halle 1.1 Stand C4/D3



Noch ist alles geheimnisvoll verpackt: Die Siams öffnet vom 17. bis 20. April in Moutier ihre Pforten. (Bild: Siams)


Mit der SwissDeco-Reihe blickt Tornos auf die Zukunft der Langdreher. (Bild: Tornos)


Drehen und Fräsen in einem Prozess und auf einer Maschine: Die Speedio M 140  X2. (Bild: Brother)


Rationell und flexibel: Die Profile Line schleift Schneideinsätze aus Hartmetall. (Bild: Ewag)


Einfache Automatisierung: Das Be- und Entladesystem RoboCart wird von einem kollaborativen Roboter dominiert. (Bild: Intool)


Rekordverdächtig: Die Cincom D 25 kann auf 12 Achsen mit bis zu 59 Werkzeugen zerspanen. (Bild: Citizen)


Das IoT-Interface schafft die Grundlage für eine Intergration von Schaltschrankkühlgeräten in die digitale Welt. (Bild: Rittal)