Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2018, 12.04.2018

In der Königsklasse angekommen

Die Formel 1 ist Synonym für ultimative Spitzentechnologie. Die Teams arbeiten ständig an den Boliden und realisieren manchmal innert Wochenfrist Neuerungen – und das bei Hochleistungsmotoren, die 15 000 min-1 und 900 PS abdrücken. Klar, dass dies auch für Lieferanten extrem kurze Lieferzeiten bei absoluter Topqualität bedeutet.

Ein solcher Lieferant ist die Firma OEB S.r.l. in Camposanto in der Nähe von Modena. Die Region ist die Geburtsstätte der italienischen Auto- und Motorradkultur. Nirgendwo ist die Dichte exklusiver Motorenwerke so hoch wie in der Emilia-Romagna. Hier gründete Orfeo Manzini, der Vater des heutigen Geschäftsführers, zusammen mit einem Partner 1972 eine eigene Firma. Zunächst auf Verpackungsmaschinen spezialisiert, fokussierte man mit der Zeit immer mehr auf die Herstellung von hochpräzisen Motorenteilen für den Motorrennsport. Seit über 20 Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit als Präzisionszulieferer für diverse namhafte Formel-1- und Motorradteams. Die betreffenden Aufträge machen rund zwei Drittel des Umsatzes aus. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen erfolgreich als Hersteller für die Bereiche Medical sowie Luft- und Raumfahrt. Die rund 40 Mitarbeiter zählende Firma verfügt über Qualitätszertifizierungen, einen hochmodernen Maschinenpark und eine Top-Infrastruktur.

OEB bearbeitet in erster Linie Stahl, Titan und Aluminium. Den extremen mechanischen Belastungen in der Formel 1 genügen nur hochwertige Werkstoffe. Die Eckpunkte der Produktion: hohe Genauigkeit, viele Prototypen, technisch sehr anspruchsvolle Bauteile sowie die Fertigung von Einzelteilen und Kleinserien. Die Aufträge erfolgen meist sehr kurzfristig und fordern schnelle Lieferzeiten. Dementsprechend setzt man bei OEB alles daran, die Prozesse möglichst kurz und direkt zu halten. Damit OEB die 3D-Modelle schnellstmöglich erhält, ist die CAD/CAM-Abteilung bei wichtigen Kunden direkt als Schnittstelle in die Ingenieursabteilung eingebunden.

Diese Herausforderungen setzen nicht nur einen absolut modernen Maschinenpark voraus, sondern auch einen hohen Grad an Automation. Hier kommt Erowa ins Spiel. Wie in vielen anderen Fällen, begann die Partnerschaft mit Spannsystemen: Im Jahr 2000 hat OEB das «MTS»-Nullpunktspannsystem eingeführt. Bereits 2003 nahm man den ersten Roboter in Betrieb, einen Erowa «Robot Easy». Später gesellte sich ein «Robot Compact» dazu. 2016 wurden zusätzlich zwei «Robot Compact 80» inklusive Prozessleitsystem «Manufacturing Control V3» – alles von Erowa – angeschafft. «Wir profitieren vor allem davon, dass gegenüber dem Vorgängermodell des Robot Compact das Transfergewicht von 30 auf 80 kg erhöht wurde», sagt Alessandro Manzini, Ingenieur und Geschäftsführer der Firma. «So können wir ein viel grösseres Teilespektrum bearbeiten.»

Inzwischen werden vier von fünf automatisierten Fertigungsmaschinen bei OEB von Erowa-Robotern bedient. Zusammen mit den Werkstückspannsystemen «ITS», «PC 210» und «UPC» ergibt sich eine präzise Durchgängigkeit auf allen Maschinen, dazu schnelles Umrüsten und so deutlich kürzere Produktionszeiten. «Das ist wichtig, denn unsere grosse Herausforderung besteht darin, die Fertigung von Einzelteilen und kleinen Serien mit hoher Produktivität und Termintreue in Einklang zu bringen», sagt Manzini.

Dabei spielt das Prozessleitsystem eine entscheidende Rolle. Es steigert die Autonomie der Maschinen und ermöglicht es, die Fertigungsaufträge flexibel und nach Priorität zu bearbeitet. Die Werkstückträger sind mit dem «Ewis»-Chip-Identifikationssystem ausgestattet, auf dem die benötigten Voreinstell- und Bearbeitungsdaten, Magazinplatzzuweisungen sowie Fertigungsprogramme abrufbar zugeordnet sind. Das Datenhandling übernimmt ebenfalls das Prozessleitsystem, das auch die Werkzeugliste der Maschine prüft und abgleicht. «Die Standzeitkontrolle der Werkzeuge und die Ausgabe entsprechender Warnungen sind bei der Bearbeitung von hochwertigen Werkstoffen besonders wichtig», weiss Alessandro Manzini.

Der nächste Schritt ist bereits in Planung: «Wir werden das Prozessleitsystem in unser ERP-System integrieren», erklärt er. «Wenn die Systeme auf allen Ebenen kommunizieren, haben wir jederzeit Zugriff auf alle Daten, und die Planung kann weiter perfektioniert werden. So wird unsere smarte Fertigung noch effizienter.» (msc)

OEB S.r.l.
941031 IT-Camposanto, Tel. +39 0535 419800
info@oebsrl.it

Erowa AG
6233 Büron, Tel. 041 935 11 11
info@erowa.com

Siams Halle 1.2 Stand D6



Der Erowa Robot Compact 80 meistert bis zu 80 kg Transfergewicht und bietet grosse Magazinkapazität für eine gemischte Magazinbelegung. (Bilder: Erowa)


«Das Herstellen von Einzelteilen in höchster Qualität ist eine unserer grossen Stärken», erklärt Alessandro Manzini von OEB.