Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Automatisierung: Ausgabe 01/2019, 25.01.2019

Automatisierung «Der Markt braucht neue Impulse»

Hausmessen haben sich totgelaufen. Davon ist Stefan Deak, Geschäftsführer der Reimmann AG, überzeugt. Deshalb hat er im vergangenen Herbst zusammen mit einer Reihe von Partnern in seinen Räumlichkeiten einen neuen Ansatz gewählt, um potentielle Kunden zu erreichen. Seine Initiative greift jedoch weiter: Er ist der Meinung, dass nur die weitgehende Automatisierung die Industriearbeitsplätze in der Schweiz halten kann.

Autor: Markus Schmid; Redaktion Technische Rundschau

Herr Deak, was war die Idee hinter Ihren Ende Oktober erstmals veranstalteten Tech-Net-Tagen?
Wir wollten einmal etwas anderes machen als eine klassische Hausmesse. Wir meinen, dass sich diese Hausmessen ein wenig totgelaufen haben, und verfolgen einen neuen Ansatz. Einfach nur bei Kaffee und Gipfeli eine Maschine anschauen, die dasteht, zieht nicht mehr. Wir, also das Team der Reimmann AG, haben zusammen mit unseren Partnern Bachmann Engineering, Blaser Swisslube, Dihawag, StuTech, Vischer & Bolli, Walter sowie X-Data das Thema vernetzte 5-Seiten-Bearbeitung aufgearbeitet. Bestimmte Aspekte davon stellten wir den Besuchern an fünf Tagen in einer Reihe von sechs Referaten vor. Dabei ging es nicht primär um unsere Produkte und Angebote. Der Besucher sollte daraus das für ihn passende Know-How beziehen können.

Sie zeigten also keine Maschinen?
Doch, wir stellten auch auf den Maschinen dar, wie eine solche Bearbeitung aussehen kann und wie man sie auf verschiedene Arten und mit unterschiedlichem Aufwand automatisieren kann. Aber unser primäres Ziel war nicht eine Maschinen-Show. Das interessiert heutzutage den Kunden nicht mehr sonderlich. Der Event war angelegt als Seminar, wir nennen es «Work Event», der auch Themen wie den Datentransfer aufgreift. Nach dem Referat konnte man sich die konkrete Installation unten in der Halle life vorführen lassen inklusive der vernetzten und voreingestellten Werkzeuge.

Wie beurteilen Sie die Kundenresonanz auf dieses Format?
Wir sind sehr zufrieden, hatten auch im Vorfeld schon viele Anmeldungen. Wir sahen aber auch anhand der speziell für diese Tage zwecks optimierter Logistik eingerichteten Anmeldungs-Homepage, dass die Leute heute Mühe bekunden, sich auf einen fixen Termin festzulegen. Aber eigentlich setzten wir gar nicht so stark auf die Quantität, sondern auf die Qualität bei den Besuchern. Die, die uns besuchten, wiesen alle irgend einen konkreten Bedarf aus. Das Spektrum reichte von der Spann- oder Werkzeugproblematik bis hin zur Frässtrategie. So konnten wir qualitativ hochstehende Kontakte generieren.

Wie lautet Ihr Fazit zu diesen ersten Tech-Net Tagen? War die Aktion ein einmaliger Anlass oder haben Sie weitere Pläne?  
Die Idee war von Beginn weg, dass wir dieses Konzept weiter verfolgen und bei gutem Gelingen in regelmässigen Abständen wiederholen wollten. Rückblickend sind wir so zufrieden, dass wir – alle Partner zusammen – die Tech-Net-Tage 2019 erneut durchführen werden.

Haben Sie konkrete Vorstellungen, wo die Reise hinführen soll?
Wir haben einige Ideen, wie wir das Konzept ausbauen könnten, aber die möchte ich noch nicht verraten. Erst müssen wir die aktuelle Veranstaltung verarbeiten und auswerten. Im Grunde genommen wollen wir unseren Kunden möglichst gut unterstützen in seinen Bemühungen sein Geld zu verdienen. Dabei geht mein Blick auch nach Holland und Deutschland, wo ich langjährige Geschäftsbeziehungen pflege. Dabei stelle ich fest, dass man uns dort was die Automatisierung anbelangt um mehrere Jahre voraus ist. Ich bedauere dies, denn schliesslich wollen wir alle den Werkplatz Schweiz erhalten. Einerseits sind dies unsere Kunden, andererseits ist er für die Gesamtwirtschaft hierzulande wichtig. Um das zu erreichen, müssen wir die Kosten pro Stunde Spindellaufzeit reduzieren. Das schaffen wir nur, wenn es uns gelingt, vermehrt ein paar Stunden über die normalen Schichten hinaus mannlos weiter zu produzieren. Auch wenn ein Auftrag nicht für eine ganze Zusatzschicht reicht, ist damit schon viel gewonnen. Wenn man es nur schon schafft, in einer Einstiegsautomatisierungslösung mit dem Roboter die Maschine an vier bis fünf Tage pro Woche jeweils drei bis vier Stunden mit Arbeit zu füttern, ist diese Automatisierungslösung innert rund eineinhalb Jahren amortisiert. Ich kenne keine andere Investition, die sich so schnell auszahlt. Bei jeder neuen Maschine dauert das viel länger. Und keiner unserer Kunden, der eine solche Lösung gewählt hat, bereut es. Wir müssen noch viel mehr in die Richtung unternehmen, damit der Kunde mehr Geld verdient. So tun wir aktiv etwas dafür, dass der Werkplatz Schweiz weiter existiert.

Sie haben den Schweizer Rückstand gegenüber unseren Mitbewerbern angesprochen. In welchem Teilbereich stellen Sie die markantesten Defizite fest?
Dort ist schlicht jede einzelne Maschine irgendwie automatisiert. Das Gegenargument in der Schweiz lautet jeweils: Unsere Serienumfänge sind dafür zu klein. Dabei wird übersehen, dass es clevere Lösungen gibt, mit denen sich auch Klein- und Kleinstserien handhaben lassen. Letztlich ist der Schweizer Fertiger mit seinen Maschinenstundenansätzen einem gesamteuropäischen oder sogar weltweiten Konkurrenzkampf ausgesetzt. In der Schweiz aber wird eher eine zusätzliche Maschine beschafft als eine Automatisierung für den bestehenden Maschinenpark. Das ist jedoch immer die teurere Lösung, denn damit habe ich vereinfacht gesagt meine Kosten pro Stunde Spindellaufzeit bezogen auf diese eine Lösung beziehungsweise Maschine schlicht verdoppelt. Wir müssen vermehrt in diese Richtung denken. Es liegt aber auch an uns im Maschinenhandel, mit unseren Kunden diese Problematik vermehrt zum thematisieren.

Welches noch nicht angesprochene Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?
Wir stellen alle fest, dass sich in diesem Jahr gerade die Schweizer Messelandschaft neu ausrichtet. Ich blicke mit Spannung auf diese Entwicklung und auf die Richtung, in die sie führt. Letztlich geht es darum, dass der Messebesucher Informationen dazu erhält, wie er seine zukünftigen Produktionsmittel auswählen soll. Welche Bedeutung hat vor diesem Hintergrund eine grosse nationale Messe? Welche Bedeutung hat eine Hausmesse? Welche das Internet? Was ist mit dem Aussendienst? Vieles verändert sich gerade in dieser Zeit, und ich stelle fest, dass sich der Kunde heute auf einem ganz anderen Informationsniveau bewegt als noch vor 15 Jahren. Er weiss bereits sehr viel, wenn er zu uns kommt, hat sich schon vorgängig mit diversen Fragen beschäftigt. Genau dises verlangt von uns neue Ansätze.

reimmann.ch



Stefan Deak, Geschäftsführer der Reimmann AG, will seine Kunden mit neuen Kommunikationsansätzen erreichen. (Bild: Reimmann)