Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2019, 25.01.2019

Künstliche Intelligenz pusht Blechbearbeitung

Wie man sich bei Trumpf die digitale Transformation vorstellt, demonstrierte der Laser- und Blechbearbeitungsspezialist eindrucksvoll auf der letzten Messe «EuroBlech»: Produktivitätssprünge sind nicht mehr die Folge höherer Laser- oder Maschinenleistungen, sondern basieren auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Es hört sich ganz nach einem Paradigmenwechsel an: Während früher immer schnellere Stanzhübe und immer mehr Laserleistung die Garanten für die Produktivitätssteigerung in der Blechfertigung waren, steht heute die digitale Transformation stellvertretend für Effektivität und schnellere Durchlaufzeiten. So präsentierte Trumpf auf der EuroBlech 2018 (23.–26.10.2018, DE-Hannover) zahlreiche Lösungen für digital vernetzte Anwendungen in der Blechbearbeitung, die Fertigungsprozesse vereinfachen und effizienter machen sollen. «Unsere Maschinen agieren immer eigenständiger und entlasten die Mitarbeiter bei vielen Tätigkeiten. Das geht nur mit einer vernetzten, intelligenten Produktionsumgebung. Mit ihrer Hilfe gelingt es uns, die Produktivität zu steigern und so die Wettbewerbsposition unserer Kunden zu sichern. Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel dafür», sagt Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen bei Trumpf.
Es bringe kaum noch etwas, auf immer noch höhere Laserleistung zu setzen. Es gehe vielmehr um den vernetzten Maschinenpark und die der eigentlichen Produktion vor- und nachgelagerten Prozesse. Dort und durch intelligente Datenauswertung lassen sich die grössten Produktivitätsgewinne erzielen. Bereits heute hat Trumpf durch zahlreiche Assistenzsysteme in seinen Maschinen den Grundstein für die autonome Fabrik gelegt.
Ein Beispiel dafür ist «Smart Collision Prevention» beim Laserschneiden. Die Funktion kalkuliert bereits bei der Programmierung kippende Teile mit ein. Sie entwirft eine Abarbeitungsstrategie, die Kollisionen mit dem Schneidkopf vermeidet. Auch andere Maschinenfunktionen steuern die Prozesse selbstständig, etwa die sogenannte «Smart Noz­zle Automation». Diese Funktion inspiziert regelmässig die Düse und wechselt sie gegebenenfalls automatisch aus, wenn sie beschädigt ist.
Aber es geht noch mehr. Beim Laservollautomaten «TruLaser Center 7030» beispielsweise läuft von der Programmierung bis hin zum Sortieren der Teile sogar alles automatisiert ab. «Durch intelligente Datenanalyse verbessern wir bei dieser Maschine bereits heute die Prozesse. Mithilfe von Kundenrückmeldungen in Form von Daten perfektionieren wir die Anlage kontinuierlich. Künstliche Intelligenz ist die nächste Stufe der Industrie 4.0», sagt Thomas Schneider, Geschäftsführer Entwicklung Werkzeugmaschinen bei Trumpf.
Ein Beispiel ist die Entladeeinheit der Maschine. Die Pins, die das Blech aus dem Restgitter nach oben heben, sorgen dafür, dass Sauger die Teile prozesssicher entnehmen können. Gelingt das den Pins nicht auf Anhieb, leitet die Maschine selbständig einen neuen Entnahmezyklus ein. Den wiederholt sie wenn nötig auch mehrmals hintereinander, damit es funktioniert. Diese sogenannten «Retry»-Versuche verarbeitet die Maschine und lernt aus ihnen.
Vernetzung heisst für Trumpf aber auch, dass interne logistische Prozesse besser in den Fertigungsprozess eingebunden werden. So präsentierte man im Rahmen der Industrie-4.0.-Vorzeigefabrik eine vernetzte Intralogistiklösung, die bereits bei ausgewählten Kunden erfolgreich getestet wurde. Sie verbessert die logistischen Prozesse, die im Inneren der Produktionshalle ablaufen, zum Beispiel den Weg der Teile von einer Bearbeitungsstation zur nächsten.
Dazu sagt Thomas Schneider: «Testkunden sparen mitunter fünfstellige Summen durch den Einsatz unserer Indoor-Lokalisierung, indem sie ihre Suchzeiten verringern und ihre Aufträge klug priorisieren können.» Der Grund: Die Losgrössen der Aufträge sinken, die Aufträge im Verlauf der gesamten Fertigung zu überblicken, fällt Blechfertigern zunehmend schwerer. Gleichzeitig möchten ihre Kunden wissen, wie es um die Bestellung steht – ganz wie sie es aus dem Online-Handel gewohnt sind. «Mit der Indoor-Lokalisierungslösung bringen Trumpf-Anwender Ordnung in ihre Fertigung», weiss Thomas Schneider, «und können diesen Ansprüchen gerecht werden.» (pi)

trumpf.com



Smarte Pins: Über sogenannte Retry-Versuche verarbeitet die Maschine Daten und lernt aus ihnen. (Bilder: Trumpf)


Das Prinzip der Künstlichen Intelligenz: Aus Daten lassen sich Prozessverbesserungen ableiten und auf alle Maschinen weltweit aufspielen.