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Der Trendreport: Ausgabe 01/2019, 25.01.2019

Konjunktur 2019: Die Stimmung ist nach wie vor blendend

2018 war ein gutes bis sehr gutes Jahr für die Schweizer MEM-Branche. Das zeigt zumindest die jährliche Konjunkturumfrage der «Technischen Rundschau» bei den wichtigsten Branchenverbänden. Auch für 2019 werden gute Geschäfte erwartet, wenn auch – zumindest teilweise – mit einem eher abflachendem Verlauf.

Autor: Wolfgang Pittrich, Chefredaktor Technische Rundschau

Marcel Menet, Giesserei-Verband der Schweiz (GVS)
«Für 2019 rechnen wir mit leichtem Wachstum»

Konjunkturverlauf 2018 

Der Wettbewerbsdruck ist für die Schweizer Giessereiindustrie im vergangenen Jahr nicht geringer geworden. Unsere Mitglieder wussten jedoch den weltweit brummenden Konjunkturmotor für sich zu nutzen und überzeugten mit Zuverlässigkeit, Liefertermintreue und Qualität. Dank Spezialisierung auf die Entwicklung technologisch hochkomplexer Gussteile in Verbindung mit steigender Automation konnte die Marktstellung innerhalb Europas gefestigt und damit die Produktion um rund zwei Prozent erhöht werden. Erfreulich entwickelte sich vor allem die Nachfrage aus der Automobil-, Nutzfahrzeug- und Flugindustrie, aber auch im Anlagen- und Maschinenbau sowie in der Energietechnik konnten Neugeschäfte generiert werden. Die hierzulande flexibleren Arbeitszeitmodelle versetzten die Schweizer Giessereien zudem in die Lage, im Vergleich zur europäischen Konkurrenz häufig schneller und individueller massgeschneiderte Kundenwünsche erfüllen zu können.

Konjunkturausblick 2019 
Für das laufende Jahr rechnen wir mit einem leichten Wachstum. Die zu erwartenden Produktionsauslastungen für 2019 gestalten sich bei vielen Mitgliedsunternehmen positiv. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der anhaltende Handelsstreit oder andere politische Einflüsse die im Herbst ausgewiesene leichte konjunkturelle Abkühlung verstärken werden.

Herausforderungen
Die Unternehmen müssen sich weiter international ausrichten und auf gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter setzen. Deshalb bietet die Schweizer Giessereiindustrie attraktive Berufsbilder mit guten Zukunftsperspektiven an. Weitere Kriterien für eine erfolgreiche Zukunft sind optimierte Prozesse, Entwicklung und Einsatz besserer Technologien, schnellere Durchlaufzeiten, Prototyping, Spezialisierung, Simulation und Einsatz guter ERP-Systeme. Zum Erhalt der Innovationskraft werden deshalb nahezu an allen Standorten laufend Investitionen in Millionenhöhe getätigt.

Digitale Transformation
Die Digitalisierung spielt auch in der Giessereiindus­trie eine bedeutende Rolle. Mit unseren gut ausgebildeten Fachkräften und den zahlreichen Forschungseinrichtungen in der Schweiz bietet die digitale Transformation für unsere Firmen gar die Chance, Taktgeber der Branche zu werden. Wichtige Themen sind beispielsweise intensiver genutzte Predictive Maintenance oder Augmented Reality inklusive Remote Service, um Anlagenverfügbarkeiten zu steigern und den Einsatz von Spezialisten zu optimieren.
Und ein zentrales Thema ist die erwähnte Prozessoptimierung. Die Vernetzung der Produktionsanlagen dient nicht nur der Visualisierung der gesamten Wertschöpfungskette, sondern ermöglicht deren gesamtheitliche Optimierung. Darüber hinaus werden digitalisierte Prozesse wie zum Beispiel das Electronic Data Interchange in der Giessereiindustrie bereits heute angewendet, wobei die Vernetzung mit den ERP-Systemen der Kunden Voraussetzung ist.

Jürg Marti, Swissmechanic
«Fast alle sind mit den Umsätzen sehr zufrieden»

Konjunkturverlauf 2018 
Der Verband Swissmechanic führt in jedem Quartal eine Umfrage bei den Mitgliedern über den Geschäftsgang und die Perspektiven durch. Dabei ergibt sich grossmehrheitlich ein positives Bild. Fast alle sind mit den Umsätzen sehr zufrieden. Die Ertragslage wird etwas zurückhaltender beurteilt, was wohl eine Folge der Margenerosion in der jüngeren Vergangenheit ist. Auftrags- und Beschäftigungslage scheinen auf hohem Niveau stabil zu sein.

Konjunkturausblick 2019 
Die letzten Zahlen, die uns vorliegen, betreffen das dritte Quartal 2018. Da sind die KMU der MEM-Branche durchaus zuversichtlich für die nächste Zukunft. 72 Prozent erwarten im Inland für das laufende Quartal einen unveränderten Geschäftsverlauf, zwölf Prozent gar einen besseren. Allerdings war mit 16 Prozent der Anteil jener, die mit einer rückläufigen Geschäftsentwicklung rechnen, schon längere Zeit nicht mehr so hoch. Die Zurückhaltung ist hier eher dem aktuell hohen Niveau denn einer erwarteten Trendwende bei der MEM-Konjunktur geschuldet.

Herausforderungen
Das sind einerseits die technische Transformation und die Digitalisierung. Hier müssen sich die Unternehmen mit ihren Produkten oder Angeboten den neuen Herausforderungen stellen. Zudem gilt es, die internen Abläufe den neuen Gegebenheiten anzupassen. Das kann weitreichende Konsequenzen für das Unternehmen selbst, aber auch für bestehende Geschäftsmodelle haben. Swissmechanic kann die Branche mit Seminaren und Weiterbildungsangeboten auf diesem Weg begleiten, kann sie für diesen wichtigen Prozess sensibilisieren und Entscheidungshilfen für die Protagonisten anbieten. Anderseits sieht sich die Branche mit einem Mangel an Fachkräften konfrontiert, der wirtschaftliches Wachstum behindert. Hier muss der Verband mit Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten, aber ­auch mit mutigen und originellen Arbeitsmarktideen Unterstützung leisten.

Digitale Transformation
Dieser Prozess ist bereits angelaufen und ist für den Werkplatz Schweiz von enormer Bedeutung. Er bietet Möglichkeiten für weitere Effizienzsteigerungen, Raum für Innovation und verlangt allenfalls auch neue Geschäftsmodelle. In letzter Konsequenz wird die digitale Transformation gar Auswirkungen auf das soziale Gefüge im Unternehmen haben. Die Mitgliedsfirmen von Swissmechanic sind als KMU agil und flexibel genug, um sich aus dieser Entwicklung Vorteile zu verschaffen.

Ivo Zimmermann, Swissmem
«2019 dürfte es zu einer Abflachung kommen»

Konjunkturverlauf 2018 
Die Geschäftsentwicklung in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) war erfreulich. In den ersten neun Monaten 2018 haben sich sowohl die durchschnittlichen Umsätze wie auch die Auftragseingänge und Exporte teils markant erhöht.

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Aus Sicht Swissmem dürfte es im Verlauf des Jahre 2019 zu einer Abflachung der Geschäftsentwicklung kommen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Erwartungen der Unternehmer der MEM-Branche. Gemäss der jüngsten Swissmem-Befragung geht rund die Hälfte der Betriebe in den kommenden 12 Monaten von einem konstanten Auftragseingang aus dem Ausland aus. Jeder fünfte Unternehmer erwartet jedoch einen Rückgang der Bestellungen.

Herausforderungen
Es dreht sich grundsätzlich stets um die gleiche Frage: Wie bleibe ich im Hochlohn- und Hochkostenland Schweiz international wettbewerbsfähig? Dies wird sich akzentuieren, sobald sich die Konjunktur international abkühlt. Die besten Antworten darauf lauten wohl: innovationsfähig und agil bleiben.  Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, zumal die Digitalisierung zu einer Vielzahl von zusätzlichen Herausforderungen führt wie Datenverkehr, Cyber Security und interdisziplinären Technologien

Digitale Transformation
Die Digitalisierung wird die Industrie in den nächsten Jahren spürbar verändern. Für die Betriebe ist sie somit Chance und Herausforderung zugleich. Die Ausgangslage ist grundsätzlich gut. Die Schweizer Industrieunternehmen sind bereits heute hoch automatisiert und «lean». Wenn die Transformation gelingt, wird der Werkplatz Schweiz auch künftig international wettbewerbsfähig bleiben.

Roland Steinemann, swissT.net
«Brauchen weitere Impulse, um die Produktivität weiter zu verbessern»

Konjunkturverlauf 2018 
SwissT.net ist der Schweizer Technologieverband, unsere Mitglieder sind in zahlreichen Subbranchen tätig. Dadurch fällt eine Konjunktureinschätzung oft auch sehr differenziert aus. Zusammenfassend für 2018 kann aber eigentlich für alle Bereiche eine gute konjunkturelle Verfassung der Märkte festgestellt werden. Da die Lage beispielsweise der MEM-Industrie nach wie vor als erfreulich eingeschätzt wird, gehe ich davon aus, dass das ganze 2018 als gutes Jahr abschliessen wird.

Konjunkturausblick 2019 
Hier zeigt sich eine recht breite Spanne der Erwartungen. Genaueres zum Stimmungsbild wissen wir nach der Barometerbefragung im Januar. Erste Zeichen wie der Auftragseingang der MEM-Industrie oder die Konjunkturprognosen der wichtigsten Absatzländer liefern den «vorsichtig Optimistischen» gute Argumente. Und dass nach Jahren des Wachstums diese Dynamik etwas abflacht überrascht wenig, ja liegt eigentlich auf der Hand

Herausforderungen
Ganz generell müssen wir lernen, mit Margen auszukommen, mit denen vor einigen Jahren ein Unternehmen langfristig nicht überleben konnte. Wir brauchen dringend weitere Impulse, um die Produktivität weiter zu verbessern – nicht nur in der Produktion –, gerade auch in den «Sekundärprozessen». Ich glaube, viele Unternehmen haben das im Grundsatz erkannt. Manche erliegen aber, und das ist meine persönliche Einschätzung, der Versuchung, die gleichen Strukturen und Abläufe zu erhalten, aber diese zu verbilligen. Meine Erfahrung zeigt aber eher, dass Abläufe und Prozesse, aber auch einzelne Outputs daraus, eher grundsätzlich hinterfragt werden sollten. So frei aus der Lean-Anleitung: «Was der Kunde nicht bezahlt, ist Verschwendung und somit abzuschaffen.» Ich denke, wir alle sind gefordert, Veränderungen nicht nur zuzulassen, sondern aktiv anzutreiben.

Digitale Transformation
Spielt eine sehr wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Bei vielen der Rahmenbedingungen haben wir bereits gute Karten. Mit der Digitalisierung werden quasi einige der anderen Karten neu gemischt und verteilt. Bei hochautomatisierter Produktion oder Hightech-Fertigung sind wir bereits sehr gut aufgestellt. Und dank den Konzepten von Industrie 4.0 wird es möglich sein, auch kleine Stückzahlen mit einem hohen Automatisierungsgrad herzustellen. Das hilft uns in der Schweiz und in anderen Hochlohnländern, diese Produktion zu behalten und in einigen Fällen sogar zurückzuholen. Auf der anderen Seite müssen wir uns aber auch bewusst sein, dass auf sehr grosse Stückzahlen ausgelegten Anlagen lernen können, auch kleine Stückzahlen zu produzieren. Generell gilt auch hier: Wir müssen Transformationen schnell annehmen und aktiv umsetzen. Wir sollten nicht vergessen, dass unser hoher Lebensstandard zumindest teilweise darin begründet liegt, dass wir schon die erste industrielle Revolution von England kommend, und damals aus der Not heraus, sehr schnell angenommen und umgesetzt hatten.

Pirmin Zehnder, tecnoswiss, Gruppe Metall
«Wir sehen nach wie vor optimistisch ins 2019»

Konjunkturverlauf 2018 
Nachdem im 2017 schon eine Belebung stattgefunden hat, brachte dieses Jahr nochmals eine stattliche Steigerung in der Nachfrage. Da bereits mehrere Jahre auch der Weltmarkt «brummt», hat sich dies in einer massiven Verlängerung der Liefertermine ausgewirkt. Den Anspruch der markant gestiegenen Produktionsziele unter diesen Voraussetzungen umzusetzen, war und ist immer noch eine grosse Herausforderung.

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Die Wirtschaftsprognosen deuten zwar auf eine konjunkturelle Normalisierung hin, der Nachholbedarf zur Kapazitäts- und Produktivitätssteigerung bleibt aber aktuell ungebrochen. Daher sehen wir nach wie vor optimistisch ins 2019.

Herausforderungen
Der Markt wird sich weiter sehr zyklisch entwickeln. Dies setzt hohe Ansprüche an unsere Verfügbarkeit. Optimierte Arbeitszeitmodelle zur Bewältigung der zyklischen Nachfrage sind gefragt. Die Rekrutierung von Fachkräften bleibt auch ein wichtiges Thema. Alle Partner sind gefordert den Produktionsstandort Schweiz zu fördern.

Digitale Transformation
Diese Entwicklung hat schon länger begonnen und findet nun mit konkreten Anwendungsfällen auch seine Umsetzung. Generell werden immer mehr Daten erfasst und aufbereitet. Die sinnvolle Verknüpfung, Visualisierung und Verarbeitung dieser Daten zur Auslösung von Aktionen ist aktuell noch im Entstehen. Der Werkplatz ist gefordert, diese Entwicklung zur Steigerung der Konkurrenzfähigkeit aktiv mitzugestalten.

 

Meine Meinung

Bereits zum zweiten Mal in Folge zeichnet unsere Konjunkturumfrage bei der Beurteilung des aktuellen Jahres ein sehr positives Bild. Wenn die Verbände Swissmem und swissT.net dabei eher vorsichtigen Optimismus verbreiten, geschieht das auf einem sehr hohen Niveau. Was bleibt, und womit die Unternehmen auch lernen müssen umzugehen, sind die niedrigen Margen. Hier ist wenig Hilfe von aussen zu erwarten; zu unwägbar ist die aktuelle Weltpolitik. Da hilft nur der genaue Blick auf die eigenen Abläufe, um die Produktivität zu steigern. Aus diesem Grund haben wir erstmals bei unserer Umfrage nach dem Stand der digitalen Transformation gefragt. Denn sie könnte – so auch die Meinung der befragten Verbände – in Zukunft noch zu einem wertvollen Verbündeten werden.
Wolfgang Pittrich, Redaktion Technische Rundschau

 



Marcel Menet, Geschäftsführer Giesserei-Verband der Schweiz. (Bild: GVS)


Jürg Marti, Direktor Swissmechanic. (Bild: Swissmechanic)


Ivo Zimmermann, Leiter Kommunikation Swissmem. (Bild: Swissmem)


Roland Steinemann, Geschäftsführer swissT.net. (Bild: swissT.net)


Pirmin Zehnder, Präsident tecnoswiss Gruppe Metall. (Bild: tecnoswiss)