Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Automatisierung: Ausgabe 05/2019, 03.05.2019

«Softwarekompetenz deutlich ausgebaut»

Wie sehr die digitale Transformation auch die Hersteller beeinflusst, zeigt das Beispiel Fastems: Der Automatisierungsspezialist entwickelt sich immer mehr zum Softwareanbieter, ohne die Hardwareseite zu vernachlässigen. Im Gespräch mit der «Technischen Rundschau» skizziert Heikki Hallila, Geschäftsführer der Fastems Systems GmbH, die veränderten Rahmenbedingungen und empfiehlt einen Besuch der Hausausstellung am 5. und 6. Juni.

Autor: Wolfgang Pittrich, Chefredaktor "Technische Rundschau"

Herr Hallila, hat sich durch Industrie 4.0 oder die digitale Transformation das Business von Fastems gewandelt?
Auf jeden Fall, denn die Digitalisierung der Produktion stellt völlig neue Anforderungen an Unternehmen. Die Kunden sind sich bewusst, dass diese Digitalisierung ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für die Zukunft sein wird. Und Fastems bietet ja nicht nur Automationslösungen im Bereich der Paletten- und Werkstückhandhabung, sondern entwickelt seit mehr als 30 Jahren eigene Softwarelösungen, allen voran die Manufacturing Management Software MMS für die Planung, Prognose, Steuerung und Überwachung von automatisierten Prozessen in der spanabhebenden Fertigung. Insofern sind wir hervorragend positioniert und entwickeln uns mehr und mehr zum Softwareanbieter, der in diesem Zusammenhang jedoch auch die veränderten Anforderungen an die hardwareseitigen Automationsprozesse nicht aus­ser Acht lässt.

In welche Richtung entwickelt aus Ihrer Sicht die Automatisierung in der spanabhebenden Produktion?
Die Losgrössen pro Auftrag werden kleiner und auch die Teilevarianz wird grösser. Die spanabhebende Produktion muss hierauf mit einer agilen Fertigung reagieren, die sehr flexibel agiert und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht verliert. Das lässt sich eindeutig nur mit einer durchgängigen Digitalisierung und damit höheren Transparenz der Produktion realisieren. Nur wer aktuell genau weiss, was im Shopfloor passiert, also: wie hoch die Maschinen ausgelastet sind oder wo Optimierungsbedarf besteht, und überdies bei seinen Produktionsaufträgen gleichermassen präzise wie flexibel in Zukunft planen kann, wird auf Dauer kostengünstig und damit wirtschaftlich fertigen können. 

Eine Herausforderung der digitalen Transformation wird sein, die zunehmende Datenmenge sinnvoll auszuwerten. Betrifft das auch Fastems?
Ja. Der Fokus unserer Lösungen und weiteren Entwicklungen richtet sich auf die verfügbaren Produktionsdaten. Condition Monitoring im Sinne effizienter präventiver Instandhaltungsstrategien ist ein Anwendungsbeispiel. Solche Strategien stellen im Übrigen auch neue Anforderungen an unsere Kunden, die wir mit unseren Serviceleistungen unterstützen möchten. Die Digitalisierung schafft hier die entscheidenden Voraussetzungen auch für die Entwicklung der präventiven Wartung, damit gewissermassen «unternehmenskritische» Fertigungssysteme zuverlässig, also ohne ungeplante Stillstände produzieren können. Wobei wir in diesem Zusammenhang von den zahlreichen Integrationen unserer Lösungen und den hieraus resultierenden Erfahrungen profitieren können. Immerhin haben wir in den letzten 30 Jahren über 4000 Automationssysteme mit Maschinen unterschiedlicher Hersteller realisiert. Das bedeutet, dass wir an der Entwicklung der Maschinenschnittstellen beteiligt waren und somit auch unsere Leistungen sowie unsere Kompetenz im Softwarebereich entsprechend ausbauen konnten.   

Lassen Sie uns auf die diesjährige Open House von Fastems blicken. Das Motto lautet: «Losgrössenunabhängige Fertigungskosten – so wird´s gemacht». Was steckt dahinter?
Eine agile Fertigung, in der die Stückkosten nicht mehr von den produzierenden Losgrössen abhängig sind. In einer solchen Produktion ist es im Grund egal, ob von einem Teil 10 oder 100 Stück gefertigt werden, da sich die Fertigungskosten hierfür annähernd auf einem idealerweise niedrigen Niveau bewegen. Mehr möchte ich allerdings hierzu nicht verraten, da ich dann dem Schwerpunkt der Open House vorgreifen würde. Nur so viel: Losgrössenunabhängige Fertigungskosten sind keine Vision, sondern heute schon Realität. Wir werden das während der Veranstaltung eindrucksvoll zeigen.

Etwas ungewöhnlich ist, dass die Hausausstellung in diesem Jahr nicht bei Fastems stattfindet, sondern bei der Kempf CNC-Technik. Warum?
Der Grund ist das Thema der Veranstaltung. Dem Unternehmer Stefan Kempf ist es mit einer Automationslösung von Fastems gelungen, die Folgerüstzeiten an seinen Maschinen komplett zu eliminieren und somit eine Produktion mit losgrössenunabhängigen Fertigungskosten zu realisieren. Und ich kann nur betonen: Die Lösung, die bei der Norbert Kempf CNC-Technik zu sehen sein wird, ist wirklich beeindruckend. Besucher des Open House haben nun die Gelegenheit, diese Lösung in der Praxis zu erleben. Gute Gründe also, den Veranstaltungsort ins Saarland zu verlegen.

Welche Neuheiten wird es sonst noch zu sehen geben?
Wir werden auf der Veranstaltung unsere jüngste Version der MMS und die «RoboCell One» vorstellen, eine standardisierte und somit einfach konfigurierbare Roboterzelle zur Handhabung vor allem von schweren Werkstücken. Die Roboterzelle ist für die Automatisierung von bis zu zwei Werkzeugmaschinen gleichen Typs ausgelegt und ermöglicht eine hohe Maschinenauslastung in Kombination mit einem hohen Mass an Flexibilität bei der Fertigung insbesondere von unterschiedlichen Losen.

fastems.com



Heikki Hallila, Geschäftsführer Fastems Systems GmbH: «Losgrössenunabhängige Fertigungskosten sind keine Vision, sondern heute schon Realität. Wir werden das während dem Open House eindrucksvoll zeigen.» (Bild: Fastems)