Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Werkzeugmaschinen: Ausgabe 05/2019, 02.05.2019

«Wir sind profitabel und schuldenfrei»

Die Tornos Gruppe hat Anfang März die offiziellen Zahlen für 2018 vorgelegt: Umsatz, Auftragseingang und Cashflow haben deutlich zugelegt; die Umsatzrendite liegt bei beachtlichen 7,2 Prozent. Es ist noch nicht so lange her, da konnte man davon nur träumen. Ein Gesicht dieses Erfolges ist CEO Michael Hauser. Mit ihm hat TR-Chefredaktor Wolfgang Pittrich über Zielmärkte, Swissness und Multifunktionssysteme gesprochen.

Autor: Wolfgang Pittrich, Chefredaktor "Technische Rundschau"

Herr Hauser, Sie und die Tornos-Mitarbeiter haben in den letzten Jahren ihren Job anscheinend sehr gut gemacht: Der Umsatz kletterte von 2017 auf 2018 um 20 Prozent auf 215 Millionen Franken, die Auftragsbücher für das erste Halbjahr 2019 sind randvoll, und die Umsatzrendite steht mit 7,2 Prozent auf einem für Maschinenbauer guten Niveau. Sind Sie zufrieden?
Wir sind gut unterwegs, das stimmt. Natürlich kann man immer besser sein, aber wir agieren heute viel internationaler, viel flexibler, viel innovativer als noch vor ein paar Jahren. Auch was die operative Excellence angeht, haben wir uns deutlich verbessert. Wir bauen heute Maschinen in fünf Tagen, wozu früher vier bis fünf Wochen notwendig waren. Und, wir machen heute 100 Prozent vom Umsatz mit Maschinen die jünger als fünf Jahre sind.

Eine Herausforderung war auch, so hört man, den Fokus auf die Zielmärkte wieder scharfzustellen. Das scheint ebenfalls gut geglückt.
Darauf sind wir auch Stolz, für unsere Kernzielmärkte Automotive, Elektronik, Medizinaltechnik sowie Uhren- und Präzisionsmechanik exakt abgestimmte Branchenlösungen offerieren zu können. Immerhin machen wir mit diesen vier Branchen 70 Prozent vom Umsatz. Die Kunden honorieren es, wenn wir sie in jedem dieser Märkte auf Augenhöhe ansprechen können; nicht nur mit unseren Produkten, sondern auch mit unserem Service. Deshalb wissen wir inzwischen genau, wie man wirtschaftlich den Handaufzug einer Luxusuhr produziert oder die Einspritzdüse für einen Verbrennungsmotor. Diesen Turnaround haben wir auch deshalb geschafft, weil wir die Internationalisierung deutlich vorangetrieben haben. Heute produzieren und entwickeln wir rund 50 Prozent unserer Maschinen in der Schweiz, der Rest geschieht in China und Taiwan. Die Folge dieser Diversifizierung ist, dass wir mittlerweile profitabel und schuldenfrei sind. Unser wichtigstes Ziel war und ist, nicht von Banken abhängig zu sein, und das funktioniert inzwischen ganz gut.

Kann man da noch von Swissness sprechen?
Die Frage der Swissness bezieht sich eher auf unsere Philosophie, Werkzeugmaschinen zu bauen. Da geht es um Werte wie Langlebigkeit, Genauigkeit, Präzision oder Nachhaltigkeit. Und das kann man auch ausserhalb der Schweiz umsetzen. Ausserdem verfügen wir hier in Moutier über eine hohe Fertigungstiefe und produzieren beispielsweise qualitätsbestimmende Komponenten wie Spindeln immer noch selbst. Ähnliches gilt für unsere Software, die hier im Haus entwickelt und getestet wird.

Bleiben wir bei den Maschinen. Gibt es bestimmte Renner im Portfolio?
Wir haben tatsächlich zwei sehr erfolgreiche Modelle im Programm: der Mehrspindler «MultiSwiss» und der bereits genannte Langdreher «SwissNano». Ohne falsche Bescheidenheit kann man sagen, dass wir bei diesen Modellen sehr kreativ und innovativ agiert haben ...

Wie meinen Sie das?
Während unsere Wettbewerber, speziell im Bereich der Mehrspindler, eher in Richtung Komplexitätserhöhung agierten, sind wir den umgekehrten Weg gegangen und haben eine einfache, sehr funktionale und hochproduktive Maschine konzipiert, die auch ein Nicht-Experte bedienen kann. Die Folge war und ist, dass die Maschinen in einem attraktiven Preissegment platziert werden konnten, obwohl sie in der Schweiz produziert werden. Nicht umsonst machen wir rund ein Drittel des MultiSwiss-Umsatzes in Asien.

Das ist erstaunlich, denn der asiatische Markt ist nicht unbedingt dafür bekannt, Mehrspindler-affin zu sein ...
Der Erfolg kam durch die Einfachheit der Maschine in Kombination mit einem attraktiven Preis. Ein ähnliches Prinzip haben wir auch bei der SwissNano zugrunde gelegt, mittlerweile bereits ein Klassiker in der Uhrenindustrie; seit 2013 haben wir rund 500 Maschinen absetzen können. Das sind einfache Langdreher, mit geringem Platzbedarf, aber hochgenau. Das neuste Modell mit sieben Millimeter Stangendurchlass wurde zur letzten AMB vorgestellt, und wir sind bis in diesen Sommer hinein ausgebucht. Wobei wir auch erst einmal lernen mussten, einfach zu sein. Das wiederum war kein einfacher Prozess.
Wobei diese Einfachheit nach aussen eigentlich erst durch die Komplexität und Intelligenz der Software möglich wird, die Tornos einsetzt. Das Stichwort dazu lautet «Tisis». Mein Credo heisst: Make it simple – für den Bediener. Die Maschine kann durchaus intelligent sein, im Hintergrund. Genau das bietet die Tisis-Oberfläche, die wir als unsere Antwort auf die digitale Transformation verstehen. Immerhin haben wir seit 2013 rund 1500 Systeme im Einsatz. Aber das haben wir nie gross kommuniziert.

Sie haben viel erreicht in den letzten Jahren, wo sehen Sie aktuell die Herausforderungen für die Zukunft?
Eine grosse Herausforderung ist sicherlich der Wandel in der Automobilindustrie, die ja ein grosser Zielmarkt von uns ist, in Richtung E-Mobilität, aber auch autonomes Fahren. Wir erkennen hier durchaus Risiken, aber auch Chancen. So benötigen die hybriden Fahrzeugkonzepte, die in Zukunft mehr und mehr kommen werden, kleine und kleinste Teile. Und der E-Bike-Markt nimmt rasant zu. In Summe erwarten wir durch die E-Mobilität sogar ein zusätzliches Geschäft. Auf der anderen Seite wird der Verbrennungsmotor, speziell der Diesel, mittelfristig an Bedeutung verlieren. Das schwächt unser Business. Der Wandel ist da, und wir müssen versuchen, zusammen mit unseren Kunden, ihn aktiv mitzugestalten. Dazu gehört, dass wir unsere Produkte nicht mehr nur als Drehmaschinen begreifen, sondern als Multifunktionssysteme zur Problemlösung unserer Kunden; denn sie interessiert, wie man präzise und wirtschaftlich fertigen kann. Ob das Produktionsmittel dann noch Drehmaschine heisst oder besser Multifunktionssystem, darüber kann trefflich diskutiert werden. Und in diesem Transformationsprozess befinden wir uns seit geraumer Zeit.

tornos.com



Michael Hauser, CEO Tornos Gruppe: «Die Kunden unserer Zielmärkte honorieren es, wenn wir sie auf Augenhöhe ansprechen können; nicht nur mit unseren Produkten, sondern auch mit unserem Service.» (Bild: TR)