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Automatisierung: Ausgabe 07/2019, 06.07.2019

«Die Anwender haben auf so eine Lösung gewartet»

Mit «Pallet in motion» hat Newemag im vorigen Jahr ein modulares Automatisierungskonzept vorgestellt, das auf einer Drehmaschine von Miyano und einer Fräsmaschine von Brother basiert. Zur Prodex in diesem Jahr wurde das System um den «broButler»-Roboter erweitert. Die «Technische Rundschau» sprach darüber mit Newemag-Geschäftsführer Pirmin Zehnder auf der Messe.

Autor: Wolfgang Pittrich, Chefredaktor "Technische Rundschau"

Herr Zehnder, die Automatisierungslösung «Pallet in motion» war ein Highlight auf dem Newemag-Stand während der diesjährigen Prodex. Was ist das Besondere an dieser Lösung?
Sicherlich die Zusammenführung einer getrennten Dreh- und Fräsbearbeitung zu einem modulares Automationskonzept. Wir kombinieren die jeweiligen Stärken einer Dreh- und Fräsmaschine mit zwei Robotern und einer mobilen Palette – deshalb auch Pallet in motion – zu einer flexiblen, also einfach zu bedienenden Automatisierungslösung.
Die Werkstücke werden auf der Miyano-Drehmaschine vorgedreht, anschliessend manuell in einer Palette auf die Brother-Fräsmaschine übergeben und dort fertig gefräst. Das lageorientierte Handling auf der Drehmaschine übernimmt der «MiyButler»-Roboterarm von Fanuc. Zusätzlich ist an die «BNA-42 DHY» von Miyano noch ein Sylvac-Messgerät angedockt, das ebenfalls vom MiyButler-Roboter bedient wird.
Wir können also je nach Bedarf hauptzeitparallel messen und Toleranzabweichungen sofort an die Drehmaschine zurückmelden. Dort erfolgt dann eine entsprechende Kompensation oder sogar, falls notwendig, ein Maschinenstopp. Das Tolle daran ist, dass wir diese Lösung mit minimalem Platzbedarf realisieren können, sozusagen auf der Grundfläche der Miyano-Drehmaschine.

Neu auf der Messe war die Version mit dem Roboterarm «broButler» auf der Brother-Fräsmaschine zu sehen. Warum diese Ergänzung?
Wir erweitern dadurch die Einsatzmöglichkeiten der «Speed­io S»-Reihe von Brother erheblich. So können wir bis zu sechs Paletten einwechseln und damit die automatisierte Laufzeit nach oben schrauben. Zudem haben wir die Möglichkeit mit einem Doppelgreifer am Roboterarm das Werkstück zu wenden und so eine komplette Sechsseitenbearbeitung durchzuführen. Wahlweise kann auch unsere bewährte Modul-Box zum Einsatz kommen. Damit aber noch nicht genug ...

Ich höre ...
Wir können den Roboter ebenfalls dazu nutzen, um weitere Aufgaben zu übernehmen wie Reinigen oder Lasermarkieren. Dadurch bauen wir die Brother-Maschine zu einer automatisierten Fertigungszelle aus.

Bei der Pallet-in-motion-Lösung fällt auf, dass zwei Einzelmaschinen automatisiert werden. Dies widerspricht eigentlich dem allgemeinen Credo der Komplettbearbeitung auf nur einer Maschine. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Hier spielt das Thema Mitarbeiterqualifikation und Flexibilität eine sehr grosse Rolle. Für die angesprochene eierlegende Wollmilchsau, also die komplexe Komplettbearbeitung auf einer Maschine, benötige ich sehr gut ausgebildete Fachkräfte. Die werde ich in Zukunft immer weniger antreffen. Dazu gehört auch, dass wir bei den Paletten auf ein fixes Raster zurückgreifen. Man muss den Fanuc-Roboter also nicht aufwändig programmieren. Es genügt, den X- und Y-Abstand in die Steuerung einzugeben; egal, wie gross die Teile sind. Und für das Transportieren der Paletten zwischen den Maschinen ist auch kein grosser Automatisiervorgang notwendig, da genügt einfache Muskelkraft.

Was hat es mit dem Thema Flexibilität auf sich?
Wir müssen ja nicht unbedingt beide Maschinen automatisiert laufen lassen. Ich bin hier sehr flexibel. Und mit dem Einsatz der Paletten gebe ich die Lageorientierung nicht auf. Natürlich muss die Toleranz der Teile zu dieser Lösung passen. Auf der anderen Seite kann ich, wie bereits erwähnt, auch andere Bearbeitungsschritte wie Reinigen oder Entgraten als automatisierten Vorgang in den Bearbeitungsprozess mit einbauen. Alles sehr flexibel und je nach Bedarf.

Sie haben die Pallet-in-motion-Lösung vor gut einem Jahr zur Messe Siams erstmalig vorgestellt. Wie fiel die bisherige Kundenresonanz aus?
Es hat uns auf jeden Fall zusätzliches Kundenpotenzial beschert. Auch deshalb, weil in den adressierten Branchen wie Medizinaltechnik oder Uhrenindustrie die angesprochene Problematik in Richtung Flexibilität und Mitarbeiterqualifikation ein grosses Thema ist. Der geringe Platzbedarf unserer Lösung spielt uns zusätzlich in die Karten. Deshalb konnten wir interessante Zusatzaufträge generieren und neue Kunden ansprechen, die auf genauso eine Lösung gewartet haben.

newemag.ch



Pirmin Zehnder, Geschäftsführer Newemag / Schneider mc: «Wir können die Brother-Maschine zu einer automatisierten Fertigungszelle ausbauen.» (Bild: TR)


Der broButler-Roboterarm basiert auf dem Fanuc-Roboter LR Mate 200iD 7L.