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Bearbeitungszentren: Ausgabe 09/2019, 08.09.2019

«Da musste einfach eine Hermle her»

Weil sich der Lohnfertiger Bruns Zerspanungstechnik über die Jahre immer mehr auf komplexe Produkte und präzise Bearbeitung konzentrierte, war und ist man bei der Auswahl des geeigneten Maschinenparks sehr wählerisch. Nicht umsonst stehen vier Bearbeitungszentren von Hermle in der Produktion, davon zwei Fünfachsmaschinen der High-Performance-Line, eine davon in Fräs-Drehausführung. Die Anlagen überzeugen durch Zuverlässigkeit und Präzision.

Gestartet ist die Andreas Bruns Zerspanungstechnik GmbH vor 25 Jahren in einer Garage. Mit der Zeit entwickelte sich das Unternehmen zu einem gefragten Hersteller von Prototypen und Kleinserien für die Automobilindustrie, die Medizintechnik und den allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau. «Es sind hochanspruchsvolle Bauteile, die für mich den speziellen Reiz ausmachen», erklärt Andreas Bruns, Geschäftsführer der gleichnamigen Zerspanungstechnik GmbH. Neben den komplexen Geometrien und der hohen Präzision schätzt er auch die Herausforderung durch die schwer zu bearbeitenden Materialien wie Inconel, Titan und hochwertige Kupferlegierungen.

Wer sich diesen Anforderungen erfolgreich stellen will, muss einen entsprechenden Maschinenpark zur Verfügung haben. Der Blick in die Produktion zeigt, dass Bruns in punkto Qualität und Präzision einem Hersteller besonders vertraut: Neben Dreh-, Erodier- und Sägemaschinen stehen vier CNC-Bearbeitungszentren der Hermle AG in den Hallen. Das älteste ist rund 20 Jahre alt; 2014 kam das High-Performance-Bearbeitungszentrum «C 22 UP» mit Palettenwechselsystem dazu.

Je mehr sich das Unternehmen auf komplexe Produkte konzentrierte, desto mehr stiessen etablierte Arbeitsprozesse an ihre Grenzen, vor allem, wenn es um Präzision ging. «Erforderte ein Werkstück sowohl eine Bearbeitung auf der Dreh- als auch Fräsmaschine, riskierten wir durch das Umspannen Fehler in der Masshaltigkeit», sagt der Geschäftsführer. Um daher die Bauteile nicht mehr auf zwei separaten Maschinen bearbeiten zu müssen, entschied sich Bruns 2018 dazu, in eine «C 42 U MT» zu investieren. Die Mill-Turn-Version des Fünfachs-Bearbeitungszentrums verfügt zusätzlich zum Tandemantrieb der A-Achse auch über einen Torquemotor in der C-Achse.

Dieser lässt für die Drehbearbeitung die bis zu 700 kg schweren Werkstücke mit maximal 800 min-1 rotieren. Im reinen Fräsbetrieb ist der Tisch sogar mit bis zu 1400 kg belastbar. «Neben der höheren Präzision profitieren wir von der enormen Zeitersparnis und den reduzierten Rüstkosten; das schafft Kapazitäten für Neues», freut sich Andreas Bruns. Zudem kann er nun auch Teile mit einem Durchmesser von bis zu 700 mm bearbeiten, während er früher bei 300 mm passen musste. Aktuell fertigt man Kleinserien rotationssymmetrischer Bauteile mit Durchmesser 400 mm und einer  Höhe von rund 500 mm.

Das Fünfachs-Fräs-Drehzentrum wurde im November 2018 geliefert und problemlos in Betrieb genommen. Allerdings zeigten sich in der täglichen Routine doch gewisse Tücken. Zwar waren die Bediener den Umgang mit der C 22 U gewohnt, doch die Mill-Turn-Technologie benötigte mehr Einarbeitung. Folge: Zwei Spindeln wurden schon beschädigt, was dem Unternehmen gerade am Anfang besonders weh tat.

«Glücklicherweise wird Hermle auch beim Service seinem Ruf gerecht. Meist war schon am selben Tag der Techniker vor Ort», betont Bruns. Zur schnellen Reparatur trägt auch das Konstruktionsprinzip der Spindeln bei: Die schlank bauende Werkzeugspindel ist zweigeteilt und kann schnell und einfach ausgetauscht werden. Ebenso direkt und unkompliziert hilft Hermle auch telefonisch, zum Beispiel bei der Programmierung.

Der Geschäftsführer zeigt sich optimistisch, dass nach den Anlaufschwierigkeiten die Lernkurve stark steigen wird. Mittlerweile begegnen die drei zuständigen Mitarbeiter der Maschine mit Respekt und sind gleichzeitig begeistert von der Heidenhain-Steuerung: Je weiter die Einarbeitung voranschreitet, um so produktiver wird der Prozess an der High-Performance-Maschine.

Und noch bei einem anderen wichtigen Thema kann Hermle indirekt helfen: Wie viele andere Unternehmen der Branche bemerkt auch Andreas Bruns, dass es zunehmend schwieriger wird, Fachkräfte zu gewinnen. Seine Strategie ist daher neben der Ausbildung im eigenen Betrieb ein arbeitnehmerfreundliches Arbeitszeitmodell im Einschichtbetrieb. Um nicht an Kapazität einzubüssen, braucht er Maschinen, die zuverlässig autark laufen, auch in die Nacht hinein. Deshalb denkt er auch in Richtung Automation: «Für die C 42 U MT haben wir die Automation vorbereiten lassen. Derzeit lohnt es sich für uns aber noch nicht, da wir doch immer wieder Messprozesse einfügen müssen, die auf einer separaten Maschine erfolgen. Zudem müssen wir zunächst die Handhabung voll verinnerlichen.»

Diese Vorsicht gilt allerdings nur dem Fräs-Dreh-Modell. Denn noch dieses Jahr soll eine «C 400 U» einziehen, die mit dem flexiblen Handlingsystem «HS flex» ausgestattet ist. «Die Ansprüche an die Teile, gerade bezüglich Genauigkeit und Verfügbarkeit, sind extrem gestiegen. Da musste eine Hermle her», begründet der Geschäftsführer die neue Investition. «Sie wird ein anderes Fräszentrum ersetzen und ebenfalls durch ihre hohe Präzision und Zuverlässigkeit punkten», ist sich Andreas Bruns sicher.  (pi)

Andreas Bruns Zerspanungstechnik GmbH
DE-30916 Isernhagen, Tel. +49 5136 971 33-0
info@andreas-bruns.de

Hermle (Schweiz) AG
8212 Neuhausen, Tel. 052 674 00 40
info@hermle-schweiz.ch
hermle-schweiz.ch



Fräsen und Drehen auf einer Maschine: Mit 800 min-1 können die bis zu 700 kg schweren Werkstücke drehbearbeitet werden. (Bilder: Hermle)


Präzision wird gross geschrieben: Um die Masshaltigkeit durch den Umspannvorgang nicht zu gefährden, wurde auf eine Fräs-Drehbearbeitung in einer Aufspannung umgestellt.


Andreas Bruns (links, mit Meister und Fertigungsleiter) ist nicht nur von den Hermle-Maschinen begeistert: «Glücklicherweise wird Hermle auch beim Service seinem Ruf gerecht. Meist war schon am selben Tag der Techniker vor Ort.»