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Exklusivinterview: Ausgabe 10/2019, 11.10.2019

«Wir verfügen über ein immenses Portfolio»

Der traditionsreiche Anbieter für Automatisierungstechnik, ifm Electronic, feiert heuer den 50. Jahrestag der Gründung. Aus diesem Anlass hat die «Technische Rundschau» den Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung, Peter Bader, im Geschäftsdomizil in Härkingen besucht. Im TR-Exklusivinterview verrät er, wie er vor 20 Jahren zu dem Unternehmen fand, was sich seither getan hat und wo ifm aktuell in unserem Land steht.

Autor: Markus Schmid, Redaktor

Herr Bader, ifm Electronic feiert 50 Jahre des Bestehens. Die Firmengründung erfolgte am 29. Oktober 1969. Knallen nun bei Ihnen in Härkingen die Korken? 
Im deutschen Mutterhaus in Essen und am Hauptproduktionsstandort in Tettnang am Bodensee haben die Mitarbeiter bereits im September das Jubiläum von ifm Electronic gefeiert. Mehr ist nicht geplant. Die Schweizer Niederlassung wurde übrigens vor 40 Jahren, 1979, gegründet. Dazu haben wir im vergangen Mai eine kleine Feier gemacht. Wir sind übrigens eine der ältesten ifm-Niederlassungen im Ausland.

Wie ist die Schweizer Niederlassung in die Gesamtorganisation eingebunden?
Wir sind eine selbständige Gesellschaft. Vom Mutterhaus geniessen wir Unterstützung in der IT, die weltweit dieselbe ist. Aber wirtschaftlich sind wir eigenständig.

Charakterisieren Sie bitte kurz die Struktur in der Schweiz.
Wir beschäftigen 19 Mitarbeiter, davon acht im Vertrieb plus je einen Sales Systems Engineer und einen Projektleiter. Die anderen arbeiten hier im Innendienst. Aus unserem Lager beliefern wir unsere Schweizer Kunden, dabei verschicken wir pro Monat durchschnittlich zwischen 1000 und 1100 Pakete per Post. Die gängigsten 5000 bis 6000 Komponenten führen wir hier am Lager. Zweimal pro Woche verarbeiten wir zudem Lieferungen aus dem Mutterhaus, die von Härkingen aus weiter verschickt werden.

Bedienen Sie alle Landesregionen?
Ja, dazu erfolgt die Aufteilung im Aussendienst nach Sprachregion. Im Tessin stellt die Sprache eine gewisse Herausforderung dar, aber dort kommen wir auch mit Englisch gut an. Im Zuge der Digitalisierung brauchen wir Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how, zum Beispiel Programmierer. Wir sind zusammen mit anderen Firmen Mitglied in einem Lernverbund, der vom Kanton initiiert wurde. Der Lernverbund stellt die Lehrlinge ein, und diese absolvieren jeweils rund ein Jahr in jeder Firma. Jede dieser Firmen für sich ist zwar nicht in der Lage, einen Lehrling für seine gesamte Lehrzeit zu übernehmen, aber im Verbund gelingt dies. Seit August beschäftigen wir zwei solche Lehrlinge.

Erzählen Sie uns von sich selbst: Wie kamen Sie zu ifm?
Ursprünglich habe ich Maschinenmechaniker gelernt und einige Jahre im Werkzeugbau gearbeitet. Dann absolvierte ich die Weiterbildung zum Betriebsfachmann, war einige Jahre in der Arbeitsvorbereitung tätig und kam dann als Quereinsteiger zu ifm. Das war genau vor 20 Jahren. Erst betreute ich mehrere Gebiete in der Deutschschweiz. Seit sieben Jahren bin ich Geschäftsführer. In diesen 20 Jahren hat sich unsere Angebotspalette enorm entwickelt, sowohl was die Produktevielfalt als auch was die Komplexität der Geräte angeht. Damit steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter laufend.

Kurzer Blick ins Private: Gibt es für Sie ein wichtiges Hobby?
Ja, nebst Familie und dem Aufenthalt in der Natur spiele ich seit 40 Jahren Trompete in einer Blasmusik. Das ist mein wichtigstes Hobby. Es hat auch schon bei meinen Söhnen abgefärbt.

Zurück zum Geschäftlichen: Welches sind hierzulande Ihre erfolgreichsten Produkte?
Unser Unternehmen hat eine unheimlich breite Produktepalette, vom Näherungsschalter, dem allerersten Erfolg von ifm, über mobile Steuerungen bis zur Verbindungstechnik oder Produkte für die industrielle Bildverarbeitung. Zudem setzen wir vermehrt auf die Entwicklung von Industrie 4.0-Lösungen mit entsprechenden Software- und Cloudprodukten. Was bei uns in der Schweiz am meisten boomt, ist der Fluid-Bereich, also Druck, Temperatur, Durchfluss, Niveau überwachen beziehungsweise messen. Wir sind in jeder Industrie zuhause, wo es etwas zu überwachen gibt, etwa Fluidaufgaben in der Lebensmittelindustrie. Aber auch im Bereich Werkzeugmaschinen sind wir gut aufgestellt, ebenso in der Hydraulik, bei Beschneiungsanlagen und in Kraftwerken.

Wie läuft das Geschäft generell?
Immer besser. Als ich hier anfing, hörte ich bei Kunden noch oft, dass man ein Schweizer Produkt bevorzuge und ifm war ein deutsches Produkt. Heute ist das im Zuge der Globalisierung kein Thema mehr. Zudem sind wir in vielen Industrien gelistet, das heisst, man hat sich bleibend für unsere Produkte entschieden. Damit sind wir beispielsweise für Automobilzulieferer, die ihre Erzeugnisse exportieren, zwingend dabei. Zudem: In meinen 20 Jahren beim Unternehmen wurde die Produktpalette so breit, dass wir heute schon als Komplettanbieter auftreten können.

Gibt es Alleinstellungsmerkmale, die für den Einsatz Ihrer Produkte sprechen?
Das gibt es schon: Bei ifm hat man sich auf die Fahne geschrieben, dass nur noch Sensoren gebaut werden, die durchweg smart und Industrie-4.0-tauglich sind, dank der Integration von IO-Link.

Sind denn andere Protokolle nicht Industrie 4.0-tauglich?
Doch, aber die Verdrahtung ist nur mit IO-Link so einfach. Ohne IO-Link muss ich jeden Sensor separat verdrahten, mit IO-Link fällt dies weg. Seit Jahren ist diese Technologie in jedes unserer Produkte integriert. Heute haben wir das grösste IO-Link-fähige Produktportfolio am Markt. Das hebt uns von unseren Wettbewerbern sicher ab.

Ifm war entscheidend beteiligt an der Entwicklung von IO-Link und der Einführung 2006. Das ist eine Weile her, Industrie 4.0 und das IIoT waren da noch in weiter Ferne. Ist das System an aktuellen Kriterien gemessen noch zukunftsfähig?
Sicher. Wir sind bisher der klassische Hardware-Anbieter in der Sensorik gewesen. Jetzt gehen wir den Weg zum Komplettanbieter und können heute die Daten vom Sensor bis ins ERP- oder ins SAP-System bringen. Wir können alles liefern von der IO-Link-Kommunikation über den Master bis zur Software.

Können andere Sensorhersteller nur weniger bieten?
Bereits sehr frühzeitig hat ifm sich mit dem Thema Digitalisierung und IoT beschäftigt und investierte in Entwicklungen und in neue Gesellschaften. Wir sind in diesem Punkt sicherlich ganz vorne mit dabei, wenn nicht am weitesten.  Bei Industrie 4.0 hat man nicht die Wahl – hier müssen alle mitziehen.

Wohin geht in der Automatisierungstechnik die Reise?
Zukünftig wird die Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle in der Automatisierung von Produktionsprozessen spielen. Wir arbeiten permanent daran, unsere Produkte dafür fit zu machen. Wie schon erwähnt, verfügen wir über ein grosses Produktportfolio für vielfältige Industrien. Grundsätzlich ist die Reise in der Automatisierungstechnik sicher noch nicht an ihrem Ende angelangt, aber was genau noch kommt, ist schwer zu sagen. Ist es die kabellose Technik, Wireless, Funk?

Bei Funk ist die Datensicherheit definitiv ein Thema...
Ja sicher, Störungen, die Sicherheit, EMV, G5 – das sind alles Themen im Zusammenhang mit Funk. In unseren Strategiepapieren dreht sich auch noch in den nächsten zehn Jahren alles um die Digitalisierung, die dann aber wirklich bis ins ERP-System hineinreichen muss. Was nachher kommt, kann ich heute nicht abschätzen. Wir sind ja auch bei der Digitalisierung noch längst nicht am Ziel, es gibt noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. Sicher ist, dass sich die Anforderungen an das Personal in den Firmen durch die weitere Automatisierung verändern werden. Den klassischen Fliessbandarbeiter wird es nicht mehr geben. Dabei steigen die Anforderungen mit dem Grad an Automatisierung. Mit Letzterer steigt auch der Grad an Überwachung. Eigentlich ist heute schon die kleinste Produktion irgendwie automatisiert und überwacht. Auf dem Schweizer Markt ist zudem der Preisdruck wesentlich. Das heisst: Man will zwar überwachen, aber dies sollte möglichst kostengünstig gehen. Da heben dann die Diskussionen ab.

Welche Unterschiede stellen Sie fest beim Vergleich unseres Automatisierungmarktes mit dem des Auslandes?
Wenn es um das Akzeptieren neuer Technologien geht, ist der Schweizer Markt bis heute viel träger und konservativer als der deutsche Markt. Dort kommen neue Technologien schneller voran. Ein weiterer Unterschied: Im deutschen Markt ist die Automobilindustrie der ganz grosse Treiber. Hinzu kommt, dass wir hier eine ganz besondere Kundenstruktur mit viel mehr kleinen Einzelkunden – den klassischen Schweizer KMU – haben, als in anderen Märkten.

Welche Chancen bietet diese Entwicklung Ihrem Unternehmen?
Mit dem Produktportfolio, über das wir bereits verfügen plus dem, was noch in der Entwicklung steckt, merken wir – auch umsatztechnisch –, dass wir unsere Chancen am Markt weiter verbessern und Marktanteile gewinnen können. Das hat damit zu tun, dass wir die richtigen Produkte und Technologien anbieten können und dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?
Mir scheint, die grösste Herausforderung für den Schweizer Markt ist die, mit unseren Ressourcen die neuen Technologien überhaupt vermitteln zu können. Die Entwicklung schreitet sehr schnell voran und wir müssen   dem Kunden immer ein Stück voraus sein. Um dies leisten zu können, müssen Personalressourcen geschaffen werden. Deshalb bauen wir aktuell aus und suchen Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass wir neben Vision-, Kamera- und RFID-Systemen nicht nur Hardware anbieten, sondern neu auch Services mit Software, Downloads und Apps. Wir befinden uns also mitten im Wandel vom Komponenten- zum Systemanbieter. Und das ist nicht nur fachlich eine spannende Herausforderung, sondern auch organisatorisch.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Worauf freuen Sie sich besonders?
Was mich extrem motiviert, ist, meine Mitarbeiter für diese Herausforderungen fit zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir vielen Unternehmen mit unseren Produkten helfen können, ihre Aufgaben zu lösen und zu optimieren, denn wir erhalten dazu auch immer wieder positive Feedbacks, was enorm motivierend ist. Weiter freue ich mich, junge Leute bei uns zu integrieren, die zusätzliche Dynamik ins Geschäft einbringen und oftmals die Welt ein wenig anders betrachten als die Älteren. Gerade in der Automatisierungstechnik gilt es, von deren Sichtweise und Perspektive zu profitieren. Wir können auch von ihnen lernen. 

ifm electronic AG
4624 Härkingen, Tel. 0800 88 80 33
info.ch@ifm.com

ifm.com



Peter Bader vor der Schweizer Niederlassung von ifm Electronic in Härkingen. (Bilder: TR)


Peter Bader erklärt dem TR-Redaktor die ifm-Welt.