Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Kkollaborative Roboter: 19.07.2019

ABB entwickelt Cobots für das Gesundheitswesen

ABB setzt seine kollaborativen Roboter in einem neuen Health Care Hub im Texas Medical Center in Houston, USA, ein. Die Anlage wird im Oktober eröffnet. Die neue Einrichtung von ABB wird sich auf medizinische Robotersysteme für nicht-operative Anwendungen konzentrieren. Bis 2025 soll der weltweite Markt auf knapp 60 000 medizinische Roboter für nicht-operative Anwendungen wachsen, gegenüber 2018 eine Vervierfachung des Marktes.

ABB hat weiter bekannt gegeben, dass man generell medizinische Labors mit kollaborativen Robotern ausstatten will. Die Technik wird zunächst in oben genannten Health Care Hub auf dem Innovations-Campus des Texas Medical Center (TMC) in Houston eingesetzt.

Dieses Labor ist die erste Einrichtung, die ABB speziell für die Gesundheitsforschung betreibt. Ein eigenes Forschungsteam wird auf dem TMC-Campus mit medizinischem Fachpersonal, Wissenschaftlern und Ingenieuren zusammenarbeiten, um medizinische Robotersysteme für nicht-operative Anwendungen zu entwickeln. Dies umfasst auch die Laborlogistik und automatisierte Labortechnologien der nächsten Generation.

Sami Atiya, Leiter des Geschäftsbereichs Robotik und Fertigungsautomation, sagte: „Die in Houston entwickelten Laborprozesse der nächsten Generation werden die manuellen medizinischen Laborprozesse beschleunigen, sicherer machen und Engpässe in der Laborarbeit verringern oder beseitigen. Dies gilt insbesondere für High-Tech-Behandlungen wie die Krebstherapien, die im Texas Medical Center entwickelt wurden. Für diese Behandlungen sind heute noch immer manuelle und zeitaufwendige Testverfahren erforderlich.“

Heutzutage verbringt hochqualifiziertes medizinisches Fachpersonal einen Grossteil des Arbeitsalltags mit repetitiven und wenig anspruchsvollen Aufgaben. Die Zahl der Patienten, die behandelt werden können, ist dadurch stark limitiert. Durch den Einsatz von Robotern für diese Aufgaben können sich die medizinischen Fachkräfte auf anspruchsvollere und produktivere Arbeit konzentrieren. Gleichzeitig werden Testverfahren beschleunigt, wodurch deutlich mehr Patienten behandelt werden können. 

ABB hat ein breites Spektrum medizinischer Prozesse analysiert, die in Laboren heute manuell durchgeführt werden. Laut Schätzungen von ABB könnte die Anzahl der jährlichen Tests durch Automatisierung um 50 Prozent erhöht werden. Durch die Übernahme stets wiederkehrender Aufgaben durch Roboter können zudem diejenigen Tätigkeiten automatisiert werden, die mit einem hohen Gesundheitsrisiko für das Personal verbunden sind.

Angesichts der alternden Weltbevölkerung geben die Länder einen immer grösseren Anteil ihres Bruttosozialprodukts (BIP) für die Gesundheitsversorgung aus. Die Automatisierung verbessert nicht nur die Qualität der Patientenversorgung, sondern steigert auch die Effizienz im Gesundheitswesen. Das hilft, die damit verbundenen gesellschaftlichen, politischen und finanziellen Herausforderungen besser zu bewältigen. Laut einer internen Studie von ABB soll der weltweite Markt bis 2025 auf knapp 60 000 medizinische Roboter für nicht-operative Anwendungen wachsen. Damit wird sich der Markt im Vergleich zum Jahr 2018 nahezu vervierfachen.

Die kollaborativen Roboter von ABB, also die Mitglieder der "Yumi"-Familie werden bereits weltweit in Laboren der Lebensmittel- und Getränkeindustrie verwendet und eignen sich ideal für medizinische Einrichtungen, da sie ohne Schutzzäune sicher und effizient Seite an Seite mit Menschen arbeiten können. Die Roboter sollen wiederkehrende, schwierige und zeitaufwendige Arbeiten unterschiedlicher Art verrichten, also unter anderem dosieren, mischen und pipettieren, sterile Instrumente zusammenstellen und Zentrifugen be- und entladen. Die Nachfrrage der "Technischen Rundschau" bei ABB Robotics ergab, dass nicht nur die aktuell bestehenden Yumi-Varianten (eingesetzt werden, sondern dass man das Bauprinzip in Sachen Nutzlast ausgehend von den heute 500 g pro Arm nach oben skalieren will.

Houston ist bekannt für seine Forschung im Bereich der Medizintechnik auf Weltniveau. Das Ökosystem des TMC ist daher der ideale Standort für den neuen Health Care Hub von ABB. In der neuen Forschungseinrichtung, die sich über 500 m² erstreckt, soll ein 20-köpfiges Team von ABB Robotik arbeiten. Das Health Care Lab besteht aus einem Labor für Automatisierung und aus Trainingsanlagen für Roboter. Zudem verfügt es über Co-Labs, in denen Partner gemeinsam neue Lösungen entwickeln können.

„Mit dieser spannenden Partnerschaft treibt das Texas Medical Center die Zusammenarbeit mit Branchenpartnern der Spitzenklasse weiter voran. Das TMC eröffnet ABB so den Zugang zum Gesundheitssektor“, sagte Bill McKeon, Präsident und CEO des Texas Medical Center. „Wir betreiben eine ‚Stadt in der Stadt‘, in der jährlich 10 Millionen Patienten betreut werden. Dabei sind Effizienz und Präzision das A und O und es gilt Prozesse zu entwickeln, die sich leicht wiederholen lassen. Deshalb haben wir ABB mit seinem ersten F&E-Zentrum für medizinische Robotik-Lösungen in den TMC Innovations-Campus integriert.“

„So helfen Robotersysteme medizinischen Fachkräften, indem sie Innovationen vorantreiben und Arbeitsabläufe in medizinischen Laboren weltweit grundlegend verändern“, fügte Atiya hinzu. „Investitionen in die Service-Robotik sind ein Schlüsselelement unserer langfristigen Wachstumsstrategie. Wir übertragen unsere Expertise bei der Automatisierung in der Automobil- und Elektronikbranche auf neue Sektoren, um auch hier neue Lösungen zu liefern.“

abb.com/robotics



So sollen die Cobots ab Oktober im Health Care Hub von ABB in Houston arbeiten. (Bild: ABB)