Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Antriebe: Ausgabe 02/2020, 07.02.2020

«Instandhaltung ist Basis für Systemeffizienz»

Die Informationsplattform Topmotors hilft Unternehmen mit gezielten Informationen auch dabei, Effizienzanalysen durchzuführen. Auf der kommenden «Maintenance Schweiz 2020» ist die Plattform mit einem eigenen Stand präsent. Rolf Tieben ist Technischer Direktor von Impact Energy, dem Unternehmen, das Topmotors leitet. Eines der Themen in seiner Arbeit sind die schärferen Standards für Energieeffizienz. Während die Hersteller von Elektromotoren sich früher dagegen gewehrt hätten, sei nun ein Umdenken erkennbar, sagt Tieben.

Herr Tieben, Topmotors hilft Unternehmen dabei, Effizienzanalysen durchzuführen. Wie läuft dies ab?
Um bestehende Antriebe zu untersuchen, haben wir mit dem Motor-Systems-Check eine spezielle Methode entwickelt. Wir machen keine Beratung auf Produktebene, sondern wir geben eher generelle Empfehlungen. Wir empfehlen Firmen, alle nötigen Analysen, Messungen, Untersuchungen durchzuführen um sicherzustellen, dass ein neues Konzept oder ein neues Antriebssystem auch funktioniert, wenn es zum Maschinenstillstand kommt.

Wie steigert man die Effizienz des Maschinenparks?
Grundsätzlich durch eine systemische Betrachtung des Antriebssystems. Das heisst, man nimmt es ganzheitlich wahr und legt es auf die erforderliche Last aus. Wenn alle Komponenten ideal aufeinander abgestimmt sind und jedes einzelne Teil an sich effizient ist, ist auch das gesamte Antriebssystem effizient.

Welche Lösung steht dabei im Vordergrund?
Frequenzumrichter sind in vielen Fällen sinnvoll, weil man die Leistung, die vom Motor abgegeben wird, regulieren kann. Das heisst, man kann die Drehzahl reduzieren, wann immer es möglich ist. Früher wurden mit Drosselklappen die Energieströme einfach abgewürgt. So wurde Energie verschwendet. Heute geht man klüger vor und reduziert schon von vornherein die Drehzahl am Motor, um gar nicht erst so viel Energie ins System zu geben. Wir haben festgestellt, dass nur 20 Prozent der untersuchten Antriebe bereits einen Frequenzumrichter haben. Wir sind der Ansicht, dass 50 oder 60 Prozent der Anlagen sinnvoll mit einem Frequenzumrichter betrieben werden könnten. Das heisst, dass damit signifikant Energie eingespart werden könnte.

Was bedeutet Energieeffizienz genau?
Was Effizienz ist und wie effizient ein Motor sein sollte, ist in internationalen IEC-Standards genau vorgegeben und genormt. In der EU sind die Mindestanforderungen massgebend. Die Schweiz übernimmt die europäischen Anforderungen – teilweise etwas zeitlich verzögert, inhaltlich aber eins zu eins. In der EU heisst die Verordnung für Motoren Nr. 640/2009, in der Schweiz ist es Anhang 2.7 der Effizienzverordnung (EnEV). Gerade im letzten Dezember ist von der EU die revidierte Version veröffentlicht worden. In Zukunft werden schon Motoren mit nur 120 W Leistung in diesen Geltungsbereich fallen. Sie müssen mindestens den IE3-Mindesteffizienzstandard einhalten. Nach oben hin wurde der Geltungsbereich auf 1000 kW ausgedehnt.

Wie reagieren die Hersteller auf die angepassten Normen?
In der EU wird ab 2023 sogar die Mindesteffizienzklasse IE4 eingeführt für mittelgrosse Motoren zwischen 75 und 200 kW Nennleistung. Das bedeutet, dass Motoren in diesem Bereich noch einmal effizienter werden müssen als sie es heute schon sind. Das übt einen gewissen Druck auf die Hersteller aus. Bei der ersten Version vor zehn Jahren waren sie noch nicht so wirklich überzeugt, dass es solche Mindestanforderungen braucht. Mittlerweile haben wir aber festgestellt, dass sie froh darum sind, weil Billigprodukte so vom Markt verschwinden und Effizienz mittlerweile als Qualitätsmerkmal wahrgenommen wird.

Was unternimmt Topmotors, um die Effizienz zu steigern?
Unser Programm ist eng verknüpft mit der Informationsplattform topmotors.ch. Alles, was wir an Wissen generieren – an Tools, an Dokumenten, an Präsentationen von Veranstaltungen und Webinaren – stellen wir darauf kostenlos zur Verfügung. Hier werden wir unterstützt vom Bundesamt für Energie, sprich von EnergieSchweiz. Wir unterteilen nicht nach Industrien oder nach Bereichen, sondern wir beschäftigen uns mit Querschnittstechnologien.

Schöpft nur eine Minderheit das Energiepotenzial aus?
Das trifft zu. Die grössten Hindernisse der Energieeffizienz in der Praxis sind eigentlich immer fehlendes Wissen und fehlende Zeit. Das ist nicht despektierlich gemeint. Wir treffen immer wieder auf hoch motivierte Fachleute, die absolute Experten sind, wenn es darum geht, ihr Produkt herzustellen. Sie machen die beste Schokolade, die besten Uhren, aber Energieeffizienz ist einfach kein Thema. Hinderlich ist auch das Thema Payback. Es sollte in der Ausbildung bereits darauf geachtet werden, dass die Berechnung der gesamten Lebenszykluskosten entscheidend ist. Hier liegt ein hohes Einsparpotenzial brach.

Wo setzen Sie bei der Weiterbildung an?
Mittlerweile gibt es den Weiterbildungskurs «IEO – Industrielle Energieoptimierung» an drei Schweizer Hochschulen. Er behandelt die Grundlagen der Energieeffizienz für die wichtigsten Technologien. Über die Webseite bieten wir viel Wissen in Form von Merkblättern. Wir zeigen auch positive Beispiele von Firmen, die für mehr Effizienz gesorgt haben. An unseren Webinaren stellen Fachreferenten Technologien vor und beantworten Fragen. Im Anschluss werden die Videos auf YouTube hochgeladen. Wir veranstalten zudem Workshops, wo Hersteller, Anwender, Energieberater und Vertreter von Kantonen und Gemeinden zusammentreffen. Einmal im Jahr führen wir den Motor Summit durch, wo sich Anwender und Hersteller informieren können.

Welche Themen präsentieren Sie an der Maintenance Schweiz?
Unser Highlight an der Messe wird sein, dass wir im ScienceCenter das Vormittagsprogramm gestalten dürfen. Und da werden unsere Experten zu Motoren und Frequenzumrichtern berichten. Es wird um Normen und Vorschriften gehen, aber natürlich auch um Retrofit und Instandhaltung. Ein weiteres Thema werden die Förderprogramme des Bundes sein. Wir laden einen Vertreter des Bundes ein, uns auf den neuesten Stand zu bringen. Genauso wird auch Topmotors wieder einen Messestand unterhalten. Diesen Stand teilen wir uns mit Energie Zukunft Schweiz.

Was macht diese Messe im digitalen Zeitalter aus?
Wir sind als Aussteller das zweite Mal dabei, kennen aber die Messe seit zehn Jahren. Ich denke, Instandhaltung oder ein gut gewartetes System ist die Grundlage für ein energieeffizientes System. Auf der Maintenance Schweiz erhält der Besucher theoretische Grundlagen und kann dann, einen Stand weiter, bei den unterschiedlichen Anbietern konkrete Fragen zu den jeweiligen Gegebenheiten stellen. Das ist eine optimale Vernetzung. Das Messeformat ist kompakt und dennoch locker gestaltet und zieht ein bunt gemischtes Publikum an.   (msc)

Topmotors
8001 Zürich, 044 226 20 10
info@topmotors.ch

topmotors.ch



Rolf Tieben ist Technischer Direktor bei Impact Energy, dem Unternehmen, das Topmotors leitet. (Bild: Easyfairs)