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Pure Absicht

Agathons Dom Pure und die Frage, was wirklich auf die Maschine muss

Wer an der GrindingHub 2026 am Agathon-Stand vorbeiging, sah als Erstes das Graffiti.
Ein Hingucker auf der Messe: die Dom Pure mit auffälligem Graffiti. (Bild: Eugen Albisser)

Agathon zeigt mit der Dom Pure, was passiert, wenn man eine Hochpräzisionsmaschine nicht aufrüstet, sondern konsequent auf das Wesentliche zurückbaut, und ihr dabei die neueste Technik mitgibt. Eine Übung in Reduktion aus Bellach.


Text und Bilder: Eugen Albisser

Wer an der GrindingHub 2026 am Agathon-Stand vorbeiging, sah als Erstes das Graffiti. Die Dom Pure stand da in einer Folierung, die so gar nicht nach Schweizer Maschinenbau aussah, schon fast bunt provokant. Das war Absicht. Denn ohne das Graffiti, sagt CTO Stephan Scholze, wären viele Besucher einfach weitergelaufen. Hätten einen Seitenblick auf die Maschine geworfen und gedacht: Dom Plus, kenne ich.

Das wäre schade gewesen, denn die Dom Pure verdient Beachtung. In ihr steckt, wie schon der Name Pure andeutet, weniger als in der grösseren Schwester Plus, was man ihr äusserlich nicht ansieht. Aber eine Präzisionsmaschine ist sie alleweil.

Was auf der Maschine drauf ist, und was nicht

Die Dom Pure ist eine fix konfigurierte Umfangschleifmaschine für die hochpräzise Produktion von Wendeschneidplatten. Vier Palettenplätze, Umfangschleifen und einseitiges Anfasen, In-Prozess-Abrichten. Was gegenüber der grösseren Dom Plus wegfällt: das Palettenablagesystem mit seinen 8 bis 12 Plätzen, das Vision-System, die Wahl zwischen In-Prozess- und externem Abrichten. Eine etwas einfachere Verschalung, die bei der Herstellung einen Unterschied macht, aber beim Betrieb nicht auffällt. Und darunter: derselbe Sockel und dieselben Schleifbaugruppen wie in der Dom Plus.

Stephan Scholze: «Wer die typische ISO-Wendeschneidplatte fertigt, den Mainstream, kommt mit der Pure zurecht. Wer speziellere Anforderungen hat, greift zur Dom Plus oder zur Evo-Plattform.»

 

. Scholze formuliert den Anspruch klar: «Wir möchten das, was für Agathon steht, auch für einfachere Aufgaben in der gewohnten Qualität zur Verfügung stellen.»
CTO Stephan Scholze: «Wir möchten das, was für Agathon steht, auch für einfachere Aufgaben in der gewohnten Qualität zur Verfügung stellen.» (Bild: Eugen Albisser)

Die reduzierte und doch modernste Maschine

Die Dom Pure ist aber nicht einfach eine reduzierte Dom-Plus-Variante. Denn sie bietet gleichzeitig auch mehr. Diese etwas paradoxe Konstellation liegt in der Entstehungsgeschichte. Agathon hatte ohnehin eine grosse Produktpflege der Dom-Plattform geplant, die seit 2012 am Markt ist. Als man sich ans Werk machte, war das Pflichtenheft offen: neue Steuerung, neue Antriebstechnik, neue Hydraulik.

Und dann kam die Frage: Was, wenn man aus diesem technologischen Update nicht nur die nächste Dom Plus baut, sondern gleichzeitig eine reduzierte Variante, die den Kern des Schleifprozesses unverändert lässt, aber alles weglässt, was für die Qualität des Endprodukts nicht entscheidend ist?

Das Ergebnis zeigt sich an konkreten Stellen.

Technologisch am interessantesten ist der direkt angetriebene Werkstückspindelstock B-Achse. Direktantriebe auf der B-Achse waren lange Zeit ein Problem, weil die Körperschallsensorik mit ihnen nicht kompatibel war. Das hat sich geändert. Für den Kunden bedeutet der Direktantrieb weniger Wartung, eine höhere Lebensdauer als bei Schneckenantrieben und die Möglichkeit, höhere Umfangsgeschwindigkeiten zu fahren, was etwa bei Rundplatten neue Prozesse eröffnet. Agathon hat den Spindelstock ausgiebig im Feld getestet und wird ihn zukünftig auch in die Dom Plus und die Leo-Plattform übernehmen.

Auch das Hydrauliksystem für das Spannen an der B-Achse ist neu konstruiert: Ein Zylinder, der mit einer Servoachse angesteuert wird, baut den Hydraulikdruck auf und überträgt ihn auf den Aktor. Scholze erwartet davon eine höhere Prozesssicherheit über viele Jahre im Feld.

Trotzdem blieben Benutzeroberfläche und Software kompatibel. Programme lassen sich eins zu eins übertragen. Testkunden bestätigen das. Stephan Scholze: «Sie haben die Maschine geliebt. Und vor allem war sie halt völlig unauffällig.» Keine Umstellung, keine neue Schulung. Für einen Maschinenbauer, der eine neue Generation einführt, ist «unauffällig» das grösste Kompliment.

Box 1 | Dom Pure vs. Dom Plus im Überblick
  Dom Pure Dom Plus
Umfangschleifen ✓ ✓
Einseitiges Anfasen ✓ ✓
Palettenplätze 4 8–12 (Ablagesystem)
Vision-System — ✓
Abrichten In-Prozess In-Prozess oder extern
B-Achse Direktantrieb NEU Schneckenantrieb*
Sockel / Schleifbaugruppen Identisch Identisch
Software / Bedienung Identisch Identisch
Programme 1:1 übertragbar 1:1 übertragbar

* Produktpflege mit Direktantrieb - Zeitpunkt noch offen

 

Schweizer Präzision, neu kalkuliert

Der Treiber, der zur Entwicklung der Pure führte, ist offensichtlich: «Alle Werkzeugmaschinenhersteller erleben eine verstärkte Preiskonkurrenz, vor allem aus Fernost.» Maschinen aus Asien drängen auf den Markt und sie decken inzwischen einen Teil der Aufgaben ab, die früher auf europäischen Präzisionsmaschinen liefen. Agathon reiht sich mit der Pure in einen Branchentrend ein, der das Wesentliche vom Optionalen trennt.

Doch wo liegt die Schwelle? Für jeden Kunden wahrscheinlich woanders. Die Dom Pure versucht aber, den grössten gemeinsamen Nenner zu treffen, die Konfiguration, die für die Mehrzahl der Aufgaben reicht. Scholze formuliert den Anspruch klar: «Wir möchten das, was für Agathon steht, auch für einfachere Aufgaben in der gewohnten Qualität zur Verfügung stellen.»

Wenn der Maschinenbauer Lohnfertiger wird

Die Dom Pure war aber nicht die einzige Ankündigung, die Agathon machen konnte in diesen Wochen. Denn die Bellacher bieten seit kurzem auch eine Lohnfertigung an und zwar auf den eigenen Nova-Maschine, den Laseranlagen für die Endbearbeitung von Wendeschneidplatten und kleinen Präzisionsteilen aus superharten Werkstoffen.

Der Hintergrund ist pragmatisch. Die Nova dringt in neue Märkte vor: Medizintechnik, Uhrenindustrie, generell Anwendungen, in denen Miniaturisierung und Präzision bei hochharten Materialien gefragt sind. Viele potenzielle Kunden haben zwar eine Anwendung, aber anfangs zu wenig Volumen, um eine Lasermaschine auszulasten. «Wir können sozusagen eine Zwangsbedingung von dieser Gleichung lockern», sagt Stephan Scholze.

Agathon fertigt im eigenen Haus, der Kunde macht einen risikofreien Ramp-up, und wenn die Stückzahlen steigen, kauft er die Maschine und übernimmt den Prozess ohne Anpassung.

In der Anwendungstechnik in Bellach stehen vier Lasermaschinen bereit, zwei Neo und zwei Nova. Ein erfahrener Mitarbeiter leitet den Bereich, nimmt Aufträge an, schätzt sie technisch ein, schreibt die Programme.

CTO Stephan Scholze selbst nennt es «durchaus ein Experiment.» So in etwa wie das Graffiti auf der Dom Pure, das sich ebenfalls als Experiment verstand und sich als erfolgreicher Hingucker herausstellte. Kein schlechter Anfang also für eine Maschine, deren grösstes Kompliment es ist, dass sie nicht weiter auffällt.

Box 2 | Lohnfertigung bei Agathon: Laserfertigung in Bellach
Standort Anwendungstechnik Agathon AG, Gurzelenstrasse 1, 4512 Bellach
Maschinenpark 2 × Nova (Ablationslaser, 6 Achsen), 2 × Neo
Werkstoffe PKD, CBN, CVD-Diamant, technische Keramik, Saphir
Arbeitsbereich Nova 50 × 50 × 50 mm, Toleranz 0.002 mm
Angebot Prototypen, Kleinserien, Prozessvalidierung
Kontakt agathon.ch/de/lohnfertigung ↗

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Impressum

Text: Eugen Albisser

Bilder: Eugen Albisser

Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Informationen

Agathon

www.agathon.ch

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Veröffentlicht am: 19.06.2026

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