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Wenn Technologiegeschichten ängstigen

Vortrag des Futuristen Pablos Holman am 3DExpierience World Dassault Systems in Houston

Technologe, Futurist und «Inventor Capitalist» Pablos Holman zusammen mit unserem Autor Thomas Back an der 3DXW26 in Houston. (Bild: Thomas Back)
Technologe, Futurist und «Inventor Capitalist» Pablos Holman (links) zusammen mit unserem Autor Thomas Back an der 3DXW26 in Houston. (Bild: Thomas Back)

Auf der 3DExperience World in Houston (USA) wird viel über Künstliche Intelligenz gesprochen. Selten jedoch so grundsätzlich wie in dem Vortrag des Futuristen und «Inventor Capitalist» Pablos Holman. Es geht nicht um Tools oder Features, sondern um Angst, Verantwortung und um die Frage, warum wir Technologien oftmals fürchten, anstatt diese sinnvoll zu nutzen.


Von Thomas Back (Text und Bild)

Houston ist an diesen Tagen ein Ort der Systeme. In den Hallen der 3DExperience World treffen Ingenieure, Entwickler, Industrievertreter und Strategen aufeinander, um über Digitale Zwillinge, Simulationen und neue industrielle Prozesse zu sprechen. Doch zwischen all den technischen Diskussionen ragt ein Vortrag heraus, der sich bewusst nicht in Details verliert.

Pablos Holman spricht über künstliche Intelligenz, aber er spricht vor allem über uns. Über unsere Wahrnehmung, unsere Geschichten und unsere Reflexe. Gleich zu Beginn seiner Keynote formuliert er einen Satz, der im Raum hängen bleibt: «We are scaring ourselves to death.» Wir versetzen uns selbst in Angst, nicht aber, weil Technologien objektiv so bedrohlich sind, sondern weil wir gelernt haben, sie so zu erzählen.

Der Visionär meint damit keine bewusste Panikmache, sondern einen Mechanismus, der tief in uns Menschen sitzt. Angst ist evolutionär wirksam. Unser Gehirn reagiert schneller auf Bedrohungen als auf Chancen. Wer in der Vergangenheit Gefahren ignorierte, überlebte nicht. Wer Möglichkeiten übersah, hatte lediglich Pech. Dieses Ungleichgewicht prägt bis heute unsere Wahrnehmung.

Warum Angst so leicht verfängt

Medien, so Pablos Holman, verstärken diesen Mechanismus. Nicht aus böser Absicht, sondern aus ökonomischer Logik. Aufmerksamkeit ist die knappste Ressource der Gegenwart. Angst bindet Aufmerksamkeit zuverlässig. «Scary stories sell», sagt er dazu nüchtern. Sie lassen sich einfach erzählen, global verbreiten und emotional aufladen.

Gerade Künstliche Intelligenz eignet sich hervorragend als Projektionsfläche. Sie ist unsichtbar, abstrakt und schwer erklärbar. Sie wirkt autonom, obwohl sie es nicht ist. Aus dieser Mischung entstehen Narrative von Kontrollverlust, Jobvernichtung und existenzieller Bedrohung. Der Diskurs wird laut, aber nicht unbedingt klug.

Das eigentliche Problem beginnt dort, wo Angst nicht mehr zur Vorsicht führt, sondern zur Lähmung. Pablos Holman beschreibt eine Gesellschaft, die täglich mit Problemen konfrontiert wird, auf die sie keinen Einfluss hat. «You are not going to fix all of this», sagt er. Wer sich permanent ohnmächtig fühlt, zieht sich zurück. Aufmerksamkeit wird verbraucht, ohne dass Handlung entsteht.

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Pablos Holman

Technologe, Investor und Futurist. Holman arbeitet seit Jahrzehnten an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft. Er war unter anderem an frühen Raumfahrtprojekten beteiligt, arbeitete an neuen Energie- und Reaktorkonzepten und investiert in Technologien, die auf reale, globale Probleme zielen. Sein zentrales Anliegen: Technologie nicht als Bedrohung zu erzählen, sondern als Werkzeug für Fortschritt, Verantwortung und Sinn.

Nicht die Technologie ist das Problem

Einer der zentralen Gedanken des Vortrags lautet: Nicht die Technologie ist gefährlich, sondern die Geschichten, die wir über sie erzählen. Holman verweist auf die Geschichte der Kernenergie. Falsche oder verkürzte Narrative hätten dort über Jahrzehnte Regulierung, Investitionen und öffentliche Wahrnehmung geprägt. «It takes generations to recover from the wrong story.»

Für ihn ist klar: Bei künstlicher Intelligenz stehen wir an einem ähnlichen Punkt. Noch ist offen, welches Bild sich verfestigt. Noch ist Zeit, den Fokus zu verschieben, weg von Angst, hin zu Verantwortung und Gestaltung.

KI sei zunächst nichts weiter als ein Werkzeug. Weder gut noch böse. Entscheidend sei, wofür wir sie einsetzen. Und hier wird Pablos Holman deutlich kritischer. «We are aiming AI at toys», sagt er. Wir würden enorme Rechenleistung darauf verwenden, Bilder zu generieren, Clips zu produzieren oder Unterhaltung zu optimieren. Zwar sei das technisch beeindruckend, gesellschaftlich aber eine massive Unterforderung.

KI braucht Sinn

Pablos Holman plädiert dafür, Künstliche Intelligenz konsequent auf reale, ungelöste Probleme anzusetzen. Dabei denkt er an komplexe Aufgabenbereiche, wie zum Beispiel bei der Energieerzeugung und -versorgung, in der Materialwissenschaft oder in der Medizin und Produktion, in der klassische Modelle an ihre Grenzen stossen: «We should aim AI at science».

Besonders eindrücklich wird seine Argumentation beim Thema Energie. Energie sei nicht nur eine technische Ressource, sondern eine gesellschaftliche Grundlage. Viele geopolitische Konflikte seien im Kern Ressourcenkonflikte. Wer Zugang zu sauberer, günstiger Energie habe, gewinne Stabilität und Handlungsspielraum.

Holman spricht über neue Reaktorkonzepte, über modulare Systeme, über die Möglichkeit, Energie dort bereitzustellen, wo sie gebraucht wird. Es geht ihm nicht um eine einzelne Technologie, sondern um einen Richtungswechsel. «Don’t just tell people what they shouldn’t do. Show them a better way.»


3DExperience World 2026 - Live!

Interviews und Vorträge direkt aus Houston. (Youtube-Kanal von Dassault)


Gestaltung statt Verdammung

Dieser Satz trifft einen Nerv, da viele Technologiedebatten im Warnmodus verharren. Sie benennen Risiken, ohne dabei aber Alternativen aufzuzeigen. Pablos Holman fordert daher einen Perspektivenwechsel: Nicht Schreien, sondern Gestalten; nicht Alarmismus, sondern Verantwortung.

Das gilt auch für die Bereiche «Arbeit» und «Bildung». Technologischer Wandel habe schon immer Berufe verändert. Entscheidend sei nicht, ob sich Arbeit wandelt, sondern wie wir diesen Wandel begleiten. KI könne monotone, gefährliche Tätigkeiten übernehmen und Raum schaffen für Aufgaben, die menschliche Nähe, Urteilskraft und Verantwortung erfordern.

Zum Ende seines Vortrags wird Pablos Holman persönlich. «You vote with your attention», sagt er. Aufmerksamkeit sei die wichtigste Ressource, die wir hätten. Wer sie permanent auf Angst richte, stimme gegen Gestaltung.

Auf der 3DExperience World in Houston bleibt dieser Gedanke haften. Nicht als technische Fussnote, sondern als Haltung. Künstliche Intelligenz ist kein Schicksal, sondern vielmehr ein Werkzeug. Was wir daraus machen, hänge daher viel weniger von Algorithmen ab als von den Geschichten, die wir uns selbst erzählten.

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Impressum

Autor: Thomas Back

Foto: Thomas Back

Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Informationen

Dassault Systems

www.3ds.com

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  • Dassault Systems
  • Digitalisierung
  • Künstliche Intelligenz
  • Solidworks

Veröffentlicht am: 04.02.2026

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