Seit März gibt es den Verein Form3D, entstehen soll so ein branchenübergreifendes Bildungszentrum für die additive Fertigung. Im Fokus: Lernende, Fachkräfte und Studierende höherer Fachschulen. Die Hintergründe.
In der Forschung zur additiven Fertigung gilt die Schweiz als gut aufgestellt. Der Schritt in die industrielle Umsetzung aber erfolgt mit Bedacht: «Das liegt wohl in unserer DNA: Wir investieren in Forschung und Innovationen, sind aber dann abwartend, der Weg in die Industrie dauert länger», sagt Adriaan Spierings, Leiter Industriesektor additive Fertigung bei Swissmem (siehe auch Interview).
Wissenstransfer fördern
Um diesen Transfer zu beschleunigen, ist die Initiative AM-TTC zum Aufbau eines Verbunds von Schweizer Technologietransferzentren («Advanced Manufacturing Technology Transfer Centers») entstanden. Die Initiative ist Teil des Aktionsplans «Digitalisierung» des Bundes.
Eines dieser Zentren ist das 2019 gegründete Swiss m4m Center in Bettlach/SO, spezialisiert auf additive Fertigung in der Medizin- und Dentaltechnik. Dank einer NRP (Neue Regionalpolitik)-Finanzierung des Kantons Solothurn bietet das Zentrum seit 2020 auch Schulungen an.
Seit März 2026 ist dieser Bildungsbereich neu im Verein Form3D angesiedelt. «Unter dem Dach von Swiss m4m ist ein Bildungsangebot entstanden, das jetzt über den Verein Form3D in die Eigenständigkeit geführt werden soll», erläutert Geschäftsführerin Monika Weder.
Standardisiertes, modulares Kursprogramm ausarbeiten
Finanziert wird der Verein in einer Aufbauphase über eine Anschubfinanzierung (2/3 NRP, 1/3 Swiss m4m Center) sowie über Stiftungsgelder, Mitgliederbeiträge und Kurseinnahmen. Langfristig soll sich das Konzept selbst tragen.
Ziel von Form3D ist es, praxisorientiertes Wissen zum 3D-Druck branchenübergreifend und über die gesamte Wertschöpfungs- und Herstellungskette hinweg zu vermitteln. Angeboten werden zunächst die bereits unter Swiss m4m entwickelten dreitägigen Grundkurse für Lernende (Polymechaniker/EFZ und Konstrukteur/EFZ) sowie auf Anfrage ein dreitägiges Basismodul für Fachkräfte, das auch firmenintern gebucht werden kann. Später sollen Ergänzungskurse für Fach- und Führungskräfte hinzukommen.
Zu Beginn finden die Kurse weiterhin in Bettlach statt. «Doch unser Ziel ist es, ein standardisiertes, modulares Kursprogramm auszuarbeiten, das dann auch an anderen Standorten – zum Beispiel bei Partnerfirmen – durchgeführt werden kann», so Weder. Denkbar sei damit auch, künftig überbetriebliche Kurse im Rahmen der beruflichen Grundbildung anzubieten.
Bildungslücken schliessen
Warum ist das nötig? Ist die Schweiz im Bereich der additiven Fertigung in der Aus- und Weiterbildung noch nicht gut genug aufgestellt? Für Nicolas Bouduban, CEO des Swiss m4m Center, ist klar: «Mehr wäre besser.» Bei Weiterbildungen gebe es zwar Programme im Hochschulbereich, etwa den CAS an der ZHAW in Winterthur, der seit Jahren als Referenz gelte, sowie gute Angebote der Branchenverbände: «Doch der Bedarf nach praxisnahen Angeboten für Fachkräfte und Studierende höherer Fachschulen ist bisher nur punktuell abgedeckt.»
Handlungsbedarf sieht er zudem in der Berufsbildung: «Mit FutureMEM ist die additive Fertigung zwar im Curriculum jetzt stärker vertreten.» Doch müssten Lernende «additivgerecht konstruieren können und einfache Teile verstehen – und das bleibt weiterhin ein Oberflächenverständnis.»
Bildungslücken schliessen
Warum ist das nötig? Ist die Schweiz im Bereich der additiven Fertigung in der Aus- und Weiterbildung noch nicht gut genug aufgestellt? Für Nicolas Bouduban, CEO des Swiss m4m Center, ist klar: «Mehr wäre besser.» Bei Weiterbildungen gebe es zwar Programme im Hochschulbereich, etwa den CAS an der ZHAW in Winterthur, der seit Jahren als Referenz gelte, sowie gute Angebote der Branchenverbände: «Doch der Bedarf nach praxisnahen Angeboten für Fachkräfte und Studierende höherer Fachschulen ist bisher nur punktuell abgedeckt.»
Handlungsbedarf sieht er zudem in der Berufsbildung: «Mit FutureMEM ist die additive Fertigung zwar im Curriculum jetzt stärker vertreten.» Doch müssten Lernende «additivgerecht konstruieren können und einfache Teile verstehen – und das bleibt weiterhin ein Oberflächenverständnis.»
Ziel: neue Denkweise
Dabei verlangt die additive Fertigung eine grundsätzlich andere Denkweise: «Es muss auf allen Ebenen neu gedacht werden», betont Pierangelo Gröning, Verwaltungsrat Swiss m4m und Vorstandspräsident von Form3D. Denn: «3D-Druck hat meist erst Erfolg in der Betrachtung des Gesamtsystems.»
Um dieses Umdenken zu fördern, will Form3D daher «die Lücke zwischen Hochschule und Anwendung schliessen.» Ein Augenmerk gilt dabei KMU: «Sie können den Effort, den es braucht, um neue Technologien einzuführen, oft nicht so einfach aufbringen», sagt Gröning. Erklärtes Ziel ist deshalb, «gerade auch KMU eine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, damit diese ohne grosse Investitionshürden an dieser Technologie partizipieren können.»
In einem ersten Schritt werden dafür jetzt die Kursangebote weiter auf- und ausgebaut, um in den nächsten ein bis zwei Jahren regelmässig Kurse anbieten zu können. Und wo soll Form3D sich langfristig positionieren? «Unsere Vision ist, dass Form3D sich zu einer zentralen Anlaufstelle für die Aus- und Weiterbildung im AM-Bereich entwickeln wird», so Gröning. Auch eine Zertifizierung der Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit den Branchenverbänden «könnte langfristig ein Thema sein.»
«Die Industrie muss auch wollen» - Ein Interview mit Adriaan Spierings von Swissmem
Wie steht die Schweiz im 3D-Druck da? Adriaan Spierings von Swissmem ordnet ein.
Herr Spierings, laut Wohlers Report 2026 ist der Umsatz in der additiven Fertigung 2025 global um 10,9 Prozent auf 24,2 Mrd. US-Dollar gestiegen. Welche Erkenntnisse nehmen Sie noch mit?
Ich gehe davon aus, dass die additive Fertigung insgesamt auch künftig global erhebliche Wachstumsraten haben wird. Doch ist die Situation vielschichtig: In Märkten, die keine hohen Qualitätsansprüche stellen, ist eine gewisse Sättigung festzustellen. Bei hochqualitativen Anforderungen indes findet weiterhin ein interessantes Wachstum statt. Hier wurde in den letzten 20 Jahren viel investiert und erreicht, auch in der Schweiz. Doch gibt uns die Fertigungsindustrie ihre Qualitätskriterien und Kosten-strukturen vor, und hier wurde von Seiten der additiven Fertigung bisher mehr versprochen, als eingehalten werden konnte. Daher gilt es aus Industriesicht noch erhebliche Bottlenecks zu lösen.
Welche sind das genau?
Ein Punkt ist die Zertifizierung von AM-gefertigten Teilen, also eine Bestätigung, dass ein Bauteil für eine bestimmte Anwendung geeignet ist. Erste Technologien dafür existieren, aber sie müssen noch fertig entwickelt und integriert werden. Ein zweiter Punkt betrifft das Qualitätsmanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette via SPC (Statistical Process Control); hier gibt es bereits Einzelbausteine, doch müssen die Daten nun auf digitaler Ebene vernetzt werden. Und der dritte Punkt ist: Die Technologie ist immer noch zu teuer. Wir müssen wettbewerbsfähiger werden. Dass das geht, macht uns China vor.
Was heisst das für die Schweiz?
Nicht nur die Schweiz, ganz Europa wird kämpfen müssen, es wird eine weitere Bereinigung stattfinden. Doch denke ich, dass langfristig für Europa und die Schweiz weiterhin ein Wachstum möglich sein wird, besonders dort, wo wir jetzt schon stark sind: Technologie und Qualität. Denn die Schweiz steht insgesamt gut da: Das Schweizer Ökosystem bildet heute die gesamte Wertschöpfungskette ab von Software über einzelne Unternehmen im Anlagenbau bis zum Post Processing. Und nicht zu vergessen: Gute Dienstleister sowohl für Metall- als auch für Kunststoffteile.
Hat die additive Fertigung in der Schweiz aus Ihrer Sicht genug Förderung erfahren?
Die Schweiz geht einen Weg, den ich befürworte: Sie überlässt es Forschung und Industrie, sich sinnvoll zu entwickeln. Doch kämpfen wir schon um mehr Visibilität: So unterstützen wir von Swissmem die AM-Europe-Initiative, eine durch die Vereinigung der europäischen Werkzeugmaschinenindustrie CECIMO getragene Plattform nationaler Verbände im AM-Bereich. Die Initiative basiert auf der Erkenntnis, dass in Europa additive Fertigung im Moment zu wenig gefördert wird, gerade auch in Relation zu Amerika und China. Dabei wäre eine weitere Förderung zentral, gerade auch, um die erwähnten Bottlenecks zu lösen.
Additive Fertigung verlangt auch nach einem anderen Denken. Wie weit ist dieses in den Köpfen angekommen?
Zu wenig. Das ist auch mit ein Grund, weswegen wir über die Swiss Additive Manufacturing Group (SAMG) eine Weiterbildungsstruktur für den Bereich AM aufgebaut hatten. Doch braucht es viel, um Unternehmen zu einer Kursteilnahme zu bewegen. Wir sind daher umso dankbarer für Initiativen wie Form3D, weil damit jetzt ein koordinierter Ansatz stattfindet, der versucht, alle Player an Bord zu bringen. Ein Ziel wäre es zum Beispiel, künftig über Form3D überbetriebliche Kurse anzubieten. All das gilt es nun im Rahmen von Form3D zu entwickeln. Dazu brauchen wir Unternehmen, die bereit sind, sich einzubringen – aber auch Unternehmen, die ihre Lernenden oder Fachleute dann in diese Kurse schicken. Wir können nur die Angebote aufbereiten, die Industrie muss sie auch wahrnehmen.
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Text: Selina Mathis
Bildquelle: div.
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau
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