Eplan baut die Datenkette vom Engineering zum Betrieb
Der neue Copilot beantwortet Anwendern der Planungssoftware Fragen in natürlicher Sprache. Für Jan Fleming, Vice President Customer Journey bei Eplan, zählt aber etwas anderes: ob Daten ohne Übersetzungsarbeit über Firmen- und Prozessgrenzen hinweg weiterfliessen.
Autor: Ronald Heinze
Rund 1500 Besucher aus 36 Nationen, neue Produkte, Future Lab und Partner Plaza: Mit dem globalen Engineering-Festival Eplan Next26 startete der Lösungsanbieter in diesem Jahr in München nicht nur ein neues Veranstaltungsformat, welches wie ein Rockfestival jedem Besucher ein relevantes Angebot gemacht hat. Für Jan Fleming war das Festival auch die Bühne für eine grössere Botschaft: «Eplan versteht sich als Bindeglied zwischen den verschiedenen Playern in der Industrie – vom Komponentenhersteller über Maschinen- und Anlagenbauer bis zum Betreiber.» Genau diese Verbindungen sollen künftig nicht nur organisatorisch, sondern vor allem digital noch enger werden. Das Ziel: durchgängige End-to-End-Prozesse von der Planung bis zum Betrieb.
Auf einen Blick
- Eplan Next26 in München: rund 1500 Besucher aus 36 Nationen
- Eplan Plattform 2027: seit September verfügbar, rund 500 Kundenanforderungen eingeflossen
- Eplan Data Portal: mehr als vier Millionen Artikeldaten von über 550 Herstellern
- Product Change Notification auf Basis der Verwaltungsschale: Premiere mit Phoenix Contact an der SPS
- Eplan Next27: 9. und 10. Juni 2027 in Köln
Aus dem Copiloten soll schrittweise ein Pilot werden
Der sichtbarste Auftakt war der Launch des Eplan Copilot. Er führt Engineering-Wissen, Plattformfunktionen und konkrete Aufgaben über natürliche Sprache zusammen. Wer beispielsweise wissen will, in welchen Projekten eine bestimmte Komponente eingesetzt wurde, fragt nach der Artikelnummer; die KI durchsucht die Cloud-Projekte und liefert die Fundstellen. «Wir wollen es Anwendern leicht machen, sich in der Eplan Software schnell zurechtzufinden, und ihnen Wissen und Funktionen genau dann zur Verfügung stellen, wenn sie sie brauchen», beschreibt J. Fleming den Ansatz.
Dabei zieht Eplan eine klare Grenze zwischen Assistenz und Autonomie. Der Copilot greift zunächst auf geprüftes Eplan-Wissen zu; perspektivisch sollen Partner-, Kunden- und Normenwissen hinzukommen. «Im Engineering muss das Ergebnis reproduzierbar und sicher sein. Dafür muss die Architektur stimmen», sagt J. Fleming. Deshalb werde der Copilot nicht einfach mit beliebigen Internetinformationen arbeiten. Die Vision bleibt dennoch ambitioniert: Mit wachsender Wissensbasis und zusätzlichen Skills soll aus dem Copiloten schrittweise ein Pilot werden.
«Eine Maschine, die zu 99 % richtig konstruiert ist, funktioniert im Zweifel eben trotzdem nicht.»
Jan Fleming, Vice President Customer Journey, Eplan
Regelbasierte Projektgenerierung skaliert auch ohne KI
Die nächste Stufe der Entwicklung ist die Eplan Plattform 2027, die seit September verfügbar ist. Rund 500 Kundenanforderungen sind nach Unternehmensangaben in die Entwicklung eingeflossen. J. Fleming spricht von «bedingungsloser Nutzerfreundlichkeit». Neue Funktionen in Preplanning, Electric P8 und Pro Panel sollen Planungsschritte vereinfachen und stärker automatisieren, etwa in der Vorplanung oder bei der Projektgenerierung in 3D. Der Eplan-Manager sieht dahinter jedoch mehr als ein klassisches Software-Update: «Der Kernnutzen von Eplan für Unternehmen ist es, zu skalieren – also mit den vorhandenen Ressourcen mehr Projekte und mehr Varianten beherrschbar zu machen», fokussiert J. Fleming.
Dazu gehört auch, Wiederverwendung konsequent zu organisieren. Regelbasierte Projektgenerierung kann bereits heute grosse Produktivitätseffekte erzeugen, ohne dass dafür zwingend KI nötig ist. «Skalierung beginnt nicht erst mit künstlicher Intelligenz», betont der Eplan-Manager. «Wenn wir Funktionen standardisieren, wiederverwenden und automatisiert zusammensetzen, gewinnen wir Geschwindigkeit und Qualität – und begegnen gleichzeitig dem Fachkräftemangel.» Vieles funktioniert bereits regelbasiert. «In Eplan werden standardisierte, wiederverwendbare Schaltplanfunktionen über Konfigurationen zu projektspezifischen Lösungen zusammengesetzt», stellt J. Fleming heraus. «Da spielt heute KI weniger eine Rolle.» Trotzdem entstünden massive Skalierungseffekte.
Saubere Daten reichen bis in die Qualitätssicherung
Strategisch wichtiger wird zugleich das Datenmanagement in der Cloud. Projekt-, Stamm- und Artikeldaten sollen nicht mehr als getrennte Welten behandelt werden; mit der Eplan Plattform 2027 soll die Synchronisation von Stamm- und Artikeldaten über die Eplan Cloud weiter in den Arbeitsablauf rücken. «End-to-End heisst für uns, dass die Daten nicht an der Grenze einer einzelnen Anwendung abreissen», formuliert J. Fleming. Der Anspruch ist damit grösser als eine komfortablere Bedienoberfläche: Die Plattform soll zum durchgängigen Datenfundament für weitere Prozessschritte werden.
Wie weit dieses Datenfundament in nachgelagerte Prozesse reichen kann, zeigte auf der Eplan Next26 der Hersteller Eaton. In einem Schaltanlagenwerk in China dient die Eplan Plattform als Backbone des Elektro-Engineerings; humanoide Roboter prüfen dort mit Kameras bereits Verdrahtungen und gleichen Kennzeichnungen mit der Engineering-Dokumentation ab. J. Fleming sieht darin mehr als einen spektakulären KI-Case: «Der Roboter scannt den Schaltschrank, gleicht die Kennzeichnungen mit dem Schaltplan ab und erkennt falsch beschriftete oder falsch verdrahtete Verbindungen. Das zeigt, welchen Nutzen saubere Engineering-Daten bis in die Qualitätssicherung hinein entfalten können.»
Smart Sourcing verbindet Konstruktion und Einkauf
Wie das aussehen kann, zeigt Eplan Smart Sourcing, das auf der Next26 ebenfalls Premiere feierte. Die Lösung verbindet Elektrokonstruktion und Beschaffung: Bereits während der Planung lässt sich prüfen, ob benötigte Komponenten bei angebundenen Herstellern und Distributoren verfügbar sind und welche Lieferzeiten gelten. Kritische Teile können früher ersetzt, qualifizierte Stücklisten an den Einkauf übergeben werden. «Smart Sourcing ist für uns ein gutes Beispiel dafür, wie wir eine Lücke im End-to-End-Prozess schliessen», sagt J. Fleming. «Eine technische Entscheidung im Engineering bekommt damit unmittelbar einen Bezug zur realen Verfügbarkeit in der Lieferkette.»
Die Verwaltungsschale soll Systemen eine Sprache geben
Solche Verbindungen funktionieren allerdings nur, wenn die beteiligten Systeme dieselbe Sprache sprechen. Deshalb rücken offene Standards in der Eplan-Strategie weit nach vorn. «KI ist ohne saubere, standardisierte Daten als Fundament nicht viel wert», bringt J. Fleming es auf den Punkt. Die Asset Administration Shell, kurz AAS oder Verwaltungsschale, soll Informationen herstellerunabhängig strukturiert transportierbar machen; Eclass Advanced liefert dabei eine wichtige semantische Grundlage. Die IDTA definierte mit der AAS die Struktur, Schnittstellen und Semantik für einen standardisierten digitalen Zwilling.
Für Eplan ist das nicht nur ein Standardisierungsthema. Im Data Portal stehen aktuell mehr als vier Millionen statische und konfigurierbare Artikeldaten von über 550 Herstellern zur Verfügung. Werden solche Daten standardisiert bereitgestellt, lassen sie sich nicht nur im Schaltplan nutzen, sondern über weitere Prozessschritte hinweg wiederverwenden und automatisiert verarbeiten. «Aus Daten wird erst dann ein echter Produktivitätshebel, wenn sie eindeutig sind und sich ohne Übersetzungsarbeit weiterverwenden lassen», hebt J. Fleming hervor. Cloud, KI und AAS sind aus seiner Sicht deshalb keine getrennten Technologietrends, sondern Bausteine derselben End-to-End-Architektur.
Dass die Verwaltungsschale schon seit Jahren diskutiert wird, verschweigt J. Fleming nicht. Gerade in Deutschland werde viel konzipiert und wissenschaftlich zu Ende gedacht, die pragmatische Umsetzung in marktfähige Lösungen gelinge aber nicht immer schnell genug. Diesmal sieht er hier die Chance auf die nötige kritische Masse. Grosse Industrieunternehmen müssten sich nicht nur zur AAS bekennen, sondern reale Anwendungen aufbauen.
«Das reine Bekenntnis zu einem Standard wird uns nicht weiterhelfen. Die entscheidende Frage ist, ob wir daraus Lösungen schaffen, die für Anwender einfach nutzbar sind.»
Jan Fleming, Vice President Customer Journey, Eplan
Die Änderungsmeldung findet den Konstrukteur selbst
Wie konkret das werden kann, zeigt die Product Change Notification, kurz PCN. Das Problem beschreibt J. Fleming aus Sicht eines Komponentenherstellers: «Ein Gerät wird an den Schaltschrankbauer geliefert, der Schaltschrank wandert in eine Maschine und diese schliesslich zum Betreiber. Wie erreiche ich als Komponentenhersteller am Ende den Nutzer meines Geräts, wenn ich gar nicht weiss, wo es verbaut wurde?» Datentechnisch lasse sich diese Kette über Verwaltungsschale und Eplan-Projekte schliessen.
Eplan und Phoenix Contact haben dafür einen AAS-basierten Use Case entwickelt. Ändert ein Hersteller eine Komponente, kündigt sie ab oder stellt etwa ein sicherheitsrelevantes Update bereit, kann die Information strukturiert übermittelt und im Eplan Data Portal verarbeitet werden. Der Konstrukteur erhält einen Hinweis und kann erkennen, in welchen Projekten oder Bestandsanlagen der betroffene Artikel vorkommt. «Genau an solchen Anwendungen entscheidet sich, ob ein Standard echten Wert schafft», ist J. Fleming überzeugt. «Die Information soll nicht irgendwo liegen – sie muss automatisch dort ankommen, wo sie eine Entscheidung auslöst.» «Auf der SPS präsentieren wir gemeinsam mit Phoenix Contact die neue Lösung zum Thema Product Change Notification (PCN). Hier zeigen wir gemeinsam, dass wir in Deutschland aus einer richtig guten Idee auch eine pragmatische Lösung im Markt etablieren können», schliesst J. Fleming an.
Damit verändert sich auch die Rolle von Eplan. Aus dem Anbieter einer Engineering-Plattform wird zunehmend ein Akteur in einem digitalen Ökosystem, das Komponentenhersteller, Maschinen- und Anlagenbauer, Schaltschrankbauer, Distributoren und Betreiber miteinander verbindet. Entscheidend ist dabei nicht allein, welche Funktionen die Software bietet, sondern ob Daten über Unternehmens- und Prozessgrenzen hinweg nutzbar bleiben.
Die Eplan Next27 in Köln soll Fortschritte belegen
Und genau hier schliesst sich der Kreis zur Eplan Next. Bereits im Mai auf der Eplan Next26 wurde im Panel «Connected Industry» das Versprechen für die Entwicklung konkreter Lösungen unter Nutzung der Verwaltungsschale abgegeben. Die SPS markiert den nächsten Meilenstein: Dort wird das Versprechen durch Eplan und Phoenix Contact eingelöst mit einer ersten Lösung. Und für den 9. und 10. Juni 2027 ist die nächste Eplan Next in Köln angekündigt. J. Fleming stellt nicht nur weitere Produktneuheiten und einen noch grösseren Auftritt in Aussicht, sondern vor allem sichtbare Fortschritte bei den datengetriebenen Themen. «Die Eplan Next27 wird für uns ein Proofpoint», sagt er. «Haben wir bei AAS und den End-to-End-Prozessen wesentliche Schritte gemacht – oder stehen wir ein Jahr später noch da und sagen, wir müssten mal?»
Für J. Fleming laufen dabei zwei Entwicklungslinien zusammen: Auf der einen Seite sollen KI, Automatisierung und bessere Bedienbarkeit den Anwender zum «bestmöglichen Ingenieur» machen. Auf der anderen Seite sollen standardisierte Daten und offene Schnittstellen die Prozesskette über Unternehmensgrenzen hinweg schliessen. Autonomes Engineering wäre dann nicht der Ausgangspunkt, sondern die Konsequenz einer sauber aufgebauten Daten- und Prozessarchitektur. Oder, wie J. Fleming es zusammenfasst: «Erst wenn die Daten durchgängig sind, können wir auch die künstliche Intelligenz wirklich durchgängig nutzen.»
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