Die Hans Eberle AG ist eine Metallwarenfabrik mit Sitz in Ennenda, Kanton Glarus. Gegründet 1953 durch Hans und Ursula Eberle, beschäftigt das ISO zertifizierte Familienunternehmen heute über 170 Mitarbeitende und zählt zu den führenden Blechbearbeitungsbetrieben der Schweiz. Das Leistungsportfolio umfasst die gesamte Wertschöpfungskette der Blechbearbeitung.
Trotz Kurzarbeit und geopolitischem Druck investiert die Hans Eberle AG in eine vollautomatische Schwenkbiegemaschine. Die neue Anlage zeigt, wie Schweizer Industriebetriebe mit Technologie ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau
Die Schweizer Industrie steht unter Druck. Geopolitische Verwerfungen, die Folgen der amerikanischen Zollpolitik und ein anspruchsvolles Marktumfeld prägen den Alltag vieler Betriebe. Auch die Hans Eberle AG in Ennenda blieb davon nicht verschont und führte im vergangenen Jahr Kurzarbeit ein. Dennoch setzt das Familienunternehmen bewusst auf Expansion durch Technologie. Rund eine Million Euro investiert der Betrieb in ein Schröder Evo Center 3200, eine hochautomatisierte Schwenkbiegemaschine.
Automatisierung als Antwort auf strukturellen Kostendruck
Mit der neuen Anlage verändert sich die Fertigung grundlegend. Die Produktionsgeschwindigkeit steigt laut Unternehmen um den Faktor drei, während sich der Personalbedarf reduziert. Tätigkeiten, die bisher zwei Mitarbeitende erforderten, übernimmt künftig eine einzelne Bedienperson, die lediglich be- und entlädt. Die Maschine richtet sich selbstständig ein und ersetzt damit das manuelle Bestücken mit schweren Werkzeugen vollständig.
Diese Entwicklung wirkt in zwei Richtungen: Einerseits sinkt die körperliche Belastung für die Mitarbeitenden, andererseits erhöht sich die Prozesssicherheit. Gerade bei grossformatigen Blechteilen mit kleineren Abkantungen spielt die Technologie ihre Stärken aus. Typische Anwendungen sind Maschinenverkleidungen, Blechgehäuse oder Ölauffangwannen in Serienfertigung.
Breites Anwendungsspektrum ohne Sonderwerkzeuge
Ein technischer Vorteil liegt im sogenannten Steppen. Dabei erzeugt die Maschine grössere Radien in kleinen Segmenten, ohne dass spezielle Werkzeuge erforderlich sind. Das erweitert die Flexibilität in der Fertigung erheblich und reduziert Rüstzeiten. Auch komplexe Geometrien lassen sich so wirtschaftlich abbilden.
Klare Haltung des Managements
Die Investition erfolgt bewusst in einem schwierigen Umfeld. Geschäftsführer Andreas Zweifel formuliert die strategische Haltung unmissverständlich:
«Ja, wir haben Kurzarbeit. Ja, die amerikanischen Zölle und die geopolitische Lage haben uns getroffen. Aber wir sitzen nicht einfach ab und warten. Wir investieren jetzt, damit wir morgen wieder die richtigen Märkte erreichen, mit der Qualität, die wir liefern können, und zu einem Preis, der stimmt. Das ist die einzige Antwort, die ich kenne.»
Diese Aussage verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Automatisierung und Marktstrategie. Effizienzgewinne sind nicht Selbstzweck, sondern Voraussetzung für wettbewerbsfähige Preise bei gleichzeitig hoher Qualität.
Tradition trifft industrielle Transformation
Die Hans Eberle AG blickt auf eine rund 70-jährige Geschichte zurück. Aus einer handwerklich geprägten Metalldrückerei entwickelte sich ein umfassender Blechbearbeitungsbetrieb mit über 160 Mitarbeitenden am Standort Ennenda. Heute deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Konstruktion über Stanzen, Lasern und Schweissen bis zur montagefertigen Baugruppe.
Gerade diese Breite macht Investitionen in Schlüsseltechnologien strategisch relevant. Denn wer schneller und kosteneffizienter produziert, kann sich auch unter Währungsdruck und internationalem Wettbewerb behaupten.
Fazit: Technologie als industriepolitische Notwendigkeit
Der Fall Hans Eberle AG zeigt exemplarisch, wie sich Schweizer Industriebetriebe im Spannungsfeld zwischen Kosten, Qualität und globalem Wettbewerb positionieren. Automatisierung wird dabei nicht als Option, sondern als Voraussetzung verstanden. Die Investition in das Schröder Evo Center 3200 ist deshalb weniger ein Einzelfall als ein Signal für die strukturelle Transformation der Fertigung in der Schweiz.
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Textquelle: Hans Eberle AG
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