Ende August findet die All About Automation in Zürich statt. Tanja Waglöhner, COO Easyfairs DACH, stimmt uns darauf ein und spricht über praktische Fragestellungen, ehrliche Rückmeldungen, Rolltreppen und die Romandie.
Frau Waglöhner, wenn Sie jemandem, der die All About Automation noch nie besucht hat, erklären müssten, was ihn erwartet: Was sagen Sie?
Tanja Waglöhner: Die All About Automation ist eine kompakte Fachmesse, auf der man in kurzer Zeit sehr gezielt mit den richtigen Ansprechpartnern ins Gespräch kommt. Keine Inszenierungen, sondern konkrete Anwendungen, ehrliche Gespräche und eine Atmosphäre, in der man schnell ins Arbeiten kommt und sich wohlfühlt.
Im Vergleich zu der letzten Austragung in Zürich, was hat sich geändert?
Die Messe ist gewachsen, wir belegen jetzt drei Hallen. Und wer die Messe Zürich kennt, weiss, was das heisst: Viel Rolltreppe hoch- und runterfahren (lacht). Denn wir haben das Hallenlayout in Zürich etwas entspannt und mehr Gangflächen geschaffen. Doch sind wir nicht nur deswegen gewachsen, sondern auch, weil wir mehr Aussteller verzeichnen: Nach 186 Ausstellern im Jahr 2024 sind es nun 230 an der All About Automation und rund 60 (2024: 67) an der parallel stattfindenden Messe Maintenance.
Es gibt All-About-Automation-Messen in Deutschland, in der Schweiz, neu in Österreich, «Regional. Kompakt. Kompetent» lautet der Claim. Wie wichtig ist das «Regional»?
In Deutschland ist das sehr wichtig, die Besucher fahren maximal 120 Kilometer auf eine All About Automation. In der Schweiz und in Österreich nutzen wir «Regional» weniger. Denn etwa der Standort Zürich ist für die Schweizer Industrie ideal, die meisten Besucher haben einen entsprechend kurzen Weg. Uns ist aber bewusst, dass wir die französischsprachige Schweiz damit noch wenig erreichen. Als ich zuletzt im Juni in Genf an der Fachmesse für Hochpräzision EPHJ war, die seit 2025 zu Easyfairs gehört, bin ich in diesen Teil des Landes etwas vertiefter eingetaucht, auch mit der Fragestellung: Wer fährt in der Schweiz wie weit und wohin?
Heisst das, es könnte bald eine All About Automation in Genf geben?
Hierzu gibt es noch keine konkreten Planungen.
Warum soll eine Firma an einer All About Automation ausstellen statt an einer Messe mit internationaler Ausstrahlung?
Die All About Automation dient klar der Vertriebsunterstützung in der jeweiligen Region, das ist unser Messeziel. Wer zu dieser Messe kommt, kommt zur Bestandskundenpflege und zum Aufbau neuer Kontakte. Wer als Aussteller sein internationales Netzwerk ausbauen, einen grossen Markenauftritt haben oder neue Produkte international vorstellen möchte, ist hier also nicht richtig. Die Aussteller müssen im Vorfeld ihrer Messeauswahl ihre Ziele definieren und auf der Basis die für sie richtigen Messeformate wählen.
Wie sieht es bei den Besuchern aus: Kommen diese eher mit einem konkreten Projekt oder zur Orientierung?
Wir selbst deklarieren die All About Automation als Arbeitsmesse. Im letzten Sommer haben wir überprüft, ob dies auch stimmt. Und bei unserer Befragung von Ausstellern und Besuchern haben wir ein sehr klares Votum bekommen: Die meisten Besucher kommen mit praktischen Fragestellungen.
Die meisten Informationen lassen sich heute online recherchieren. Welchen Mehrwert erhält ein Besucher an der Messe, den er am Bildschirm nicht bekommt?
Zentral ist das direkte Gespräch: An einer Messe sieht man Lösungen im Kontext, kann direkt Rückfragen stellen, Dinge vergleichen und erhält oft ehrliche Rückmeldungen aus der Praxis. In solchen Gesprächen kann manchmal genau die Idee entstehen, die man vorher noch nicht hatte, oder die Erkenntnis, dass man ein Problem nochmal anders denken muss, als man es sich nur aus der Papierlage heraus erschliessen konnte.
Ein weiteres Element ist die Talk Lounge. Doch wer solche Veranstaltungen kennt, weiss: Häufig kommt nach dem Fachvortrag die Produktdemo. Wie stellen Sie sicher, dass die Talks Inhalte liefern?
Wir geben den Ausstellern klare Empfehlungen, setzen aber auch auf ihre Eigenverantwortung. Das funktioniert gut, denn, ich sage mal so: Das Publikum stimmt dann auch mal mit den Füssen ab. An der All About Automation in Zürich haben wir das Vortragsprogramm in diesem Jahr sogar deutlich ausgebaut. Zudem gehen wir hier in diesem Jahr bewusst den Weg, dass ein Teil der Vorträge von SwissT.net kuratiert ist.
Das ist nur in der Schweiz so organisiert?
In diesem Umfang wie mit SwissT.net, ja. Aber es wäre auch an anderen Standorten künftig denkbar.
Was funktioniert an der All About Automation noch nicht so, wie Sie es sich wünschten?
Wir analysieren derzeit gezielt unsere Besucher- und Firmenstruktur und gehen der Frage nach, wen wir künftig wie ansprechen müssen. Denn unser Ziel ist, noch stärker spezifisch nach Personenkreisen und Branchen zu arbeiten. Dazu haben wir in diesem Jahr bereits verschiedene Content-Formate getestet. Und das hat nicht immer alles hervorragend funktioniert (lacht). Aber Ausprobieren gehört eben dazu.
Wen wollen Sie denn künftig ansprechen, aussteller- und besucherseitig?
Ausstellerseitig haben wir pro Standort eine sehr klare Ausrichtung, was die Mischung von Komponentenherstellern, auch den internationalen grossen Namen, Systemintegratoren und Schaltschrankbauern betrifft. Wichtig ist uns, dass die regionalen Anbieter auf jeden Fall einen Platz bekommen. Besucherseitig haben wir zuletzt regionale Unterschiede festgestellt: An einem Standort kommen mehr Besucher aus Automobilindustrie, an einem anderen mehr aus der Lebensmittelindustrie. Daher wollen wir künftig pro Standort auch stärker individuelle Schwerpunkte setzen.
Zum Schluss: Von Robotik, KI, Nachhaltigkeit, Retrofit bis Safety – wenn die aktuelle All About Automation für ein Thema stehen könnte, welches würden Sie herausgreifen?
Die Messe ist eine «All About Automation», es gehört also alles dazu. Im Fokus steht aber immer die Praxis: Unser Ziel ist es, dass die Messe konkrete Auskünfte zu Automatisierungsproblemen liefern kann. Nicht als Vision, nicht in fünf Jahren, sondern morgen in der Maschine, in der Anlage, im Prozess. Das ist das Hauptthema der Messe.
Die All About Automation findet vom 26. bis 27. August 2026 in Zürich parallel mit der Messe Maintenance statt. Weitere Informationen finden sich hier.
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Textquelle: Technische Rundschau
Bildquelle: Easyfairs
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau
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