Forschung trifft Instandhaltung im «Service Dialog»
Instandhaltung gilt als handfestes Handwerk, KI und Cybersecurity als abgehobene Kür. Am neuen «Service Dialog» der Maintenance Schweiz 2026 bringen ZHAW, HSLU und OST beides auf eine Bühne: vom Smart Service über agentische KI bis zu Zero Trust, an einem Tag.
Textquelle: Easyfairs
Am 26. August 2026 bringen drei Schweizer Hochschulen aktuelles Forschungswissen auf die Vortragsbühne des neuen Messeformats «Service Dialog» der «Maintenance Schweiz 2026» in der Messe Zürich. Gemeinsam mit dem Schweizer Service Verband (SKDV) gestalten die ZHAW School of Engineering, die Hochschule Luzern (HSLU) und die Ostschweizer Fachhochschule (OST) je eine interaktive Session mit Impulsbeiträgen, einer moderierten Paneldiskussion und Publikumsfragen.
Die Themen reichen von datengetriebenen Smart Services über agentische KI im Service bis zur Cybersecurity in der vernetzten Instandhaltung. Der Eintritt zur Fachmesse, zur Partnermesse «all about automation» vom 26. bis 27. August und zu allen Vortragsflächen ist bei einer Vorregistrierung kostenlos.
Getragen wird die «Maintenance Schweiz» von starken Verbandspartnern, allen voran vom Schweizer Service Verband (SKDV). Für dessen Präsidenten Thomas Seiler ist die Messe ein zentraler Branchentreffpunkt: «An der ‹Maintenance Schweiz› treffen sich keine Laien, sondern echte Fachleute – Instandhaltungsprofis, die von der Praxis kommen und wissen, wovon sie reden», freut sich Seiler auf die zentrale Schweizer Fachmesse.
Service Dialog verbindet Hochschulforschung mit der Instandhaltungspraxis
Mit dem «Service Dialog» etabliert die Fachmesse ein Bühnenformat, das Hochschulwissen direkt mit der Praxis verknüpft. Alle Referierenden sitzen von Beginn an gemeinsam auf der Bühne. Statt klassischer Vortragsblöcke entsteht so ein Austausch mit direktem Praxisbezug. Die drei Sessions greifen die Themen auf, die die Branche derzeit prägen und für die sie industrietaugliche Lösungen sucht.
Die KI-Transformation verändert Support, Service und Instandhaltung grundlegend, während sich das Servicegeschäft vom reinen Produktverkauf zu datenbasierten Modellen wandelt. Zugleich erhöhen die zunehmende Vernetzung und neue regulatorische Anforderungen aus der EU den Druck, die Cybersecurity von Anlagen und Netzwerken abzusichern.
ZHAW: Smart Services machen aus Herstellern Begleiter
Den Auftakt macht am 26. August um 09:30 Uhr Prof. Dr. Jürg Meierhofer von der ZHAW School of Engineering. Er leitet den Forschungsschwerpunkt «Smart Services and Operations» am Institut für Data Science (IDS) und zeigt unter dem Titel «Warum Smart Services jetzt entscheidend sind», wie sich das Servicegeschäft vom Produkt zum datengetriebenen Angebot wandelt. Weil Anlagen technologisch immer vergleichbarer werden, verschiebt sich die Differenzierung zum Nutzungserfolg beim Kunden.
Der Hersteller wird zum Begleiter, der seinem Kunden hilft, das Optimum aus einer Anlage herauszuholen, und dafür Verantwortung übernimmt. Entscheidend sei, die konkreten Problempunkte, die Pains, gemeinsam mit den Kunden zu erarbeiten und ihren finanziellen Wert zu beziffern; erst diese gemeinsame Erkenntnisreise schaffe eine belastbare Zahlungsbereitschaft.
Dass dabei nicht die Technologie am Anfang steht, ist für Meierhofer zentral: «Zuerst der Kundennutzen, dann die Technologie.» Entsprechend pointiert fällt sein Rat zum Einstieg aus: «A priori braucht es gar keine KI.», gefolgt von der Empfehlung, «personenbasiert zu starten und dann schrittweise mit KI zu automatisieren». Servitization ist für ihn kein IT-Projekt, sondern ein Transformationsprozess. Warum Instandhaltungsbetriebe das Thema nicht auf die lange Bank schieben sollten, bringt der Satz «Service und Instandhaltung gehören zusammen.» auf den Punkt.
HSLU: Wie KI den Service von reaktiv zu autonom bringt
Wie tief KI den Service verändert, beleuchtet die Hochschule Luzern (HSLU). Dr. Andreas Lucco, Dozent für Service-Innovation am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie (IBR), stellt unter dem Titel «KI verändert Service und Instandhaltung – von reaktiv zu autonom» seinen «Digital Workforce Canvas» vor: eine 3×3-Matrix, mit der KMU digitale, KI-basierte Mitarbeitende strukturiert, funktional und ethisch in bestehende Teams integrieren. Grundlage ist das Prinzip «Beschreibung statt Programmierung»: Nicht mehr Code, sondern die beschriebene Absicht steuert das System.
Für Lucco ist der Zeitpunkt reif: «Die KI-Transformationswelle ist in vollem Gang.» Zugleich warnt er vor der häufigsten Falle: «Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, hat einen schlechten digitalisierten Prozess.» Die grösste Hürde verortet er nicht in der Technik, sondern bei den Beteiligten: «70 Prozent der Hürden liegen beim Menschen – nicht bei der Technologie.» Überwinden lasse sie sich am besten über interne Vorbilder, die Kollegen motivieren und mitziehen.
Statt Schwarzmalerei empfiehlt Lucco Zuversicht: «Angstmacherei hilft bei KI nicht. Mut und Handlungskraft zählen.» Seinen praktischsten Rat für den Einstieg formuliert er so: «Sprecht täglich mit eurem GPT – und lernt euch selbst dadurch besser kennen.» Anhand konkreter Beispiele zeigt er, wie aus diesen Prinzipien funktionierende Lösungen für die Service- und Instandhaltungsbranche werden.
OST: Cybersecurity und Zero Trust sichern die vernetzte Instandhaltung
Den dritten Blickwinkel liefert Prof. Dr. Christoph Göldi vom Institut für Netzwerke und Sicherheit (INS) an der Ostschweizer Fachhochschule (OST). Er moderiert das Panel «Cybersecurity in der vernetzten Instandhaltung», gemeinsam mit Open Systems (Zero Trust und ZTNA), Vayron (OT-Security) und Siemens (industrielle Praxis). Remote Support, Predictive Maintenance und Industrie 4.0 eröffnen grosse Chancen, schaffen aber neue Angriffsflächen zwischen OT, IT und Cloud.
Göldi räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: «Cybersecurity ist zuerst ein Verfügbarkeitsthema.» Fällt eine vernetzte Anlage durch einen Angriff aus, steht nicht nur die IT still, sondern auch der Betrieb. Der pragmatische Einstieg beginnt bei der Sichtbarkeit, denn schützen lässt sich nur, was man kennt. Danach folgen die Netzwerksegmentierung, die Trennung von Produktions- und Büronetzwerken sowie klar geregelte Zugriffe.
Dass dies auch in über Jahre gewachsenen Brownfield-Anlagen gelingt, macht Göldi Mut: «Zero Trust ist eine Denkweise – kein Neustart.» Dass das Thema jedes Unternehmen betrifft, auch das vermeintlich unbekannte KMU, zeigt er unmissverständlich: «Hacker automatisieren heute die meisten Angriffe.» Viele wirksame Massnahmen, etwa geänderte Standardpasswörter, entfernte Altzugänge oder getestete Back-ups, sind rasch umsetzbar. Seine beruhigende Kernbotschaft lautet deshalb: «Cybersecurity und Zero Trust sind keine Hexerei.»
Kostenloser Eintritt zu Maintenance Schweiz und all about automation
Der «Service Dialog» bündelt an einem Ort ein Branchen-Update mit den Ausstellenden und Partnern der «Maintenance Schweiz 2026» sowie Erkenntnisse aus kostenlosen Fachvorträgen. Parallel öffnet die Partnermesse «all about automation» den Blick von der Instandhaltung bis zur Automation. Die Besuchenden treffen Fachleute und mögliche Partner auf Augenhöhe und nehmen unmittelbar verwertbare Impulse mit. Der Eintritt zu beiden Fachmessen und allen Vortragsflächen ist kostenlos, Getränke und Snacks inklusive.
Ein kostenloses Ticket lässt sich mit dem Einladungscode «1414» auf der Website sichern. Die Branche trifft sich am 26. und 27. August 2026 in der Messe Zürich. Weitere Informationen: www.maintenance-schweiz.ch und www.allaboutautomation.de/de/zuerich.
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