Simon Girardin leitet bei Swissmem den Industriesektor Pumpentechnik (SIS PMP).

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bleiben zentral, Digitalisierung und intelligente Gesamtsysteme nehmen einen prominenten Platz ein, und die Wasserknappheit liefert neuen Gesprächsstoff. Simon Girardin von Swissmem erläutert im Interview unter anderem, welche Themen die Pumps & Valves Zürich 2027 prägen werden.


Textquelle: Easyfairs Switzerland GmbH
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Zur Person

Simon Girardin leitet bei Swissmem den Industriesektor Pumpentechnik (SIS PMP), der das Schweizer Netzwerk für Hersteller und Anbieter von Pumpen bildet. Die Organisation fördert den Austausch von Erfahrungen über verschiedene Themen hinweg. Zudem begleitet sie Unternehmen sowohl bei Messeauftritten als auch bei der Normarbeit. Über Europump vertritt der Verband die Branche auf der internationalen Bühne.

Herr Girardin, der Industriesektor Pumpentechnik von Swissmem bildet das nationale Netzwerk für Hersteller und Anbieter von Pumpen. Welche Kernaufgaben umfasst dieser Sektor?

Simon Girardin: Der Industriesektor Pumpentechnik bringt die Schweizer Pumpenhersteller zusammen. Wir bieten eine Plattform für den Austausch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen. Im Mittelpunkt stehen die Vernetzung, der Wissenstransfer sowie die gemeinsame Interessenvertretung. Unsere Mitglieder diskutieren technologische Fragen, die Energieeffizienz, die Digitalisierung und rechtliche Vorgaben. Darüber hinaus stehen politische Themen auf der Agenda, die wir über Swissmem in Diskussionen einbringen. Zusätzlich vertreten wir die Schweizer Perspektive auf europäischer Ebene.


Welchen Mehrwert erzielt ein Unternehmen durch die Mitgliedschaft?

Der grösste Nutzen liegt im direkten Zugang zu einem sehr starken Netzwerk. Swissmem verbindet über 1500 Mitgliedsunternehmen. Allein im Industriesektor Pumpentechnik treffen sich über 20 Mitgliedsunternehmen. Der offene Erfahrungsaustausch mit Branchenkollegen und frühzeitige Informationen zu Markt- und Regulierungsthemen bilden zentrale Vorteile. Die Mitglieder gestalten die Branche aktiv mit. Hinzu kommt der Zugang zu nationalen und internationalen Netzwerken. Insbesondere über Europump erhalten unsere Mitglieder einen direkten Einblick in die europäische Diskussion. Das stellt einen grossen Vorteil dar.


Der Sektor Pumpentechnik arbeitet eng mit Europump, dem europäischen Fachverband der Pumpenhersteller, zusammen. Wie funktioniert dieser internationale Austausch in der Praxis?

Europump vereint 15 nationale Pumpenverbände aus europäischen Ländern. Der Verband bildet die zentrale Plattform für den internationalen Austausch. In verschiedenen Veranstaltungen und Fachgremien diskutieren wir aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Gesetzgebung, Normung und Technologie, insbesondere auf EU-Ebene. Die Schweizer Pumpenindustrie bringt ihre Perspektive dort aktiv ein.

Konkret haben wir eine doppelte Vertretung. Auf der Ebene des «Europump Councils» sitzt eine Person aus unserem Industriesektor. So wirkt neben Swissmem zusätzlich eine Fachperson direkt aus einem Schweizer Pumpenherstellerunternehmen mit. Auf diese Weise platzieren wir Anliegen frühzeitig in der europäischen Diskussion.


Aktuelle Herausforderungen der Branche

Was sind momentan die grössten Herausforderungen für die Schweizer Pumpentechnikbranche in wirtschaftlicher, technologischer und rechtlicher Hinsicht?

Die Pumpentechnikbranche bewegt sich in einem anspruchsvollen Umfeld. Wirtschaftlich beschäftigt uns die Unsicherheit in den internationalen Märkten. Dieses Thema betrifft jedoch nicht nur unsere Branche. Der starke Schweizer Franken bleibt eine grosse Herausforderung. Das gilt insbesondere für die exportorientierten Unternehmen, wozu zahlreiche Schweizer KMU gehören.

Technologisch liefern unsere Unternehmen marktfähige Lösungen. Das betrifft insbesondere die Bereiche Energieeffizienz, Digitalisierung und intelligente Zustandsüberwachung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Verfügbarkeit, die Zuverlässigkeit sowie die Nachhaltigkeit.

Es kommen kontinuierlich nationale und internationale Vorschriften in den Bereichen Umwelt, Energieeffizienz, Produktsicherheit und Lieferketten hinzu. Das bedeutet einen grossen Aufwand für die Firmen, weshalb wir eng mit Europump und den europäischen Bundesverbänden zusammenarbeiten. Dadurch stimmen wir uns ab und bringen Anliegen frühzeitig in die politische Diskussion ein.


Die Energieeffizienz von Pumpsystemen bildet seit Jahren ein zentrales rechtliches Thema. Wie gut ist die Schweizer Industrie in diesem Bereich aufgestellt?

Insgesamt steht die Schweizer Industrie beim Thema Energieeffizienz gut da. Unter dem Stichwort Swissmem und CO₂ findet man die Webseite «Energie- und CO₂-Statistik der Tech-Industrie». Hier ist eindrücklich ersichtlich, wie viel hier bereits umgesetzt und investiert wurde. So konnten zum Beispiel die Emissionen seit 1990 um 64 Prozent gesenkt und der Energiebedarf mit 49 Prozent praktisch halbiert werden.

Die Unternehmen entwickeln seit Jahren innovative und hocheffiziente Lösungen, die die Anforderungen der EU-Ökodesignverordnung teilweise sogar übertreffen. Die Energieeffizienz gilt längst nicht mehr nur als rechtliche Vorgabe, sondern sie fungiert auch als zentraler Faktor für Innovationen und Wettbewerb.


Wo besteht noch Handlungsbedarf?

Handlungsbedarf sehe ich insbesondere in der ganzheitlichen Betrachtung von Pumpensystemen. Es geht heutzutage nicht mehr um die einzelne Pumpe. Die optimale Auslegung im Gesamtsystem steht im Zentrum. Das schliesst intelligente Regelungen und die Digitalisierung ein. Ein weiterer relevanter Aspekt: Der Gesetzgeber entwirft die rechtlichen Anforderungen technologieoffen und praxisnah. Nur so bleibt die Innovationskraft erhalten. Darüber hinaus bewahren unsere Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Ein Zusatzaspekt betrifft den Export. Zahlreiche Schweizer Hersteller exportieren in Drittmärkte. Sie richten sich am jeweils strengsten Standard aus. Geht die Schweiz einmal über die EU-Vorgaben hinaus, setzt sich Swissmem für eine Harmonisierung mit der EU ein. Das schützt unsere Position auf dem Markt.


Swissmem begleitet Mitglieder sowohl bei technischen Abklärungen als auch bei der Normarbeit. Welche Normierungsthemen beschäftigen die Pumpenbranche aktuell am stärksten?

Das ist ein komplexes Thema, das uns täglich beschäftigt. Die Anforderungen steigen am stärksten in den Bereichen Energieeffizienz, Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit. Stichworte lauten hier beispielsweise PFAS oder Verchromung. Der Staat reguliert diese Bereiche immer strenger. Die Behörden verbieten teilweise Stoffe oder Verfahren. Für unsere Mitglieder stellen sich dadurch vielfältige Fragen: Wie gehen wir damit um? Wo ergeben Verbote einen Sinn und wo bringen sie Probleme? Zusammen mit Europump nehmen wir dort Einfluss, wo es sich anbietet und einen Nutzen stiftet.

Ein zentraler Punkt betrifft die Angleichung technischer Standards. Zudem spielt die realistische Berücksichtigung heutiger Technologien eine grosse Rolle. Wir schaffen Transparenz für unsere Mitglieder und fördern den Wissensaustausch, indem wir aktiv mitwirken. Die Verantwortlichen gestalten Normen auf diese Weise praxisnah. Andernfalls verlieren unsere Firmen an Kraft im internationalen Wettbewerb.


Arbeitet Swissmem in diesem Kontext auch mit der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) zusammen?

Ja, diese Zusammenarbeit existiert. Swissmem definiert die strategischen Interessen der Schweizer Tech-Industrie und der SNV organisiert im Auftrag von Swissmem die technischen Komitees, in denen Schweizer Experten an den weltweiten ISO-Normen mitarbeiten. Ein aktuelles Beispiel liefern die beiden Gremien zu ISO TC-115 und CEN TC-197, wo es um Normierung von Pumpen und Komponenten geht. Hier übernimmt die operative Leitung die SNV, die Swissmem die strategische Begleitung und die Fachexperten sind aus der Schweizer Pumpenindustrie.


Der Digitale Produktpass gilt branchenweit als grosses Thema. Wie aktiv nehmen die Mitglieder dieses Vorhaben an?

Der Digitale Produktpass ist ein Thema. Die SNV hat dafür eine Ausschreibung lanciert. Unsere Mitgliedsunternehmen wirken hier aktiv mit und helfen bei der praxisnahen Gestaltung dieser Vorgaben. Allgemein befassen sich grössere Firmen mit solchen Themen ohnehin früh. Für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet dies zumeist eine Frage der Ressourcen. Das Interesse zeigt sich jedoch deutlich und zahlreiche Beteiligte engagieren sich stark. Auch in internationalen Standardisierungsgremien wirken Schweizer Hersteller aktiv mit. Die Branche zeigt eine erfreulich hohe Bereitschaft zur Mitarbeit an neuen Richtlinien und Projekten.


Umwelttechnik: erreichte Ziele und weitere im Blick

Die Umwelttechnik stellt einen zentralen Anwendungsbereich für Pumpensysteme dar. Das Spektrum reicht von der Wasseraufbereitung über die Abwasserbehandlung bis zur Kreislaufwirtschaft. Was hat die Schweizer Pumpentechnikbranche in den letzten Jahren in der Umwelttechnik konkret erreicht?

Die Umwelttechnik bildet bei Swissmem einen eigenen Industriesektor mit den Schwerpunkten Wasserwirtschaft, «Waste-to-X» und «Carbon Capture». Zwischen den beiden Sektoren bestehen enge fachliche und wirtschaftliche Verbindungen. Pumpenhersteller sind zentrale Komponentenlieferanten für zahlreiche umwelttechnische Verfahren und leisten einen wichtigen Beitrag zur Effizienz und Leistungsfähigkeit entsprechender Anlagen.

Da viele Fragestellungen beide Branchen betreffen, arbeiten die beiden Industriesektoren innerhalb von Swissmem eng zusammen. Dies zeigt sich unter anderem in gemeinsamen Veranstaltungen, Fachprojekten und dem regelmässigen Austausch zwischen den Unternehmen. Auf diese Weise fliessen die Kompetenzen beider Sektoren in gemeinsame Initiativen und Entwicklungen ein.

Die «Pumps & Valves Zürich» steht exemplarisch für diese erfolgreiche Zusammenarbeit. Heute präsentieren sich beide Industriesektoren mit einer starken und sichtbaren Präsenz und unterstreichen damit die Bedeutung ihrer gemeinsamen Wertschöpfungs- und Innovationskraft.

 

Impression von der Pumps & Valves Zürich

Impression von der Pumps & Valves Zürich 2025 (Bild: Sara Barth/Easyfairs Switzerland GmbH)


Branchenprojekte und Messeauftritt «Pumps & Valves Zürich»

Swissmem unterstützt Mitgliedsunternehmen aktiv bei Messeauftritten. Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Wir verschaffen unseren Mitgliedern konkrete Vorteile durch Unterstützung bei organisatorischen Fragen und ein einheitliches Branding. Zudem unterstützen wir aktiv sowohl den Erhalt als auch die Sichtbarkeit für das Netzwerk und eine starke Fachmesse für Pumpen. Bei der letzten Ausgabe haben wir zusammen mit dem Industriesektor Umwelttechnik den Best Thesis Award durchgeführt. Junge Talente präsentierten ihre Arbeiten vor einem grossen Publikum und vernetzten sich direkt mit Fachleuten. Im Gegenzug erhielten die Betriebe einen hervorragenden Zugang zu Nachwuchskräften. Das bedeutet gelebte Zukunftsförderung.

Zusätzlich betrieben wir 2025 einen eigenen Stand an der «Pumps & Valves Zürich». Wir sprachen direkt mit ausstellenden und interessierten Akteuren. Das war sehr wertvoll für uns alle. Wir erarbeiten momentan das Programm für 2027 und sehen darin eine gute Grundlage. Wir vertiefen die Projekte und den Austausch damit weiter.


Welche Themen prägen aus Ihrer Sicht die sechste Ausgabe der «Pumps & Valves Zürich» am 17. und 18. November 2027 inhaltlich?

Behalten Sie unsere Gesprächsthemen im Kopf, um schnell die Richtung zu erkennen. Im rechtlichen Bereich bleiben die Energieeffizienz sowie die Nachhaltigkeit zentral. Die Digitalisierung und intelligente Gesamtsysteme nehmen ebenfalls einen prominenten Platz ein. Hinzu kommen die Kreislaufwirtschaft und die Versorgungssicherheit. Letzteres bildet aktuell ein Riesenthema.

Die Schweiz verzeichnet seit einiger Zeit spürbar zu wenig Regen. Die Wasserknappheit betrifft uns nun real. Das liefert neuen Gesprächsstoff für einen riesigen Bereich. Woher kommt das Wasser in Zukunft?

Genauso relevant bleibt der persönliche Austausch. Das stellt für mich einen der zentralen Punkte im Geschäft dar. Es geht um menschliche Beziehungen. Genau dort entstehen neue Ideen und Kooperationen, was die Innovationskraft der gesamten Schweizer Pumpentechnik stärkt.


Die eben genannten Themen Versorgungssicherheit, Kreislaufwirtschaft, Frischwasser und Abwasser überschneiden sich mit der «Aqua Suisse». Welche Synergien sehen Sie hier?

Die beiden Themen ergänzen sich hervorragend. Im Kern steht bei beiden die Förderung oder Aufbereitung eines Mediums. Das betrifft meistens Wasser. Deshalb passt die gleichzeitige Durchführung der «Pumps & Valves Zürich» und der «Aqua Suisse» auf dem gleichen Messegelände sehr gut. Das haben wir schon beim letzten Mal gemerkt. Die Besuchenden betrachten in einem einzigen Rundgang beide Bereiche und sparen sich dadurch den doppelten Weg.


Was ist aus Ihrer Sicht der grösste Vorteil dieses Fachmesseduos?

Den grössten Vorteil sehe ich in der Kundengewinnung. Wir erreichen auch Personen, die anfangs nicht gezielt eine Pumpe suchen. Das Gleiche gilt umgekehrt für Wasseraufbereitungslösungen. Genau daraus entstehen spannende Zufallsbegegnungen, die zu neuen Geschäftsbeziehungen führen.


Welches Ereignis bleibt Ihr persönliches Highlight der letzten «Pumps & Valves 2025»?

Ich besuchte die Fachmesse 2025 zum ersten Mal. Damals startete ich gerade bei Swissmem. Der Anlass bot mir eine ausgezeichnete Gelegenheit, da ich unsere Mitglieder und die Pumpenbranche persönlich kennenlernte. Die offene Atmosphäre und der direkte Austausch mit den Ausstellenden beeindruckten mich sehr. Die Stimmung wirkte fast familiär. Die Menschen verstanden sich und begegneten sich offen. Ich empfand die Messe als übersichtlich, gut organisiert und inhaltlich hochwertig. Auch unsere Mitglieder ziehen in Gesprächen seither ein sehr positives Fazit.


Welche Botschaft richten Sie als Swissmem-Industriesektor Pumpentechnik an die Besuchenden für 2027?

Meine Botschaft richtet sich insbesondere an die Schweizer Unternehmen unseres Sektors. Unsere Stärke liegt nicht im Massenmarkt. Als Hochlohnstandort benötigen wir zwingend Innovationen, Qualität und technologische Spitzenleistungen. Wir entwickeln tagtäglich Lösungen, die durch ihre Leistungsfähigkeit, ihre Zuverlässigkeit und ihren Mehrwert überzeugen.

Ein Aspekt zeichnet die Schweizer Pumpentechnik besonders aus. Zahlreiche hoch spezialisierte Betriebe haben ihre Nische gefunden, in der sie mit exzellenten Produkten weltweit erfolgreich agieren. Diese Spezialisierung kombiniert Innovationskraft und Kundennähe. Genau das bildet in den kommenden Jahren unseren entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

 

Impression von der Pumps & Valves Zürich

(Bild: Sara Barth/Easyfairs Switzerland GmbH)


Das Interview mit Simon Girardin führte Markus Frutig im Namen von Easyfairs Switzerland GmbH.

Die Pumps & Valves Zürich findet am 17. und 18. November 2027 statt.

Passend zu diesem Artikel

Der Schweizer Maschinenbau

Der Schweizer Maschinenbau hat einen hervorragenden Ruf in der ganzen Welt. Diese Seite ist dieser grossen und wichtigen Branche gewidmet. Viele Artikel und eine interaktive Schweizer Maschinenbaukarte.

Impressum

Interview: Markus Frutig im Namen von Easyfairs Switzerland GmbH.

Bildquelle: Easyfairs Switzerland GmbH

Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Informationen

Pumps & Valves Zürich

Veröffentlicht am: