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Schweizer Forscher Finalist beim Europäischen Erfinderpreis

Magnetband im KI-Zeitalter: Warum Rechenzentren auf 60 Jahre alte Technik setzen

Der Schweizer Forscher Evangelos Eleftheriou ist Finalist beim Europäischen Erfinderpreis. Seine Arbeit am Magnetband zeigt, wo der KI-Boom seine unsichtbare Last ablegt.


Textquelle: Europäisches Patentamt
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Das Europäische Patentamt hat die zwölf Finalistinnen und Finalisten für den Erfinderpreis 2026 vorgestellt. Einer der Namen kommt aus Rüschlikon: Evangelos Eleftheriou, schweizerisch-griechischer Forscher, 35 Jahre IBM Research, heute Mit-Gründer und CTO der niederländischen Chip-Firma Axelera AI. Kategorie Industrie. Wer dahinter mehr sehen will als eine Forscherbiografie, landet bei einer Schicht der digitalen Infrastruktur, über die selten gesprochen wird: dem Magnetband.

Vom Lesekanal zum Tape-Roboter

Den Anfang von Eleftherious Laufbahn machte ein Verfahren mit dem sperrigen Namen «Noise-Predictive Maximum Likelihood Detection». Die Idee dahinter: Wenn auf einem Datenträger viele Informationen eng beieinander liegen, stören sich die Signale gegenseitig. In klassischen Lesekanälen galt das als Hintergrundrauschen. Eleftherious Ansatz modelliert die Störungen und sagt sie voraus. Was nach Mathematiker-Spielerei klingt, ist heute Schlüsseltechnologie für moderne Lesekanäle bei magnetischen Speichern mit hoher Datendichte.

Danach kam die Arbeit am Band. Sein Team in Rüschlikon entwickelte Methoden, die die Spurführung genauer machen und Fehler auch dann korrigieren, wenn das Band an einer Stelle beschädigt ist. In der Welt der Archivierung bedeutet es die Bedingung dafür, dass jemand das Medium überhaupt einsetzt. Ein Band, das beim ersten Kratzer aussteigt, ist als Langzeitarchiv unbrauchbar. Eleftheriou: «Wenn grosse Organisationen ihre Daten verlässlich archivieren müssen, speichern sie grosse Datenvolumina auf Band.»

Die Aramid-Generation

Seit Juni 2025 ist die zehnte Generation der LTO-Bandtechnologie auf dem Markt. 30 Terabyte nativer Kapazität pro Kassette. Das Gehäuse passt in eine Hand. Im November haben HPE, IBM und Quantum eine 40-Terabyte-Variante angekündigt, die in diesem Quartal ausgeliefert wird. Der Trick steckt im Material: Das Band besteht jetzt aus Aramid, jener Faser, die auch in kugelsicheren Westen verarbeitet wird. Dünner und glatter, dafür länger aufgewickelt im gleichen Gehäuse. Die Roadmap reicht bis zur vierzehnten Generation mit mehreren hundert Terabyte nativ und rund 1,4 Petabyte komprimiert pro Cartridge.

Seit Programmstart wurden weltweit über 5,7 Millionen Laufwerke und 383 Millionen Cartridges ausgeliefert.

Wo Strom keine Spur hinterlässt

Warum diese Schicht jetzt strategisch wird, hat mit dem Strompreis zu tun. Rechenzentren liegen je nach Studie bei zwei bis drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs; die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der Bedarf bis 2030 verdoppelt. Meta baut in Louisiana ein Rechenzentrum, das mehr Energie ziehen wird als die nahe gelegene Stadt New Orleans. Google hat sich Kapazität aus mehreren kleinen modularen Atomkraftwerken gesichert.

Schätzungen zufolge werden rund 90 Prozent aller erzeugten Daten nach wenigen Wochen bis Monaten kaum mehr abgerufen. Auf einer Festplatte ziehen sie weiterhin Strom, weil die Spindel laufen muss. Eine Bandkassette im Regal eines Tape-Roboters verbraucht im Leerlauf nichts. Je nach Auslagerungsgrad lassen sich gegenüber Festplatten-Arrays Einsparungen von rund 50 bis über 90 Prozent erzielen. Die grossen Cloud-Anbieter werben prominent mit ihren Tiefarchiv-Diensten. Wer kalte Daten auf rotierenden Festplatten hält, bezahlt jede Woche dafür mit Strom.

Eine Werkstattfrage wird politisch

Eleftherious Arbeit am Lesekanal entstand zu grossen Teilen im IBM-Forschungslabor in Rüschlikon, an dem Heinrich Rohrer und Gerd Binnig 1981 das Rastertunnelmikroskop bauten und 1986 den Nobelpreis erhielten. Auch heute wird dort an Quantenrechnern und der nächsten Speichergeneration geforscht. Dass eine Forschung, die in den neunziger Jahren als Detailarbeit an Lesekanälen begann, drei Jahrzehnte später zu einem tragenden Element des globalen Daten-Booms wird, hat etwas Stilles: Denn in den letzten Jahren war die Bühne von Sprachmodellen und GPU-Engpässen besetzt; was im Speicher geschieht, blieb Material für Fachkonferenzen. Die Energiefrage rückt diese Schicht jetzt nach vorne.

 

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Textquelle: Europäisches Patentamt

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Veröffentlicht am: 13.05.2026

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