Das vierte Schweizer Schleif-Symposium bringt am 5. und 6. Oktober über 30 Vorträge in den Technopark Zürich. Auffällig viele davon handeln von Messdaten und Modellen.
Textquelle: Inspire
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau
Wer heute auf wenige Mikrometer genau schleifen will, sorgt zuerst für Temperatur. Maschinen werden warmgefahren, Hallen klimatisiert, und die Kühlung läuft ohnehin durch. Wärme verändert die Struktur der Maschine, Abstände verschieben sich, die Präzision leidet.
Sebastian Lang und seine Gruppe bei Inspire AG haben zusammen mit dem Schleifmaschinenhersteller Agathon AG ein datengetriebenes Verfahren entwickelt, das die thermische Ausdehnung per Software kompensiert. Die Halle muss dafür nicht aufwendig gekühlt werden, und die Maschine muss nicht erst lange warmlaufen.
Dafür werden die thermischen Einflüsse systematisch erfasst und in einem digitalen Zwilling modelliert. Ist das Verhalten der Maschine einmal bekannt, genügen wenige Temperatursensoren an den richtigen Stellen und ein vereinfachtes Datenmodell, um in Echtzeit gegenzurechnen.
Wer mehr über solche fortschrittlichen Schleifinnovationen erfahren will, ist am vierten Schweizer Schleif-Symposium in Zürich am richtigen Ort. Denn dort werden über dreissig solcher Vorträge gehalten. Ein weiterer:
Ein Modell für die ganze Flotte
Klassische Kompensationsmodelle gelten meist nur für die eine Maschine, an der gemessen wurde. Eine Cloud-basierte Fleet Connectivity dehnt das Modell auf weitere Maschinen desselben Typs aus. Auf einer Referenzmaschine laufen umfangreiche Messungen mit unterschiedlichen Lastzyklen, daraus entsteht ein robustes Modell, und dieses lässt sich mit kleinem Messaufwand übertragen, etwa während der Inbetriebnahme. Der Prozess gewinnt an Präzision, und die Energierechnung sinkt, weil deutlich weniger gekühlt und klimatisiert werden muss.
Der Vortrag dazu steht am Dienstagnachmittag auf dem Programm.
Vier Keynotes, zwei Säle
Die erste Keynote am Montagmorgen hält Hans-Christian Möhring vom Institut für Werkzeugmaschinen der Universität Stuttgart mit in-situ-Methoden zur Schleifscheibenüberwachung. Danach spricht Monika Kipp vom Institut für Spanende Fertigung der TU Dortmund über Nachhaltigkeitsaspekte beim Werkzeugschleifen. Am Dienstag folgen Bahman Azarhoushang von der Hochschule Furtwangen zum CNC-bahngesteuerten, intermittierenden Schleifen und Dirk Friedrich von der Tschudin AG zu den Gesamtkosten hochpräziser Bauteile für Rüstung und Robotik. Beide Plenen moderiert Konrad Wegener.
Am Montag teilt sich das Programm auf zwei Säle. Im Auditorium läuft der A-Strang mit Simulation, Anwendungen und Assistenzsystemen, im Raum Fortran der B-Strang mit Messtechnik und Monitoring, danach mit Medien und Mediensteuerung. Der Dienstag bleibt einsträngig: Digitalisierung und KI am Vormittag, am Nachmittag Maschinen und Kombimaschinen, zum Schluss Werkzeug und Abrichten.
Luftfahrt, Innenrund, Honprüfstand
Aus der Luftfahrt kommt eine Arbeit der TU Hamburg mit Boeing Deutschland zur Abdrängungskompensation beim Schleifen nachgiebiger Strukturbauteile aus kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen, den Werkzeugverschleiss eingerechnet. Kellenberger stellt Koordinatenschleifen und hochpräzises 5-Achs-Fräsen gegenüber und markiert die Anwendungsgrenzen. Fritz Studer zeigt maschinenintegriertes Abrichten mittels Drahterodieren für Innenrund-Schleifprozesse. Eine Gruppe der Federal University of Santa Catarina stellt die Entwicklung eines Vertikal-Honprüfstands vor.
Am Montagabend geht es ins Zunfthaus zur Waag zum Conference Dinner, am Dienstag nach der letzten Kaffeepause in die Labors. Nach zwei Tagen über Modelle und Messdaten führt der letzte Programmpunkt zurück an die Maschine.
Das Programm liegt als vorläufige Fassung vor, die Moderationen der Sessionen und ein Referat sind noch offen. Anmeldung und Details unter sss2026.inspire.ch
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Weitere Informationen:
Auf einen Blick
Viertes Schweizer Schleif-Symposium
Wann: 5. und 6. Oktober 2026
Wo: Technopark Zürich
Veranstalter: Inspire AG
Programm: vier Keynotes, über 30 Fachvorträge in acht Sessionen, zwei parallele Stränge am Montag
Moderation der Plenen: Konrad Wegener
Rahmen: Conference Dinner im Zunfthaus zur Waag am Montagabend, Laborbesuch am Dienstagabend
Publikum: Fachleute aus Industrie und Wissenschaft aus dem deutschsprachigen Raum
Anmeldung: sss2026.inspire.ch