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SIAMS 2026: Standbesuche zwischen 0,06 mm und vier Spindeln

Die SIAMS in Moutier zeigte Präzision in allen Kalibern. Ein Rundgang über die Mikrotechnik-Messe, kreuz und quer, mit den Stimmen derer, die ihre Maschinen und Werkzeuge erklärten.


Textquelle: Eugen Albisser
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Agema erodiert mit 0,06-mm-Elektrode in Hartmetall

Agema Germany | Bohrerodiermaschine AG 320 | 0,06 mm Elektrodendurchmesser

Eine Elektrode von 0,06 mm Durchmesser, zwei Millimeter tief, im 45-Grad-Winkel, in einen Hartmetallstift: Was Benjamin Tschampel am Agema-Stand vorführt, liegt an der Grenze des Sichtbaren. «Die AG 320 erodiert unter Öl und erreicht bei 0,5 mm Durchmesser eine Abtragsleistung von 12 mm pro Minute in Hartmetall», sagt Tschampel, der bei Agema den Technischen Vertrieb verantwortet. Der neu entwickelte Pulsgenerator steuert jede Entladung einzeln. Das minimiert den Elektrodenverschleiss und ermöglicht nahezu zylindrische Bohrungen mit nur einer Elektrode.

Agema hat Schweizer Wurzeln. Die Firma entstand als Aktiengesellschaft für Erodiermaschinen, firmierte als Agema Swiss und wurde 2008 nach Deutschland verlegt. Seit 2019 führt ein neuer Eigentümer das Unternehmen als Familienbetrieb. Die Schweiz bleibe ein wichtiger Markt, sagt Tschampel: «Gerade die Formenbauer und Werkzeugbauer in dieser Gegend hier.»

Agema Bohrererodiermaschine-0.06mm
Von blossem Auge nicht zu erkennen. Erst unter dem Mikroskop sieht man die Bohrung von 0,06 mm Durchmesser, mit zwei Millimeter Tiefe und im 45-Grad-Winkel in einen Hartmetallstift erodiert. (Bild: Eugen Albisser)

Index stapelt vier Spindeln übereinander

Index Werkzeugmaschinen | Traub MS12-4 | Vier Hauptspindeln, Ø 3 bis 13 mm

Die Traub MS12-4 hätte wohl nicht auf den SIAMS-Stand gepasst, dafür wäre sie schlicht zu gross. Aber sie wäre definitiv ein Hingucker gewesen. Daniel Stier, Geschäftsführer der Index Werkzeugmaschinen Schweiz: «Die Maschine ist wirklich einzigartig.» Vier Hauptspindeln, nicht in einer Trommel wie bei klassischen Mehrspindlern, sondern in vier Lagen übereinander angeordnet. Jeder Spindel ist ein Werkzeugrevolver zugeordnet, bis zu vier Gegenspindeln übernehmen die Rückseitenbearbeitung simultan.

Das Versprechen: vierfache Produktivität gegenüber einem Einspindler, auf kompakterer Stellfläche als vier einzelne Drehautomaten. Steuerung, Stangenlader und Späneförderer existieren nur einmal. Die Maschine arbeitet hydraulikfrei, kein Wärmeeintrag durch Hydraulikkomponenten. Von Kurz- auf Langdrehbetrieb lässt sie sich umrüsten, ohne dass die Grundkonfiguration sich ändert. Stier sieht die Zielgruppen in der Medizintechnik, etwa bei Knochenschrauben und Implantaten aus Titan, aber auch in der Uhrenindustrie und der Feinmechanik. «Wir reden über Werkstücke im Bereich von 3 bis 13 Millimeter», sagt er. Nicht nur für die Westschweizer Zulieferer ein Format, das mitten in ihren Alltag passt.


Neue Generation der Fehlmann Picomax 56

Fehlmann AG | Picomax 56 mill, neue Generation | Heidenhain TNC7 basic

Die Picomax 56 von Fehlmann ist ein Schweizer Klassiker in Werkstätten und Ausbildungsbetrieben. Jetzt hat Fehlmann die Baureihe auf die Heidenhain TNC7 basic gehoben und dabei die hauseigenen Funktionen TOP und mill vollständig überarbeitet. Anwender profitieren nun von einer intuitiven Bedienung und können weiterhin flexibel zwischen konventionellem Betrieb und CNC-Bearbeitung mit bis zu vier simultan gesteuerten Achsen wechseln.

«Für Ausbildungsbetriebe ist das entscheidend», sagt Fabio Casteletti, Gebietsverkaufsleiter Export bei Fehlmann. «Die Lernenden begreifen beide Welten an derselben Maschine.» Neu lassen sich Werkzeuge hauptzeitparallel von vorne wechseln, eine Funktion, die Fehlmann von den grösseren Bearbeitungszentren übernommen hat. Die Motorspindel dreht bis 12'000 min⁻¹, Glas-Linearmassstäbe messen direkt. Das Ganze kann man eine konsequente Reifung nennen: bewährte Substanz in zeitgemässer Steuerung.

Picomax 56 mill
(Bild: Fehlmann AG)

Gühring zeigt über 125 Jahre Bohr-DNA an der SIAMS

Gühring (Schweiz) AG | InoxPro-Werkzeugserie | Ø 0,5 bis 20 mm

«Unser Ursprung ist das Bohren», sagt Gökmen Sanuk, Geschäftsführer der Gühring (Schweiz) AG. Seit über 125 Jahren, zuerst in HSS, dann übertragen auf Hartmetall. An der SIAMS zeigt Gühring das Ergebnis dieser Geschichte: die InoxPro-Serie, entwickelt für rostfreie Stähle und Sonderlegierungen wie Inconel oder Titan.

Gühring stellt sein eigenes Hartmetall her, betreibt eigene HiPIMS-Beschichtungsanlagen und hat die Geometrie des InoxPro auf maximale Performance in korrosionsbeständigen Werkstoffen ausgelegt. «Wir haben hier alles, was uns auszeichnet, reingepackt», sagt Sanuk. Der Fokus auf die SIAMS habe einen konkreten Grund: «Speziell die Westschweiz bearbeitet sehr viel rostfreie Materialien, sei es in der Uhrenindustrie, sei es in der Medizintechnik.» Titan, Kobalt-Chrom, Edelstahl: Die Region verlangt nach Werkzeugen, die genau dort performen, wo die Späne lang und die Temperaturen hoch werden.


Lehmann fräst auf Naturhartgestein mit 0,005 µm Auflösung

Lehmann Präzisionstechnik | UPF-5 Ultrapräzisionsfräsmaschine | 5 Achsen

Im Schwarzwald baut Lehmann eine Fräsmaschine, deren Fundament aus Naturhartgestein besteht: verzugsfrei und schwingungsdämpfend, mit niedrigem Wärmeausdehnungskoeffizienten. Die UPF-5 ist eine 5-Achsen-CNC-Ultrapräzisionsfräsmaschine mit Wegmesssystemen, die auf 0,005 µm auflösen. Führungen und Werkzeugspindel werden auf ±0,1 K temperiert, überall dort, wo Wärme entstehen kann.

«Wir kommen aus der Fertigung von Präzisionsmechanik», sagt Sinisa Avlijas, Directeur des Ventes bei Lehmann. «Die Maschine ist das Ergebnis davon, dass wir selbst wissen, was in der Serienfertigung funktioniert.» Die UPF-5 zielt auf die Uhrenindustrie und die optische Industrie. Lehmann bietet sowohl kugelgelagerte als auch luftgelagerte Spindeln an und zwar aus der eigenen Produktion; letztere arbeiten verschleiss- und wartungsfrei. Der Baukastenaufbau erlaubt es, auch Werkstoffe wie Glas oder Keramik zu bearbeiten.

Lehmann kann sowohl kugelgelagerte als auch luftgelagerte Spindeln anbieten und zwar aus der eigenen Produktion. (Bild: Eugen Albisser)
Lehmann kann sowohl kugelgelagerte als auch luftgelagerte Spindeln anbieten und zwar aus der eigenen Produktion. (Bild: Eugen Albisser)

Realmeca dreht Mikrobauteile auf handgeschabten Flächen

Spinner AG (Vertrieb Schweiz) | Realmeca RT-3 SP | 2 µm Plangenauigkeit

Am Spinner-Stand stand eine Maschine, aus dem französischen Clermont-en-Argonne: die Realmeca RT-3 SP. Ein Mikrodrehzentrum für Bauteile, bei denen Genauigkeit ganz sicher nicht einfach Wunsch bleibt.

Das Maschinenbett besteht seit über 30 Jahren aus einem hochdichten Kompositmaterial. Die Verbindungsflächen für Spindelstock und Kreuzschlitten werden von Hand geschabt, bis Planheit, Parallelität und Rechtwinkligkeit innerhalb von 2 µm liegen. «Die RT-3 SP ist ausserdem ausgestattet mit der neuesten Sinumerik ONE Steuerung, man kann sie aber auch mit einer Fanuc-Steuerung haben», sagt Guido Egger, Geschäftsführer der Spinner AG. Mit dem 50-Grad-Schrägbett fallen die Späne von allein, angetriebene Werkzeuge und Hartdrehfähigkeit gehören zum Repertoire.


Abnox dosiert berührungslos mit 200 Zyklen pro Sekunde

Abnox | Pulsventil AXDV-P1 (V2.0) | Vollstrahl-Kurzdüse Ø 0,5 mm

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Keine Werkzeugmaschine, aber ein Bauteil, das in vielen von ihnen steckt: Das Pulsventil AXDV-P1 von Abnox dosiert Schmierstoffe, Fette und Klebstoffe berührungslos über eine 0,5-mm-Düse. Berührungslos heisst: keine Zustellbewegung zum Bauteil nötig, kurze Zykluszeiten und weniger mechanische Komplexität im Prozess. Die Nadel öffnet pneumatisch und schliesst durch kombiniertes Luft- und Federdruckprinzip, angesteuert über ein integriertes 5/2-Wege-Magnetventil. «So erreicht das Ventil bis zu 200 Schaltzyklen pro Sekunde bei Betriebsdrücken bis 100 bar», sagt Benjamin Iselin, Leiter Verkauf und Marketing bei Abnox.

Die kurzen Wege im Inneren machen die Geschwindigkeit möglich. Optional lässt sich ein Drucksensor anbauen, der den Dosierprozess überwacht und Luftblasen im Medium erkennt. Für hochviskose Schmierstoffe bietet Abnox eine Heizplatte an, die direkt am Ventil sitzt und die Viskosität vor dem Austrag senkt.

Benjamin Iselin, Leiter Verkauf und Marketing bei Abnox: «Das Pulsventil schafft bis zu 200 Schaltzyklen pro Sekunde.» (Bild: Eugen Albisser)

Big Daishowa misst Mikrowerkzeuge schonend

Big Daishowa | Base Master BM-50MH | Nullpunktgeber für Mikrowerkzeuge

Der Base Master BM-50MH ist für Mikrowerkzeuge gebaut, bei denen herkömmliche Messtaster zu grob zupacken. Ein LED-Ring leuchtet auf, sobald das Werkzeug die Sensorplatte berührt: 50 mm Referenzabstand, abgelesen auf Anhieb. «Der geringe Messdruck schützt die feinen Schneidkanten», sagt Michael Schaer, Verkauf Westschweiz bei Big Daishowa. In einer Fertigung mit Werkzeugen unter einem Millimeter Durchmesser trennt dieses Zubehör das Messen vom Beschädigen.

Michael Schaer, Verkauf Westschweiz bei Big Daishowa
Michael Schaer, Verkauf Westschweiz bei Big Daishowa: «Der geringe Messdruck schützt die feinen Schneidkanten.»
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Veröffentlicht am: 24.04.2026

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