Automatisierung gilt als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit – doch für viele mittelständische Unternehmen bleiben Industrieroboter eine kostspielige Hürde. Robot as a Service (RaaS) verspricht Abhilfe: Roboter werden nicht mehr gekauft, sondern flexibel gemietet – inklusive Wartung, Software und Updates. Das senkt Investitionskosten und beschleunigt den Einstieg in die Automatisierung. Doch wie nachhaltig ist das Modell wirklich?
Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau
Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und volatile Märkte setzen den Mittelstand unter Druck. Automatisierung könnte Prozesse stabilisieren, scheitert jedoch oft an hohen Anfangsinvestitionen und fehlendem Know-how. Genau hier setzt RaaS an.
Statt sechsstelliger Anschaffungskosten zahlen Unternehmen monatliche Nutzungsgebühren. Hardware, Software, Wartung und Updates sind meist enthalten. Anbieter stellen kollaborative Roboter für Montage und Qualitätskontrolle, autonome Transportfahrzeuge oder spezialisierte Service-Roboter bereit – Technologien, die früher grossen Industriekonzernen vorbehalten waren.
Ein zentraler Vorteil ist die Skalierbarkeit: Roboter lassen sich je nach Auftragslage ergänzen oder wieder abbuchen. Gerade für Unternehmen mit saisonalen Schwankungen ist diese Flexibilität ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Kosten und Abhängigkeiten
So attraktiv das Modell klingt – RaaS ist kein Selbstläufer. Die laufenden Gebühren können sich langfristig zu höheren Gesamtkosten summieren als ein klassischer Kauf. Eine saubere Wirtschaftlichkeitsrechnung ist daher unverzichtbar.
Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Anbieter. Viele RaaS-Lösungen basieren auf proprietärer Hard- und Software. Preissteigerungen oder Vertragsänderungen lassen sich oft nur schwer umgehen. Auch die IT-Sicherheit ist ein kritischer Punkt: Cloud-Anbindungen und Remote-Wartung erhöhen die Angriffsfläche – insbesondere dann, wenn sensible Produktionsdaten externe Systeme durchlaufen.
Zudem sind Mietroboter meist standardisiert. Bei hochindividualisierten Prozessen stossen sie schnell an Grenzen.
Strategisch einsetzen
RaaS kann für den Mittelstand ein sinnvoller Einstieg in die Automatisierung sein – wenn das Modell strategisch gewählt wird. Entscheidend sind transparente Kostenstrukturen, klare Service-Level-Agreements und offene Schnittstellen. Auch internes Know-how bleibt unverzichtbar: Verantwortung für Prozesse und Daten lässt sich nicht auslagern.
Automatisierung mit Augenmass
«RaaS ist kein Wundermittel, aber ein realistischer Weg in die automatisierte Zukunft», sagt Malte Janssen, Produktmanager bei reichelt elektronik. «Der Mittelstand profitiert von geringeren Einstiegshürden, mehr Flexibilität und dem Zugang zu moderner Technik.»
Wer Chancen und Risiken nüchtern abwägt, kann den Roboter auf Abruf als Produktivitätshebel nutzen – und vermeidet, dass aus Flexibilität eine Kostenfalle wird.
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Textquelle: Reichelt
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