Technische Rundschau mit polyscope' Schweizer Fachmagazin für Industrie-Technologien

  • Suche
  • Themen
    • Fertigung
    • Automation
    • Digitalisierung
    • News
    • Content-Hubs
    • Specials
    • Magazin
      • Abo
      • Printmagazin
    • Newsletter
    • Über uns
      • Mediadaten
      • Dienstleistung
      • Impressum
      • Datenschutz
      • Kontakt & Team
  • Polyscope
  • Magazin
    • Abo
    • Printmagazin
  • Bezugsquellen
  • Newsletter
  • Über uns
    • Mediadaten
    • Dienstleistung
    • Impressum
    • Datenschutz
    • Kontakt & Team
  • Abo
  • Mediadaten

No-Code für Roboter: Auto-Mate verlegt den Nullpunkt

Das BFH-Spin-off aus Biel referenziert alle Positionen aufs Werkstück

Lucas Renfer, CEO von Auto-Mate Robotics, mit der No-Code-Oberfläche von Progra Block. Bild: Eugen Albisser
Lucas Renfer, CEO von Auto-Mate Robotics, mit der No-Code-Oberfläche von Progra Block. Bild: Eugen Albisser

Drei Stunden für einen Prozess, an dem der bisherige Integrator wochenlang scheiterte. Möglich macht das eine Software, die jede Position auf das Werkstück rechnet statt auf die Roboterbasis. Wer den Tisch verschiebt, verschiebt das Programm gleich mit.


Text: Eugen Albisser

No-Code bieten heute bereits einige Roboterhersteller an. Bei Auto-Mate Robotics in Biel steckt hinter dem Wort aber mehr als eine aufgeräumte, leicht zu bedienende Oberfläche. «No-Code ist mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal mehr», sagt Lucas Renfer, einer der drei Gründer des BFH-Spin-offs (Berner Fachhochschule). Viele Hersteller hätten ihre Interfaces vereinfacht. Der Prozess im Hintergrund sei weiterhin enorm komplex geblieben.

Hundert Positionen auf einem Blister (einem vorgeformten Werkstückträger aus Kunststoff), dazu Greifer, die drehen und kippen müssen: Das lässt sich mit bunteren Blöcken besser bedienen. Die Logik, die darunter rechnet, hat sich bei den meisten Systemen aber kaum bewegt. Auto-Mate greift deshalb tiefer.

Der Nullpunkt wandert vom Roboter ins Werkstück

Der entscheidende Unterschied steckt in der Referenzierung. Herkömmliche Robotersysteme rechnen alle Positionen von der Basis des Roboters aus. Wer ein Objekt verschiebt, muss jede Position einzeln nachführen. Auto-Mate dreht die Logik um. «Das Objekt ist der Kern», erklärt der Mitgründer. «Und nicht mehr der Roboter.» Alle Positionen referenzieren auf das Werkstück: auf den Eckpunkt eines Blisters, auf das Zahnrad, das gegriffen werden soll. Der Nullpunkt wandert vom Roboterfuss dorthin, wo die Arbeit stattfindet.

Wenn also jemand einen Blister verschiebt, wandern alle Positionen mit, die darauf referenziert sind. Bei hundert Positionen spart das hundert manuelle Korrekturen. Bei einem herkömmlichen System müsse man jede Position einzeln nachführen oder eine Funktion suchen, die alle Koordinatensysteme neu referenziert. Ein Zusatzschritt, der Zeit frisst und Fehler einlädt. Auto-Mate hat diese Logik in die Grundarchitektur eingebaut. Tische lassen sich komplett vorbereiten, wegräumen und Monate später wieder andocken. Alles, was darauf referenziert war, kommt zurück.

Der digitale Zwilling verlegt die Arbeit ins Büro

Dazu kommt ein digitaler Zwilling, der die Programmierung vom physischen Roboter entkoppelt. Alle Geräte, die Auto-Mate ansteuern kann, lassen sich in der Software laden und auf einem virtuellen Arbeitsplatz arrangieren. Unten am Bildschirm ein Schalter: offline auf online wechseln, «dann wird alles automatisch verbunden». Kein Konfigurationsmenü, kein Treiber im Vordergrund. Im Büro programmieren, Schalter umlegen. Der Roboter bewegt sich. 90 Prozent der Arbeit passieren am Schreibtisch, die letzten zehn an der Maschine.

Ein Sprachmodell baut die Blöcke zusammen

Aktuell entwickelt das Team zudem eine Erweiterung mit einem KI-Sprachmodell, die bereits sehr vielversprechend aussieht und die Nutzbarkeit für Nichtexperten weiter erhöhen soll. Der Benutzer tippt künftig eine Anweisung, etwa: Bewege das Zahnrad vom Tisch zum Blister in Position 1. Die KI baut daraus eine klare Abfolge visueller Blöcke: Teil anfahren, greifen, zum Blister bewegen und ablegen. Andere Systeme lassen die KI Python-Code generieren, mit dem ein Bediener ohne Programmierhintergrund wenig anfangen kann. Bei Auto-Mate sieht er die Blöcke, die er bereits kennt. Wenn eine Zahl falsch ist, steht sie sichtbar im Blöckchen. Ein Klick, und sie ist korrigiert.

Getippt, wohlgemerkt. Sprachsteuerung hat das Team von Anfang an verworfen. «In der Industrie ist es manchmal sehr laut», erklärt der Gründer. Dazu komme das Sprachproblem: Englisch funktioniere, Französisch einigermassen. Sobald jemand Hochdeutsch mit Mundart mische, versage die Erkennung zuverlässig. Also wird geschrieben. Die Eingabe per Text sei fehlerärmer, und der Benutzer sehe sofort, was er angewiesen habe. Lieber ein halbes Feature weniger, dafür eines, das in jeder Halle hält.

Die visuellen Blöcke von Progra Block auf dem Tablet. Bild: Auto-Mate Robotics
Die visuellen Blöcke von Progra Block auf dem Tablet. Bild: Auto-Mate Robotics

Der Cobot-Mythos hält der Fertigungspraxis nicht stand

Beim Thema Cobots (kollaborative Roboter für die gemeinsame Arbeit mit Menschen) räumt der Mitgründer gerne mit einem Mythos auf. Echte Kollaboration, bei der Mensch und Maschine exakt denselben Handgriff teilen, gebe es in der Fertigung kaum. In der Praxis sei es eine reine Koexistenz. Der Mensch bereitet die Teile vor, der Roboter verarbeitet sie.

Aus dieser Erkenntnis zieht Renfer einen klaren Schluss mit Blick auf humanoide Roboter. In den meisten industriellen Anwendungen sei es wesentlich effizienter, den Arbeitsplatz der Maschine anzugleichen und nicht umgekehrt. Auto-Mates Prinzip lautet daher: so wenige Gelenke wie möglich und eine konsequente Anpassung der Umgebung. Derweil sinken die Hardwarepreise, und günstigere Cobots aus Asien drängen auf den Markt. Die Differenzierung verschiebt sich zur Software.

Der digitale Zwilling erlaubt es, die Programmierung offline vorzubereiten. Bild: Auto-Mate Robotics
Der digitale Zwilling erlaubt es, die Programmierung offline vorzubereiten. Bild: Auto-Mate Robotics

Drei Stunden statt Wochen beim Thurgauer Kunden

Wie nah Auto-Mate diesem Versprechen schon kommt, zeigt ein Kundenbesuch am selben Tag. Ein Unternehmen im Thurgau formulierte die Anforderung klar: eine halbe Stunde pro neuem Teil, Initialprogrammierung. Alles muss vorbereitet sein, vergleichbar mit einem intuitiven Baukastensystem. Das ist erreichbar, wenn die Grundanlage auf den Kundenprozess abgestimmt ist.

Ein Techniker, der das System kennt, braucht heute nicht einmal mehr diese halbe Stunde. Beim Erstbesuch benötigte das Team lediglich drei Stunden, um den gesamten Prozess für den Kunden vollständig aufzusetzen und zu validieren. Was beim bisherigen Integrator über Wochen nicht gelöst werden konnte, war hier an einem einzigen Nachmittag produktionsbereit.

Dieser schnelle Praxiserfolg basiert auf einem starken technologischen Fundament, welches in der akademischen Forschung wurzelt.

+

Programmierung völlig neu gedacht

Bei herkömmlichen Robotern erfordert es oft viel Fachkenntnis, den Nullpunkt auf ein Werkstück zu legen. Fehlt diese Kenntnis, werden Positionen von der Basis des Roboters aus programmiert. Wer dann ein Objekt verschiebt, führt jede Position einzeln nach. Progra Block erhebt die objektzentrierte Logik hingegen zum intuitiven Standard: Alle Positionen referenzieren automatisch auf das Objekt oder gleich auf den kompletten Arbeitsplatz. Dank dieser Logik wird auch die Kalibrierung enorm vereinfacht: Wenn Sie die Anlage verschieben, kalibrieren Sie das System einfach auf einen einzigen Referenzpunkt neu und sofort stimmt wieder jedes Detail.

Zudem erleichtert die Software den Ablauf durch zwei weitere Funktionen:

Künstliche Intelligenz: Neue Teile können mit minimalem Aufwand eingelernt werden. Der Benutzer klickt auf dem Bildschirm lediglich auf das Objekt. Dadurch wird direkt eine KI trainiert, die diese Objekte danach zuverlässig erkennt.

Digitaler Zwilling: Dieser erlaubt es, die komplette Programmierung offline vorzubereiten. Ein Schalter wechselt zwischen Simulation und Realität.

Aus einer Masterarbeit von 2022 wurde eine AG

Das Spin-off entstand als Masterarbeit an der Berner Fachhochschule gemeinsam mit einem Uhrenhersteller aus der Region Biel. Diese Arbeit wurde im Jahr 2022 abgeschlossen. Im Dezember 2024 wurde das Unternehmen schliesslich als Auto-Mate Robotics AG gegründet. Der Name ist ein Wortspiel aus Automation und Mate, dem automatischen Arbeitskollegen. Die Software heisst Progra Block, eine herstellerunabhängige No-Code-Plattform für Pick-and-Place-Anwendungen. 95 Prozent der gängigen Aufgaben in diesem Bereich deckt die Software ab.

All das entsteht weiterhin im engen Austausch unter dem Dach der Berner Fachhochschule. Zwei BFH-Angestellte arbeiten im Team mit: einer an Tutorials und Schulungsmodulen, einer an einer Mixed-Reality-Anwendung, mit der sich Roboterbewegungen per Tablet im realen Raum prüfen lassen. Sarah Dégallier-Rochat, Mitinitiatorin des Projekts, berät das Team weiterhin, auch wenn sie inzwischen als Head of Human Digital Transformation ein eigenes Pensum hat. Zudem profitiert das Spin-off von einem wertvollen Unterstützungsnetzwerk: Ob bei komplexen Fragen zu Safety, bei der Buchhaltung oder bei rechtlichen Anliegen, die Hochschule steht mit Rat und Tat zur Seite.

Die BFH erweist sich dabei auch als eine der kulantesten Hochschulen der Schweiz, was IP-Rechte und Ausgründungen betrifft. «Ohne die BFH hätte es uns so nie gegeben», betont der Mitgründer. Mittlerweile könnte das junge Unternehmen zwar auch auf eigenen Beinen stehen, aber das starke Netzwerk im Hintergrund bleibt ein unschätzbarer Vorteil.

Auf einen Blick

Software statt Steuerung

Was
Progra Block, herstellerunabhängige No-Code-Software für Roboter (Pick-and-Place).
Für wen
KMU mit High-Mix-Low-Volume-Produktion, häufige Umrüstung, kein Robotik-Spezialist im Haus.
Besonderes
Objektorientierte Referenzierung (Nullpunkt im Werkstück), Digital Twin, LLM-gestützte Programmierung per Texteingabe.
Einstieg
Mate Cell Trial für 4500 CHF (ein Monat, wird bei Kauf angerechnet).
Gründung
AG seit Dezember 2024, BFH-Spin-off, drei Gründer, Sitz in Biel.

Auto-Mate Robotics AG, Biel

Ein Software-Spin-off, das seine Kabel selber lötet

Das Unternehmen sitzt heute auf 150 Quadratmetern. Büros, ein Sitzungszimmer, dahinter der Demobereich mit den Cobots. Hinten eine Lötecke und ein 3D-Drucker, ganz am Ende eine kleine Drehbank und eine Fräse. Ein Software-Spin-off, das seine eigenen Kabel lötet. Der CEO übernimmt inzwischen 90 Prozent der Administration, während sich seine beiden Mitgründer die Entwicklung teilen.

Das Jahr 2025 war hart: Die globale Zollkrise bremste die gesamte Automatisierungsbranche spürbar aus, und ein Unternehmen, das es damals noch kein Jahr gab, traf dieser Wind doppelt. Doch seit Anfang 2026 füllt sich die Pipeline wieder rasant. Die halbe Stunde pro neuem Teil, die der Thurgauer Kunde fordert, ist noch Ziel. Der Nullpunkt aber ist schon verschoben.

technik-und-wissen-newsletter
Ihr zukünftiger Werbeplatz? Unsere Mediadaten

Passend zu diesem Artikel

Produktübersicht Cobots

Welcher Cobot trägt genug, welcher reicht weit genug, welcher passt auf den vorhandenen Platz? Die Produktübersicht der Technischen Rundschau legt die Modelle nebeneinander und filtert nach den Werten, die in der Fertigung zählen.

  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn
  • E-mail
  • tumblr
  • Reddit

Impressum

Autor: Eugen Albisser

Bildquelle: Eugen Albisser / Auto-Mate Robotics

Informationen

Auto-Mate Robotics
www.auto-mate-robotics.ch

Berner Fachhochschule
www.bfh.ch

Weitere Artikel

ID-Reader der Serie ID-600: Qualitätsprüfung

Für anspruchsvolle Codelese-Aufgaben


Der Design-to-Cost-Ansatz in der Blechbearbeitung


Qineo ArcBoT von Cloos

Schweiss-Cobot: Nahtverfolgung mit Lichtbogensensorik


  • BFH
  • Cobot
  • Digitaler Zwilling
  • Künstliche Intelligenz
  • Programmierung
  • Robotik
  • Start-up

Veröffentlicht am: 23.08.2026

Übersicht

Technik und Wissen
Unsere weiteren Fachmagazine
  • Impressum
  • Datenschutz
  • AGB
Wenn Sie Cookies akzeptieren, können wir Ihnen die bestmögliche Erfahrung auf dieser Website bieten.