Swissmem Symposium: Yin und Yang? Ein Gastkommentar
Schweizer Qualität gilt als unantastbar, chinesisches Tempo als unerreichbar. Das 24. Swissmem Symposium bringt am 27. August in Zürich beide Seiten zusammen und fragt, ob die Schweizer Industrie schnell genug sein kann. Ein Gastkommentar von Christoph Blättler, Ressortleiter «Werkzeugmaschinen» bei Swissmem.
Autor: Christoph Blättler
Einige mögen argumentieren, dass Qualität und Geschwindigkeit Gegensätze sind. Ganz speziell Schweizer Qualität und Geschwindigkeit. Aber genau diesem Spannungsfeld oder vielleicht diesem gesuchten Gleichgewicht widmet sich das 24. Swissmem Symposium am letzten Donnerstag im August. Ist das vereinbar, ja machbar, diese «Höchstqualität», die viele Schweizer Anbieter in ihren Nischen abliefern sollen, und dies in einem Tempo, das vorgegeben wird von einem Milliardenvolk mit jährlich Zehntausenden Ingenieur- und Doktorandenabgängern und dem Fokus, die globale Technologieführerschaft in den relevanten Disziplinen für die nächsten Dekaden zu pachten?
Müssen wir uns neu erfinden? Ist es die Positionierung unserer Produkte im globalen Markt, die grundsätzlich neu gedacht werden muss, oder sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen und diese konsequent als USP umsetzen?
Was sind die Erfahrungen von Industrievertretern, die mit ihren Produkten, ihrer Positionierung «durchs Feuer» gegangen sind? Gibt es Konstellationen, die einer Firma helfen, diese Herausforderung zu meistern, und wie sieht man das von der anderen Seite, aus der Fertigungstechnikindustrie im Fernen Osten?
Um in die Materie einzutauchen, erläutert Swissmem-Präsident Martin Hirzel seine Sicht der Sachlage, angereichert um aktuelle Indikatoren der Schweizer Tech-Industrie. Zwei Kurzpräsentationen, zum Konjunkturausblick in der Industrie von Josua Burkart von HPO Forecasting AG und von Marcel Natterer, CEO der Advanced Materials Division der Bühler-Gruppe, zu seinem Ansatz für den Erfolg von morgen, leiten zum Kamingespräch dieser ersten drei Speaker mit Publikumsfragen über.
Auf gen' Osten, aber wie?
Nach der Morgenpause spüren Franc Kaiser von InterChina Consulting, Shanghai, und Phil Klemens von Infront Consulting, Hamburg, der Frage nach, was nach Meinung der Maschinenbauindustrie eine globale Überlebensstrategie für europäische und Schweizer «Qualitätsanbieter» sein könnte, sein müsste.
Danach spricht einer, der «durchs Feuer» ging. Die Netstal AG in Näfels stellt Spritzgussmaschinen her, die höchsten Ansprüchen genügen. Renzo Davatz, der CEO, erzählt von den Erfahrungen, wenn aufgrund eines scheinbar übermächtigen neuen Marktteilnehmers plötzlich die Produkte doch nicht mehr «den Ansprüchen» genügen.
Jede Medaille hat zwei Seiten, pflege ich zu sagen. Ganz nach diesem Motto beschreibt Stefan Hantke, Präsident und CEO der Schneeberger Gruppe, seinen Ansatz als Chance zu wachsen: Local for Local.
Nach der Mittagspause moderiert Reto Lipp, der einmal mehr versiert durch den Tag führt, eine Runde der «Gladiatoren» und reichert sie mit Publikumsfragen an. Franc Kaiser, Renzo Davatz, Stefan Hantke und Barnaby Skinner, stellvertretender Chefredaktor der NZZ, diskutieren über Sinn und Dringlichkeit der These «Auf gen' Osten, aber schnell!». Anschliessend präsentiert Barnaby Skinner seinen Entwurf einer Gegenthese und postuliert, dass nur in einem freiheitlichen System nachhaltige und grundsätzliche Innovation passieren kann.
Besonders stolz bin ich darauf, dass es mir dieses Jahr gelungen ist, eine relevante Stimme der Fertigungstechnik aus dem Fernen Osten ans Symposium zu holen. Patrick Chen ist nicht nur Präsident der Taiwan Machine Tool & Accessory Builders' Association (TMBA), sondern auch General Manager von Yeong Chin Machinery Industries Co., Ltd. (YCM), einem der angesehensten taiwanesischen Werkzeugmaschinenhersteller. Er zeigt, wie die Herausforderung für die lokale Industrie bei ihm zu Hause und im Fernen Osten aussieht, wo er die technologischen Tendenzen sieht und wie er das Positionierungspotenzial der Schweizer Anbieter beurteilt.
Einsichten in Beschleunigungsanstrengungen
Nach der Nachmittagspause erhalten wir einen Einblick in die Beschleunigungsanstrengungen eines weltweit führenden Unternehmens der «Flugmotorenüberholung». Mit der Hauptbasis in der Schweiz ist SR Technics seit einigen Jahren mehrheitlich von chinesischen Investoren gehalten und baut seine internationalen Kapazitäten aus. Der CEO, Owen McClave, beleuchtet, wie die Firma mit dem internen Programm «Velocity» in einigen Jahren doppelt so viele Turbinen pro Jahr überholen will, ohne die Organisation proportional wachsen zu lassen.
Die neue CEO von Switzerland Global Enterprise, Anja Fiedler, zeigt, wie sich die Exportförderungsorganisation des Bundes unter ihrer Ägide mit den makropolitischen Verwerfungen auseinandersetzt und mit angepassten Serviceprodukten danach strebt, den exportorientierten Firmen unserer Industrie Werkzeuge in die Hand zu geben, die helfen, Risiken zu umschiffen und Chancen zu nutzen.
Der Schweizer Franken ist immer ein Thema am Swissmem Symposium und bei den Firmen der Teilnehmer. Dieses Mal behandeln wir es unorthodox. Dr. Costa Vayenas hat Ende letzten Jahres das Buch «The Swiss Franc 1798–2055» publiziert. Der Chief Investment Officer der Genesis Investment Partners AG geht darin der Frage nach, wieso der Schweizer Franken so stark ist, ob das immer so war und ob es so bleiben wird. Im Schlussvortrag teilt er seine Einsichten in konzentrierter Form.
Sie sehen, es lohnt sich. Dieser letzte Donnerstag im August hat es auch dieses Jahr in sich.
Details und Anmeldung unter www.swissmem-symposium.ch
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