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Die humanoiden Roboter haben ein Körperproblem

Panel-Session am International Humanoid Forum im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne

Moderator Lukas M. Ziegler mit den vier Experten an der Panel Session.

Humanoide Roboter sollen Fabriken erobern. Doch auf dem International Humanoid Forum im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne zeigt sich: Es gibt noch Hürden und die sind nicht digital, sondern physisch.


Von Eugen Albisser (Text) und SIPBB (Bilder)

Vier Experten, eine Frage, null Mal künstliche Intelligenz. Als der Moderator Lukas M. Ziegler zum Schluss des Roundtables fragt, was jeder Panelist mit einem Zauberstab an der humanoiden Robotik sofort ändern würde, antworten drei mit Variationen desselben Wortes: Sensorik. Der vierte sagt: Sicherheitsstandards. Keiner sagt: bessere KI-Modelle.

Das ist bemerkenswert. Denn viele Debatten über humanoide Roboter kreisen oft um Foundation Models und Vision-Language-Action-Architekturen. Die Branche selbst sieht das offenbar anders. Auf dem International Humanoid Forum im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne sitzen an diesem Nachmittag vier Köpfe auf der Bühne, die zusammen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: vom KI-Hirn über die Antriebstechnik bis zum fertigen Roboter. Was sie eint, ist eine Diagnose, die dem Zeitgeist widerspricht.

Ryan Finnigan, Senior Vice President von Humanoid AI
Ryan Finnigan, Senior Vice President von Humanoid AI.

Die Lücke zwischen Demo und Fabrik

Ryan Finnigan, Senior Vice President von Humanoid AI, ist einer der wenigen, die an diesem Tag konkret über den Einsatz humanoider Roboter in realen Fabriken sprechen können. Sein Unternehmen hat Proof-of-Concept-Tests bei Ford in Köln durchgeführt. Doch Finnigan bleibt nüchtern. «Die Lücke ist nach wie vor erheblich», sagt er. Die Tests dauern vier Wochen, finden in abgesperrten Bereichen statt, weil die Roboter noch nicht für die Zusammenarbeit mit Menschen zertifiziert sind. Die Umgebung ist nachgebaut, nicht real. «Wir gehen nicht direkt in eine bestehende Arbeitszelle.»

Was funktioniert, sind die KI-Modelle: Ihre Fähigkeit, im Labor Gelerntes auf die Fabrikumgebung zu übertragen, habe selbst sein eigenes Team überrascht. Doch der Weg vom vierwöchigen POC zum Sechsmonatspiloten, den Humanoid AI für Ende dieses Jahres plant, bleibt weit. Das Ziel: 16 Stunden Betriebszeit pro Tag. Dazu müssen Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit so weit steigen, dass 16 Stunden Betrieb ohne ungeplante Stopps möglich werden.

Dass die Branche trotzdem eine Beschleunigung erlebt, bestätigt Simon Fischinger. Der CEO von Synapticon, einem Anbieter von Servoantrieben und Motion-Control-Systemen für humanoide Roboter, beschreibt eine Nachfrage, die «regelrecht explodiert» sei. Bemerkenswert: Nicht die bekannten Player treiben das Wachstum. Es seien Unternehmen, «die noch nicht einmal einen Namen haben», die aber bereits zweistellige Millionenbeträge eingesammelt hätten. Sie kaufen Standardkomponenten, bauen Prototypen, iterieren. Sie fühlen sich bereits spät dran.

Fabien Mugnier ordnet diesen Boom historisch ein. Der Robotik-Ingenieur blickt auf mehr als 15 Jahre Erfahrung zurück, unter anderem bei Softbank Robotics, Dyson und dem norwegischen Startup 1X. Dyson, erzählt er, habe bereits vor acht Jahren an humanoiden Haushaltsrobotern geforscht. «Wir arbeiteten unter dem Radar, probierten aus.» Was sich seither verändert habe? Die Zahl der Akteure. Und ein Tempo, das sich gegenseitig antreibt.

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Taktile Sensorik: Was humanoiden Robotern fehlt

Menschen verfügen über rund 17'000 Mechanorezeptoren pro Hand, verteilt auf vier Rezeptortypen, die Druck, Vibration, Dehnung und Temperatur messen. Diese Dichte erlaubt es, ein rohes Ei zu greifen, ohne es zu zerdrücken, oder beim Gehen über Schotter instinktiv die Schrittlänge anzupassen.

Heutige humanoide Roboter arbeiten überwiegend mit visueller Wahrnehmung: Kameras und Tiefensensoren liefern Bilddaten, die von Vision-Language-Action-Modellen (VLA) verarbeitet werden. Taktile Sensorik existiert in Forschungsprototypen, ist aber in kommerziellen Plattformen kaum verbaut. Die Gründe: hohe Kosten pro Sensoreinheit, mangelnde Robustheit im Dauereinsatz und fehlende KI-Modelle, die taktile Daten effizient verarbeiten können.

Das Sensorik-Defizit

Die schärfste Diagnose des Nachmittags stellt Krzysztof Walas. Der Mitgründer und CTO von Lute, einem Embodied-AI-Unternehmen mit Standorten in Warschau und Redwood City, forscht seit einem Jahrzehnt an taktiler Wahrnehmung. Sein Argument: Die Vision-Language-Action-Modelle, auf die sich die Branche konzentriert, arbeiten fast ausschliesslich mit Videodaten. «Visuelle Wahrnehmung lässt sich immer täuschen», sagt Walas. Ein Roboter, der ein Objekt nur sehen, aber nicht ertasten kann, weiss nicht, wie fragil es ist, welche Oberflächenstruktur es hat, wie fest er zugreifen darf.

Walas geht weiter: Selbst für die Fortbewegung sei taktile Wahrnehmung entscheidend. In der Fabrik auf ebenem Boden mögen Räder genügen. Draussen nicht. «Wer von Sneakern auf schwere Bergschuhe wechselt, passt automatisch Gang und Schrittlänge an», vergleicht er. Der Satz klingt banal, ist aber technisch folgenreich: Humanoide Roboter imitieren menschliche Bewegungen, ohne über menschliche Sinne zu verfügen.

Fischinger bestätigt das aus der Zulieferer-Perspektive: Viele Hersteller investierten derzeit massiv in Sensorik, weil neben den KI-Modellen genau das den Unterschied mache. «Wer das hinbekommt, gewinnt.»

Dieses Sinnesdefizit ist jedoch nur ein Teil des Körperproblems: Die andere Seite ist Sicherheit. Es gibt derzeit schlicht keinen Standard, nach dem bipede, instabile Roboter zertifiziert werden können. Arbeitsgruppen machten Fortschritte, sagt Fischinger, «aber es gibt kein Prüfsiegel, das man darauf kleben könnte». Solange dieser Standard fehlt, können humanoide Roboter nicht neben Menschen arbeiten. Finnigans abgesperrte Testbereiche bei Ford sind weniger ein technisches als ein regulatorisches Artefakt.

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Europas Dilemma

Wo in diesem globalen Wettlauf steht Europa? Walas zeichnet ein Bild, das er selbst mit Frankensteins Monster vergleicht: Man müsste aus drei Regionen das Beste zusammensetzen. Europas Forschung sei tief, rigoros, wenig auf Demos getrimmt. «Kein Schaulaufen. Die Forschung in Europa gräbt wirklich tief.» Chinas Stärke liege in der Hardware und im Fertigungstempo. Die USA lieferten Kapital und Vertriebskompetenz.

Das Problem: Wer als europäisches Startup ernsthaftes Wagniskapital einwerben wolle, müsse in den USA registriert sein. Europäische Investoren scheuten den fragmentierten Rechtsraum der EU-Mitgliedstaaten. Und das kulturelle Tempo? Am Vorabend des Forums fiel ein Satz, den Walas auf der Bühne zitiert: «Man kann in einem europäischen Startup nicht zu hart pushen, weil es illegal ist.» Der Verweis gilt den Arbeitszeitgesetzen. Doch der Punkt reicht tiefer.

Mugnier ergänzt die Kostenperspektive. Die Stückkosten seien das zentrale Thema jedes Humanoiden-Herstellers. Von Prototypen auf Massenproduktion zu skalieren, ohne Zuverlässigkeit einzubüssen: das sei die eigentliche Ingenieursaufgabe. Und hier habe China einen Vorsprung. Unternehmen wie Unitree, seit rund zehn Jahren am Markt, setzten beim Preis Massstäbe, die europäische Hersteller nur schwer unterbieten könnten.

Während Europa um Kapital und Strukturen ringt, bleiben die technischen Hausaufgaben überall dieselben.

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Fühlen lernen

Vier Perspektiven, ein gemeinsamer Befund: Die humanoide Robotik wird nicht an mangelnder Intelligenz scheitern. Die Modelle lernen sehen und handeln. Was fehlt, ist das Gespür. Die Fähigkeit zu fühlen, was man greift. Die Erlaubnis, neben Menschen zu stehen. Und die industrielle Reife, Roboter nicht nur zu bauen, sondern in Stückzahlen zu liefern.

Finnigan formuliert es pragmatisch. Auf die Zauberstab-Frage antwortet er: «Die Sicherheitszertifizierung ist für mich das eigentliche Nadelöhr.» Erst wenn Roboter zertifiziert neben Menschen arbeiten dürfen, werde man Massenadoption sehen. Bis dahin bleiben die Absperrgitter stehen.

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Impressum

Autor: Eugen Albisser

Bildquelle: SIPBB

Redaktionelle Bearbeitung: Technische Rundschau

Informationen

https://humanoid-forum.com/

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Veröffentlicht am: 23.02.2026

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